Der Historiker Peter Logerich legt mit "Wannseekonferenz. Der Weg zur 'Endlösung'" eine Darstellung und Deutung der bürokratischen Vorbereitung des Massenmordes an den Juden im Zweiten Weltkrieg vor. Der Autor entzieht sich einfachen Erklärungen und macht auf die Komplexität des Prozesses aufmerksam, wobei er auch Detailaspekte der Konferenz akribisch untersucht und so eine schlüssige Interpretation präsentiert.
Es ist verblüffend, welch hohen Preis Menschen zahlen, wenn sie in den Krieg ziehen. Sie sind bereit, persönlich Kosten zu tragen um ihrer eigenen Gruppe zu nützen, indem sie mit Gruppenangehörigen kooperieren und sich dem Gegner gegenüber feindselig verhalten. Trotz der Aggressivität stärken diese Konflikte das Zugehörigkeitsgefühl zur Gruppe, den sozialen Zusammenhalt und die Verbundenheit zwischen Gruppenangehörigen – wesentliche Aspekte eines erfolgreichen Konkurrenzkampfes mit anderen Gruppen.
Eine aktuelle Studie untersucht den Zusammenhang von Altruismus und Lebenszeit. Dabei zeigte sich, dass ältere Menschen, die andere unterstützen, länger leben. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Evolution and Human Behavior veröffentlicht. Daran beteiligt waren Forschende der Universität Basel, der Edith Cowan University, der University of Western Australia, der Humboldt-Universität zu Berlin und des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin.
Der Ägyptologe Jan Assmann geht in seinem Buch "Totale Religion. Ursprünge und Formen puritanischer Verschärfung" erneut dem Kontext von Gewalt und Monotheismus nach. Dabei beschränkt er sich auf eine kenntnisreiche Darstellung zur Entstehungsgeschichte, eine darüber hinausgehende Erörterung im strukturellen oder übergeschichtlichen Sinne findet man darin nicht.
"Biologie ist cool und Genetik war noch nie so spannend wie heute" – diesen letzten Satz des Buches gilt es zu beweisen, was dem Autor mühelos gelingt. Humorvoll, spritzig, zuweilen auch flapsig-deftig, immer aber kenntnisreich und spannend, führt der 28jährige Molekularbiologe Martin Moder zu interessanten, oftmals auch überraschenden Einsichten in verschiedene Wissensgebiete der Molekularbiologie und Genetik, erklärt Rätselhaftes und beantwortet wichtige Fragen zur biologischen Zukunft des Menschen.
Pünktlich vor Weihnachten erschien die Sonderausgabe des "Philosophischen Magazins": "Die Bibel und die Philosophen". Der Fokus liegt auf dem Alten Testament. Die Chefredakteurin dieser Sonderausgabe, Catherine Newmark, will dem Leser das Alte Testament als "ungeheuer bezugsreichen Denkraum" ans Herz legen, als einen "Raum für Philosophie". Dies sei, so Newmark, erst durch die Bibelkritik der Neuzeit möglich geworden. Denn die Bibel ist heute "mehr", als "nur eine Heilige Schrift für Gläubige". Sie sei eine Fundgrube "spannender" Geschichten, in denen beispielsweise "ein Vater seinen einzigen Sohn opfern soll".
Was unterscheidet uns vom Affen? Unter anderem das Gen ARHGAP11B. Es kommt nur beim Menschen vor und trägt vermutlich dazu bei, dass wir ein deutlich größeres Gehirn haben. Forscher am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden haben nun eine spektakuläre Entdeckung gemacht: Eine Punktmutation, also der Austausch nur eines einzigen Basenpaars in der DNA dieses Gens, ist dafür verantwortlich, dass sich beim modernen Menschen mehr Hirn-Stammzellen bilden – die Voraussetzung für ein größeres Gehirn.
