Iran vor dem Ökokollaps

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Ölförderung im Iran
Ölförderung im Iran

Die iranische Hauptstadt erstickt an Smog, Wasserknappheit und Hitze. Ein Ayatollah sieht den Grund für die Umweltprobleme in der "offenen Zurschaustellung von Sünde". Nun denken die Planer des Gottesstaates laut über einen Umzug in den Süden nach.

Die Islamische Republik erlebt den Kulminationspunkt einer lange schwelenden Ökosystemkrise: Wasser wird rationiert, der Strom fällt stundenlang aus, die Luft ist vielerorts giftig. Wasser und Elektrizität müssen gespart werden. Präsident Masoud Peseschkian erklärt inzwischen ernsthaft, die Hauptstadt sei langfristig nicht überlebensfähig. Sein Vorschlag lautet, ein Moratorium für neue Entwicklungsprojekte zu verhängen und perspektivisch die staatlichen Schwerpunkte an die Südküste zu verlagern. Will heißen: eine neue Hauptstadt zwischen dem Golf von Oman und dem Persischen Golf.

Der iranische Präsident hat öffentlich die ökologische Überlastung der iranischen Hauptstadt eingeräumt. Tatsächlich sprechen die Daten eine eindeutige Sprache: Seit Beginn des hydrologischen Jahres – eines Zeitraums zur Erfassung und Auswertung von Wasser- und Niederschlagsdaten – fielen in der Hauptstadt lediglich rund 153 Millimeter Regen, mehr als 40 Prozent weniger als im langjährigen Mittel. Die Speicherstände verharren auf historischen Tiefstwerten.

Noch schwerer wiegt, was sich unter der Oberfläche vollzogen hat. Grundwasserleiter sind vielerorts übernutzt, Bodensenkungen dokumentieren den Kollaps geologischer Speicher. Iranische Meteorologen warnten bereits im Juni 2024, dass selbst durchschnittliche Niederschläge nur für 40 bis 50 Millionen Menschen ausreichen, bei einer Bevölkerung von rund 85 Millionen. Mehr als 330 iranische Städte gelten als kritisch wasserbelastet, sie haben massive Probleme mit der Versorgung. Wer unter solchen Bedingungen neue Siedlungen, Industrien oder großflächige Landwirtschaft im Großraum Teheran ansiedelt, erhöht den Druck auf ein System, das keinen sozialökologischen Puffer mehr besitzt.

Ein Land im Ökoausnahmezustand

Die unmittelbare Lage ist dokumentiert und drastisch. Im Mai 2025 wurden die Arbeitszeiten staatlicher Behörden auf 6 bis 13 Uhr verkürzt, ohne nennbaren Effekt. Im Juli desselben Jahres erklärte die Regierung auch in Teheran den Ruhetag. Wochenlang lagen die Tageshöchstwerte über 40 Grad, nachts sanken die Temperaturen kaum. Nach Angaben der Behörden sind die Stauseen nur noch zu rund 14 Prozent gefüllt. Zugleich häufen sich die Klagen über stundenlange Wasserabschaltungen, teils bis zu 48 Stunden, selbst in der Hauptstadt.

Die Folgen reichen bis in die städtische Alltagsorganisation. In Teheran wurden öffentliche Toiletten an stark frequentierten Orten geschlossen, um Wasser zu sparen. Badehäuser verzeichnen wieder Zulauf wie in Zeiten vor der flächendeckenden Wasserversorgung. Zugleich investieren viele Hausgemeinschaften privat in Tanks, Pumpen und Druckregler, Ausgaben, die schnell hohe Summen in der iranischen Währung Tuman erreichen, während ein wachsender Teil der Bevölkerung Mühe hat, die Nebenkosten zu begleichen. De facto handelt es sich um eine Rationierung des Trinkwassers, nur ohne es laut auszusprechen.

Die Luft zum Atmen fehlt

Die Energiekrise verschärft die desaströse Luftverschmutzung. Um Stromausfälle zu verhindern, setzen Kraftwerke weiterhin auf Schweröl, sogenanntes Mazut, ein schwefelhaltiges Rückstandsöl aus der Rohölverarbeitung, das als einer der schmutzigsten Brennstoffe der Welt gilt. Offiziell bemüht man sich um eine schwefelärmere Variante, bislang ohne Erfolg.

