Angestellte bei einem kirchlichen Betrieb, die zur Kirchenmitgliedschaft gezwungen sind; Eltern, die vergeblich eine religionsfreie Kita für ihr Kind suchen, oder Konfessionsfreie, die von ihren Steuern die Gehälter von Bischöfen mitfinanzieren: Die Erfahrungen von Säkularen und Konfessionsfreien mit religiöser Diskriminierung sind vielfältig. Jetzt sind die Betroffenen aufgerufen, ihre Erfahrungen zu schildern. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sammelt in einer anonymen Befragung die Erlebnisse von Bürgerinnen und Bürgern mit unterschiedlichen Formen von Diskriminierung.
Die Befragung läuft bis einschließlich 28. Februar und dauert rund 30 Minuten. Teilnehmen können alle Menschen ab 14 Jahren, die in den letzten beiden Jahren eine Erfahrung mit Diskriminierung gemacht haben. Unter den Gründen für Diskriminierung werden Religion und Weltanschauung ausdrücklich genannt.
Bislang haben etwa 20.300 Personen ihre Erlebnisse geschildert (Stand 23. Januar 2026). Neben der Online-Teilnahme kann der Fragebogen auch auf Papier ausgefüllt werden. Die Ergebnisse sollen einen aktuellen Überblick vermitteln, wo Menschen in Deutschland Diskriminierung erfahren, wie sie damit umgehen, welche Unterstützungsangebote sie nutzen – aber auch, welche Angebote fehlen. Ein weiteres Ziel ist, die Folgen von Diskriminierung zu dokumentieren.
Die Gleichstellung von konfessionsfreien und säkularen Menschen mit Kirchenmitgliedern gehört seit Langem zu den drängendsten Anliegen der säkularen Verbände. Einen Überblick über das Ausmaß von Weltanschauung als Diskriminierungsgrund veröffentlichte die Antidiskriminierungsstelle 2016. Dieser Übersichtsartikel lenkte den Blick vor allem auf die Problemfelder Erziehung und Schule sowie kirchliches Arbeitsrecht. So erwähnte er den eklatanten Mangel an Kitaplätzen für Eltern, die für ihr Kind eine säkulare Erziehung wünschen, und die Debatten um die Unterrichtsfächer "Ethik" bzw. "Humanistische Lebenskunde" an Schulen.
Zudem listet sie Fälle, in denen kirchliche Arbeitgeber von ihren Angestellten eine Kirchenmitgliedschaft verlangt haben – eine Praxis, die in jüngster Zeit von Gerichten zunehmend eingedämmt wurde. Dass dennoch vieles im Argen liegt, zeigt der Zentralrat der Konfessionsfreien: Fast 1,3 Millionen Beschäftigte seien momentan zur Kirchenmitgliedschaft und zur christlichen Sexualmoral gezwungen, heißt es dort.
Die Daten der laufenden Befragung tragen dazu bei, die aktuelle Situation zu dokumentieren. Damit setzt die Antidiskriminierungsstelle fort, was sie 2017 mit einer ersten großen Umfrage begonnen hat. An der damaligen Studie "Diskriminierungserfahrungen in Deutschland" hatten mehr als 17.000 Personen teilgenommen. Sie erbrachte bedeutende Einblicke, wie gravierend sich Diskriminierung auf berufliche Chancen auswirken kann. Diese Erkenntnisse seien laut Antidiskriminierungsstelle von Politik, Verwaltung und Beratungsstellen aufgegriffen worden. Auch die neuen Ergebnisse sollen "eine aktuelle, fundierte Grundlage dafür schaffen, gezielte Maßnahmen gegen Diskriminierung zu entwickeln und anzupassen". Erklärtes Ziel sei, konkrete Verbesserungen im Leben aller Menschen zu erreichen. Die Ergebnisse der laufenden Studie sollen 2027 veröffentlicht werden.








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