Ein Opus magnum in jeder Hinsicht; 613 Seiten geballtes Wissen mit tiefgreifenden Erkenntnissen und einer Vielzahl weiterführender Gedanken zu einer der wichtigsten Entdeckungen des Homo sapiens, der Evolutionstheorie!
Goffin-Kakadus können nicht nur Werkzeuge benutzen, um an einen Leckerbissen heranzukommen. Sie können sie sich auch selbst herstellen. Dazu setzen sie nicht Instinkt ein, schauen es auch nicht voneinander ab, sondern entwickeln wahren Erfindergeist. Das fand man am Veterinärmedizinischen Institut Wien heraus. Parallelversuche wurden in der Universität Oxford gemacht.
Ende November erschien in der renommierten Zeitschrift "Nature" ein Artikel, der das Bild von den friedlichen Silberrücken als sanfte Riesen erschüttert. Nun scheinen die Gorillas nicht nur den Schimpansen, sondern auch den Menschen ein Stück ähnlicher. Ein Mob, der in der Überzahl lebensbedrohlich auf ein einzelnes Individuum losgeht, das wurde auch im Virunga-Nationalpark im Kongo in jüngerer Zeit mehrfach beobachtet.
Ein neues Buch von Horst Groschopp wird vom Alibri Verlag gerade ausgeliefert. Der Titel ist Pro Humanismus. Die Publikation eröffnet eine neue Reihe "Humanismusperspektiven" – einem früheren Titel des Autors folgend. Das neue Buch behandelt die jüngere Geschichte der "Konfessionsfreien" in Deutschland. Den Fokus bildet die Aneignung, Ausformung und "Anwendung" des Humanismus. Der Band enthält eine umfängliche Dokumentation kontroverser Standpunkte. Der hpd sprach mit dem Autor.
Die menschliche Sprache ist einzigartig. Auch wegen der Grammatik – also der Fähigkeit, mit Wörtern nach bestimmten Spielregeln potentiell unendlich viele verschiedene Sätze zu bilden und zu verstehen. Wissenschaftler des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften und der Newcastle University haben nun herausgefunden, dass auch Affen komplizierte Regeln innerhalb von Silbenfolgen entdecken können. Das Gehirn von Makaken ist beim Hören komplexer Silbenkombinationen in ähnlicher Weise elektrisch aktiv wie das von drei Monate alten Babys. Affen besitzen somit wahrscheinlich "Vorläuferfähigkeiten" für den Spracherwerb.
Mit Begeisterung begrüßt der Zoodachverband VdZ e.V. eine jüngst auf nature.com veröffentlichte Studie, die anhand der Daten von rund fünfzig in Zoos gehaltenen Säugetierarten untersucht hatte, ob die jeweiligen Tiere im Zoo oder in der Natur länger leben. Das Ergebnis der Studie, so der VdZ, spreche "klar für eine durchschnittlich längere Lebensdauer der untersuchten Tierarten in wissenschaftlich geleiteten Zoos", woraus zu schließen sei, dass "die Zoos den Tieren artgemäße Lebensbedingungen bieten".
Bis zu zehn Monate können Mauersegler ununterbrochen in der Luft bleiben, ohne zu landen, diese Erkenntnis publizierte unlängst Anders Hedenström, Ornithologe der Universität Lund, in der online erscheinenden Zeitschrift "current biology". Transponder übermittelten entsprechende Daten.
Wenn Menschen und andere in sozialen Gemeinschaften lebende Tiere Stress ausgesetzt sind, werden sie oft krank und sterben früher. Die Unterstützung von Freunden und Verwandten kann die negativen Auswirkungen von Stress eindämmen. Doch wie dieser Prozess funktioniert, ist unklar. Ein Team unter der Leitung von Roman Wittig, Catherine Crockford und Tobias Deschner vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hat untersucht, wie frei lebende Schimpansen in An- oder Abwesenheit eines Freundes mit stressigen und nicht stressigen Situationen zurechtkommen.