In vielen Ländern längst verboten, wird es im Iran weiterhin in großem Maßstab verbrannt. Was einst als Notlösung zur Überbrückung von Gasengpässen galt, ist heute Teil der offiziellen Energiepolitik des islamischen Gottesstaates. Trotz wiederholter Regierungszusagen, die Nutzung zu beenden, bestätigen Umweltbehörde und Energieunternehmen inzwischen offen, dass Kraftwerke im ganzen Land Mazut einsetzen, selbst in Städten mit extrem hoher Luftverschmutzung wie Teheran, Isfahan oder Arak.

Hintergrund ist eine tiefgreifende Energiekrise. Der Iran verfügt zwar über enorme Gasreserven, doch marode Infrastruktur und Misswirtschaft führen zu ständigen Engpässen. Um Stromausfälle zu vermeiden, greift der Staat auf Schweröl zurück und nimmt massive Schäden für Umwelt und Gesundheit in Kauf. Die Folgen sind Smog, saurer Regen und jedes Jahr zehntausende vorzeitige Todesfälle.

Zugleich offenbart diese umweltfeindliche Politik die institutionelle Ohnmacht. Entscheidungen fallen nicht in der Umweltbehörde, sondern im Sicherheitsrat und im Energieministerium. Selbst neue Projekte wie die Müllverbrennung zur Stromerzeugung folgen demselben Zwang: Energie um jeden Preis, sozial wie ökologisch.

Gescheiterte Energiepolitik

Die Verbrennung von Schweröl ist zum Symbol einer gescheiterten Energiepolitik geworden. Der Iran verbrennt buchstäblich seine Zukunft, um die Gegenwart seiner totalitären Staatsdoktrin zu sichern. Währenddessen fließen die Staatsausgaben weiter in Rüstung und in das umstrittene Atomprogramm, weniger als Teil einer energiepolitischen Strategie, sondern als Versuch, das Überleben eines Systems zu garantieren, das sich längst selbst erschöpft hat.

Nach Schätzungen sterben jedes Jahr rund 50.000 Menschen in Iran an den Folgen der Luftverschmutzung. In Teheran gab es 2024/2025 gerade einmal sieben Tage, an denen die Luftqualität als wirklich gut galt; an fast 40 Prozent des Jahres war sie gesundheitsschädlich. Immer wieder kam es in verschiedenen Städten zu Protesten gegen Smog, Stromausfälle und den lähmenden Stillstand in der Umweltpolitik. Diese Zangenlage zwischen Netzausfall und Smog ist das Ergebnis einer Politik, die über Jahrzehnte hinweg das Angebot ausgebaut, den Verbrauch jedoch kaum gesteuert hat. Die Regierung hat Dämme, Kraftwerke und Fernleitungen errichtet. So wuchs die Versorgung, doch an effizienter Nutzung und Regulierung fehlte es.

Heute sind die Reserven erschöpft. Die Flüsse führen weniger Wasser, die Speicher sind leer, die Netze überlastet. Nun rächt sich die Einseitigkeit dieser Entwicklung. Das Land steckt fest in einer hausgemachten Ökokrise.

Die ökonomische Milchmädchenrechnung

Wasserintensive Wertschöpfung an die Küste zu verlagern, klingt nach einer einfachen Lösung. Dort lässt sich Meerwasser entsalzen, im Idealfall mit erneuerbarer Energie. Doch die Realität ist komplizierter. Die Region am Persischen Golf ist strukturschwach, ihre Infrastruktur und öffentlichen Dienste sind lückenhaft. Ohne massive Investitionen in Netze, Gesundheit, Bildung und Wohnraum würde ein solches Programm die sozialen Spannungen nicht mindern, sondern nur verlagern, und neue Konflikte schaffen.

