Der Evangelische Kirchentag, der vom 5. bis 9. Mai 2027 in Düsseldorf stattfindet, stößt weiterhin nicht auf ungeteilte Zustimmung in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt. Das erfuhren die Kirchenvertreter jetzt bei ihrem Pressetermin, bei dem sie ihr Motto "Du bist kostbar" vorstellten. Damit wollen sie ihre Kampagne in den kommenden Monaten im Stadtbild präsentieren. Der Düsseldorfer Aufklärungsdienst setzte bei eben diesem Pressetermin mit einem drei Meter großen Banner seine Sicht der Dinge dagegen: "Du bist kostspielig: 5.800.000 Euro".
Die Veranstalter des Evangelischen Kirchentags dürften wohl selbst nicht daran geglaubt haben, dass sie den Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!), eine Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung, abgeschüttelt hätten. Schon zweimal hatte der DA! mit spektakulären Aktionen seine Kritik an der städtischen Mitfinanzierung des kirchlichen Events in die Öffentlichkeit gebracht. 2023 hatte der DA! Bei einem knapp gescheiterten Bürgerbegehren mehr als 10.000 Unterschriften gesammelt, um die vom Düsseldorfer Stadtrat beschlossene Finanzierung in Höhe von 5,8 Millionen Euro zu stoppen.
Im Düsseldorfer Rosenmontagszug hatte Wagenbauer Jacques Tilly, Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung, einen seiner Wagen der städtischen Geldverbrennungsaktion gewidmet.
Jacques Tilly thematisierte schon im Rosenmontagszug 2023, wie der Düsseldorfer Löwe mit dem Kirchentag öffentliche Gelder verbrennt. Foto: © grossplastiken.de In einer weiteren spektakulären Aktion gründete sich im Herbst 2024 dann im Umfeld des DA! in Zusammenarbeit mit der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters und der Giordano-Bruno-Stiftung ein Verein mit dem Namen "40. Deutscher Evangelischer Kirchentag Düsseldorf 2027 e.V." Da die evangelische Kirche ihrerseits den für die Durchführung und den Abruf der Millionen-Subventionen zuständigen Verein noch nicht gegründet hatte, gelang es, diesen subversiven Verein beim Vereinsregister am Amtsgericht Fulda eintragen zu lassen. Die Aktion, gegen die die Kirche rechtlich vorging, ist hier im Einzelnen beschrieben. Guten Mutes, nicht weiter mit "kleinlichen Geldfragen" behelligt zu werden, setzten die evangelischen Kirchentagsmacher nun ihren Fototermin für den Start ihrer Kampagne an. Am sogenannten "Fortuna-Büdchen", einem Kultkiosk am Düsseldorfer Rheinufer, wollte man "das einladende Gesicht" mit dem Kampagnenmotiv "Du bist kostbar" vorstellen. Natürlich bekam der DA! Wind von dem Termin. Die Zeit war knapp, aber sie reichte aus, um ein drei Meter großes Banner mit einem griffigen Gegenmotto in Druckauftrag zu geben: "Du bist kostspielig: 5.800.000 Euro". Noch bevor die Aktion am "Fortuna-Büdchen" begonnen hatte, bei der sich die Repräsentanten von Kirchentag und evangelischer Kirche Hoodies mit ihrem Motto "Du bist kostbar" überstreiften, war per Mail die Pressemitteilung des Düsseldorfer Aufklärungsdienstes in den Postfächern der lokalen Medien gelandet. Darin heißt es: "Dem Düsseldorfer Aufklärungsdienst geht es nicht um eine Verhinderung des Kirchentages, sondern darum, dass die vermögende Kirche ihr Fest selbst finanziert. Steuermittel dürfen dafür nicht eingesetzt werden. 5,8 Millionen Euro als Investition aus städtischen Mitteln für ein viertägiges Missionsfest sind viel zu viel. Kosten, die die überwiegend konfessionsfreien Bürger:innen der Stadt für ein Missionsfestival ausgeben sollen und die der hoch verschuldeten Stadt an vielen Stellen dringend fehlen. Anfang 2026 flossen bereits die ersten 2,2 Millionen städtischen Steuergeldes an den Kirchentagsverein. Und nicht mal die 5,8 Millionen Euro sind der Kirche genug. Das Land NRW steuert auch noch mal 7,5 Millionen Euro dazu. Aktuell leben noch rund 10 Prozent evangelische Kirchenmitglieder in der Stadt. Bis zum nächsten Jahr könnte ihre Zahl sogar einstellig geworden sein. Übrigens wird der im kommenden Monat stattfindende Katholikentag von der Ausrichterstadt Würzburg mit "nur" 500.000 Euro bezuschusst. Wie kommt es also zu dieser in Düsseldorf überaus großzügigen Finanzierung eines Glaubensfestes, an dessen Glaubensinhalte so gut wie niemand mehr glaubt? Nicht alle Düsseldorferinnen und Düsseldorfer wollen sich von anachronistischen Bibelzitaten wie: 'Du bist kostbar' einlullen lassen. Der Mehrheit wird wohl eher unser Gegenmotto: 'Du bist kostspielig' aus der Seele sprechen. Und jeder weiß genau, dass mit diesem 'Du' die Evangelische Kirche gemeint ist." Entsprechend berücksichtigten die Medien in ihrer Berichterstattung denn auch am nächsten Tag die Sichtweise und Kritik des DA!. Trotz des nachmittäglichen Termins konnte der Düsseldorfer Aufklärungsdienst 13 Mitglieder zusammentrommeln, die sich friedlich und freundlich in unmittelbarer Nähe des "Fortuna-Büdchens" mit ihrem Banner platzierten. Während also die Repräsentanten des Kirchentages den Journalisten ihre Botschaften in den Block diktierten, mussten sie gequält auf das Gegenmotto des DA! blicken. Spätestens da dürfte ihnen klar geworden sein, dass es auch beim Kirchentag im kommenden Jahr Aktionen geben wird, die die Subventionierung des kirchlichen Events aus Steuergeldern ins öffentliche Bewusstsein bringen. In der Tat laufen die Planungen dafür längst. Der Vollständigkeit halber sei zitiert, wie die Veranstalter ihr Motto begründen: Der Evangelische Kirchentag stelle das "Du" in den Mittelpunkt seiner Kampagne für das Christentreffen 2027 in Düsseldorf, hieß es. Der Kirchentag bringe Menschen zusammen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden, sagte Kirchentagspräsident Torsten Zugehör. Die Kampagne werde die Losung "Du bist kostbar" in Düsseldorf, online und an vielen weiteren Orten sichtbar machen. Sie lade dazu ein, den Kirchentag als Ort der Begegnung, des Dialogs und der Gemeinschaft zu erleben. Das Bibelzitat "Du bist kostbar" sei ein "Gegenakzent zu einer Zeit, in der oft vor allem über andere geredet wird", betonte der rheinische Präses Thorsten Latzel. Der Kirchentag lade dazu ein, "das DU großzuschreiben und die Würde der anderen neu zu sehen". Das "Du bist kostbar" ist übrigens ein Bibelzitat nach Jesaja 43,4. Korrekt zitieren können nicht nur Kirchenmenschen, sondern auch der DA!. Für sein Gegenmotto "Du bist kostbar: 5.800.000 Euro" wurde diese Quelle auf das Banner gedruckt: Ratsbeschluss 231 aus dem Jahr 2022 (freilich ohne Anno Domini).







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