Was als technokratische Effizienzstrategie daherkommt, birgt das Risiko einer weiteren ökonomischen Schieflage. Wer Wasser spart, ohne an Menschen und soziale Strukturen zu denken, betreibt keine nachhaltige Politik, sondern eine Milchmädchenrechnung.

Entsalzung gilt vielen als technische Lösung, doch sie ist kein Allheilmittel. Das Verfahren ist ausgereift, aber energieintensiv, teuer und ökologisch riskant. Ohne sorgfältige Aufbereitung und gezielte Ableitung der Sole, also des salzhaltigen Abwassers, das bei der Entsalzung entsteht, drohen erhebliche Schäden in empfindlichen Meeresökosystemen.

Vor allem aber stellt sich die volkswirtschaftliche Frage: Entsalztes Wasser über große Distanzen und topografische Hürden ins Binnenland zu pumpen, kostet weit mehr, als es bringt. Studien zeigen bereits heute, dass manche groß angelegten Überleitungsprojekte in der Landwirtschaft zehn bis fünfzehnmal höhere Kosten verursachen, als die erzielte Wertschöpfung rechtfertigt.

Die eigentliche Hebelwirkung liegt nicht im Beton

Die Struktur des Verbrauchs ist eindeutig: Haushalte stehen nur für einen kleinen Teil des Wasserverbrauchs, die Landwirtschaft verschlingt mehr als neunzig Prozent. Wer Sparappelle vor allem an Bürger richtet, verfehlt den Haupthebel.

Gefordert wäre eine Agrarpolitik, die sich an Kulturarten und Standort orientiert, Preise, die Knappheit widerspiegeln, Bewässerungseffizienz statt Flächenexpansion und eine deutliche Ausweitung der Wiederverwendung aufbereiteten Abwassers.

Hinzu kommen einfache, aber wirksame Maßnahmen: das Stopfen städtischer Leckagen, die in manchen Netzen mehr als ein Fünftel des Wassers verschwinden lassen, und eine strikte Lizenzierung von Brunnen.

Auch in der Energiepolitik führt kein Weg an einer doppelten Wende vorbei: kurzfristig durch weniger Schweröl, besseres Brennstoffmanagement und Lastverschiebung, mittelfristig durch einen echten Wechsel der Energieträger, Netzausbau und Instrumente zur Nachfragesteuerung, die Spitzen glätten, bevor die Sicherungen fliegen.

Wachstum gegen die Wirklichkeit

Teil der iranischen Paradoxie ist eine Bevölkerungspolitik, die Zuwachs als Quelle nationaler Stärke begreift und dafür erhebliche Mittel bereitstellt. Doch diese Strategie kollidiert mit den ökologischen Grenzen des Landes. Die jüngsten Regierungsmaßnahmen wie zusätzliche Ruhetage, verkürzte Amtszeiten und geschlossene Toiletten wirken wie symbolische Gesten. Sie sollen Handlungsfähigkeit zeigen, ohne die eigentlichen Ursachen anzutasten, die wachsende Nachfrage, den steigenden Verbrauch und das schwache Handeln der Regierung. In Wirklichkeit ersetzt Symbolpolitik die notwendige radikale Reform.

Dahinter steht eine Planungskultur, die große Projekte bevorzugt und Kontrolle scheut. Umweltprüfungen gelten als Formalität. Die zuständigen Behörden sind weder personell noch politisch in der Lage, den Zug zu stoppen, der ohne Bremsen fährt.

So verfestigt sich eine Schieflage, in der die Bürger die Kosten von Smog, Stromausfällen und Fehlinvestitionen tragen, während Macht und Profitinteressen die Richtung eines Atom- und Rüstungsprogramms bestimmen und das Land an den Rand einer größeren Kriegsgefahr treiben.

Teheran am Meer?

Ein Hauptstadtumzug gilt als der große Wurf, doch oft wirft er mehr Schatten als Lösungen. Er steht für Aufbruch, technische Modernität, neue Ordnung. In der Praxis aber zeigt die Geschichte, wie selten der Ortswechsel die strukturellen Probleme beseitigt, die ihn motivieren. Abuja entlastete Lagos nur begrenzt, Jakarta plant den Umzug, doch der Meeresspiegel steigt schneller als Bagger bauen. Entscheidend ist nicht der Ort, sondern die Art, wie Wasser, Energie, Menschen und Kapital verwaltet werden.

Der Gedanke mag symbolisch entlasten, solange Verwaltung und Industrie nicht mehr in einem übernutzten und wasserarmen Hochland konzentriert sind, jener iranischen Hochebene, die sich von Zentral- bis Ost-Iran erstreckt und auf der Teheran am Südrand des Elbursgebirges in 1.100 bis 1.700 Metern Höhe liegt.

Teheran ohne Wasser

Masoud Peseschkian, der schwächste aller Präsidenten der Islamischen Republik: Wenn es im Dezember nicht regne, müsse das Wasser rationiert werden und infolge Teheran evakuiert werden. Die Metropolregion der Hauptstadt, Heimat von etwa zwanzig Millionen Menschen, stehe am Rand einer Wasserkrise historischen Ausmaßes. Bereits jetzt seien die Speicher fast leer, warnte die Wasserbehörde der Provinz. In den ersten Wochen des neuen Wasserjahres fielen in Teheran nur 2,3 Millimeter Regen, ein Fünftel des üblichen Werts. Zwanzig Provinzen meldeten überhaupt keinen Niederschlag. Der wichtigste Stausee bei Karadj enthält nur noch rund 14 Millionen Kubikmeter Wasser, genug für etwa zwei Wochen Versorgung.

Die Regierung spricht von roter Alarmstufe. In Mashhad, im Nordosten, versiegen Brunnen, in den Vororten von Qom wird das Leitungswasser rationiert. Peseschkians Satz ist mehr als Rhetorik: Es ist eine Kapitulation vor der Realität, dass die iranische Hauptstadt auf einem Fundament aus Dürre gebaut ist. Indessen ist der Zusammenbruch der städtischen Versorgung mehr als denkbar.

Das schwindende kaspische Meer

Während Teheran auf Regen wartet, verliert der Norden sein Wasser. Am Kaspischen Meer, das die Iraner "khazar" nennen, zieht sich die Küstenlinie Jahr für Jahr zurück. In Bandar-e Anzali liegen Boote auf trockenem Grund, Hafenrampen enden im Schlamm. Das Meer, einst wirtschaftliche Lebensader des Nordens, schrumpft. Laut nationaler Umweltbehörde droht ein Rückgang des Pegels um bis zu 18 Meter. Schon jetzt trocknen Feuchtgebiete und Schilfzonen aus, Störfische verlieren ihre Laichplätze, die Kaspische Robbe ihre Brutgebiete.

Der Rückzug des Meeres hat Folgen für eine ganze Küstenkultur. Fischer berichten von halbleeren Netzen, Hafenarbeiter von weniger Schiffsverkehr. Bagger halten die Zufahrten künstlich offen, doch das Meer weicht schneller, als die Infrastruktur reagieren kann.

Urumiyeh: Der verschwundene See

Noch deutlicher zeigt sich die Katastrophe im Nordwesten. Der See Urumiyeh, einst das größte Binnengewässer des Landes, ist im Herbst 2025 praktisch verschwunden. Satellitenbilder zeigen eine weiße Ebene aus Salz, wo früher Wasser war. Nur ein Prozent der einstigen Fläche gilt noch als feucht. Der Wind trägt die Salzkristalle über Felder und Dörfer, die Atemwege der Menschen brennen, die Landwirtschaft stirbt ab. Ganze Gemeinden verlassen die Region.

Die Ursachen sind bekannt: jahrzehntelange Umleitung der Zuflüsse, exzessive Bewässerung, ein Netz aus Dämmen und Projekten, die den Flusslauf gezähmt und schließlich zum Versiegen gebracht haben. Was als technologische Modernisierung begann, endet nun in ökologischem Stillstand.

Missmanagement im Gottesstaat

Iran erlebt eine flächendeckende Trockenheit, die nicht nur Natur, sondern auch Politik erodiert. Experten sprechen von Missmanagement. Über Jahrzehnte wurden Flüsse gestaut, Feuchtgebiete entwässert und Wasser in die Landwirtschaft gepumpt, nun fällt das System in sich zusammen. Einen Plan gibt es nicht.

Das kaspische Meer und Urumiyeh sind keine Einzelfälle, sondern Spiegel derselben Krise: sinkende Niederschläge, steigende Verdunstung, fehlende Koordination. Die großen Seen trocknen, die Hauptstadt droht zu verdursten, während im Süden Entsalzungsanlagen geplant werden, die Strom verbrauchen, den es kaum gibt.

Das Land, das einst stolz auf seine Ingenieurskunst war, sieht sich seiner eigenen Trockenlegung gegenüber. Der Regen, auf den Pezeshkian hofft, könnte noch kommen, aber nicht in Mengen, die den Trend wenden. Dasselbe Muster wiederholt sich: Verzögerung, Hilflosigkeit, Hoffnung auf Wunder und göttliche Intervention. Die Natur zeigt längst, dass sie nicht wartet. Iran steht vor dem Verlust seiner Lebensadern.

Ohne Kurswechsel trocknet die Zukunft aus

Ohne tiefgreifende Reformen in Landwirtschaft, Energiepolitik und staatlicher Steuerung, die im islamischen Gottesstaat kaum realistisch erscheinen, bliebe es jedoch nur eine teure Umverteilung von Knappheit. Governance, verstanden als Fähigkeit, komplexe Systeme vorausschauend und transparent zu lenken, bleibt der eigentliche Prüfstein. Wer an der bisherigen Logik festhält, wird an der Krise zugrunde gehen.

Die Lösungsansätze liegen längst auf dem Tisch. Entscheidend ist ein neuer Umgang mit Wasser, weniger Angebotsausbau und mehr sozialökologische Nachfrageorientierung. Die Landwirtschaft rückt dabei in den Mittelpunkt: effizientere Bewässerung, angepasste Anbauflächen, Recycling von Abwasser und faire Preise, die den tatsächlichen Wert des Wassers widerspiegeln.

Auch beim Grundwasser geht es um den Erhalt des Bestands. Verluste in den Leitungen müssten erfasst, Entnahmen überwacht und der Wildwuchs illegaler Brunnen gestoppt werden. Energie und Umweltpolitik könnten stärker ineinandergreifen, wenn Emissionen tatsächlich sinken und Ressourcen geschont würden.

Entscheidend bleibt eine verbindliche Steuerung mit transparenten Verfahren, offenen Kosten-Nutzen-Rechnungen und echter Beteiligung der Regionen. Schließlich braucht auch die Bevölkerungsentwicklung ein realistisches Maß. Nachhaltige Planung orientiert sich an dem, was das Land ökologisch tragen kann.

Mit einer islamistischen Diktatur scheint Veränderung kaum möglich

Solche politischen Zielsetzungen sind von einer totalitären islamischen Diktatur kaum zu erwarten. Realistischer erscheint, dass der Iran erst nach einem Zusammenbruch des bestehenden Systems und mit internationaler Unterstützung die nötigen Reformen einleiten und solche Ziele übergreifend anstreben kann.

Zweifellos ist die Teheraner Hochebene überfordert, ökologisch wie infrastrukturell. Doch die Vorstellung, die Krise allein durch eine geografische Verlagerung zu lösen, greift zu kurz. Ein Städteumzug ohne tiefgreifende Strukturreformen würde die sozialen Ungleichheiten vertiefen und die ökologischen Probleme weiter verschärfen.

Kein Geringerer als der Großinquisitor und Mitglied des sogenannten Expertenrats, Ayatollah Araki, erklärte gestern in zynischem, geradezu bösartigem Ton: "Die beispiellose Dürre ist eine Folge der offenen Zurschaustellung von Sünde und der Missachtung der Verschleierung auf den Straßen Teherans und unserer Städte. Die Verantwortlichen sollen dem offenen Begehen von Sünden auf den Straßen Einhalt gebieten." In seinem Gebet sagte er ernsthaft: "O Gott, reinige unser Land von der Befleckung durch Sünde und moralische Verderbtheit."

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