Humanistischer Campus:

Menschenrechte und die Rolle der Frau in Somalia

anti-fgm_campaign_at_walala_biyotey_12456427423.jpg

Am kommenden Donnerstag, den 26. Januar, lädt der HVD Bayern ab 20.15 Uhr zu seinem Online-Diskussionsformat "Humanistischer Campus" ein. Zu Gast ist eine konfessionsfreie, junge, starke und mutige Frau mit einer bewegenden Geschichte: Hadiya (Name aus Sicherheitsgründen geändert) wurde in Somalia geboren, mit 4 Jahren genitalverstümmelt (Opfer eines Beschneidungsrituals) und als 14-jähriges Mädchen mit einem über 30 Jahre älteren Mann zwangsverheiratet. Als junge Frau gelang ihr die Flucht aus ihrem häuslichen Gefängnis, aus Somalia. Mittlerweile lebt sie seit einigen Jahren in Deutschland.

Somalia liegt am Horn von Afrika und grenzt an Äthiopien und Kenia. Das afrikanische Land ist gekennzeichnet von Staatszerfall, Bürgerkrieg, Clanrivalitäten, Piraterie und islamistischem Terror. Die Bevölkerung Somalias ist zu 99,8 Prozent muslimisch. In Somalia vermischen sich Krieg, Bürgerkrieg und Terrorismus. Daher gab es in den vergangenen Jahren immer wieder schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen. Seit Juni 2022 ist Hassan Sheikh Mohamud Präsident. Die Sicherheitslage wird weiterhin durch die gewaltsame Auseinandersetzung der Regierung mit der Terrorgruppe Al-Shabaab (militanter Flügel der Islamisten in Somalia) bestimmt, die für die Durchsetzung einer strengen Form der Scharia (religiöse Gesetze des Islam) sorgt.

Laut UNICEF weist Somalia weltweit die höchste Rate von weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) auf: 98 Prozent der Mädchen und Frauen zwischen 15 und 49 Jahren sind genitalverstümmelt.

Der Humanistische Campus bietet eine einzigartige Gelegenheit, mit Hadiya ins Gespräch zu kommen. Eine Frau, die in jungen Jahren die Strapazen und Gefahren einer Flucht nach Europa auf sich genommen hat. Eine Frau, die am eigenen Leib die Macht der Religion und deren Frauenbild erfahren musste. Eine Frau, die erkennen musste, dass man ihr das Recht auf körperliche Unversehrtheit in Kindestagen genommen hatte. Eine Frau, die durch die modernen Social-Media-Kanäle die Chance hatte zu erkennen, dass es durchaus eine kritische Betrachtungsweise ihrer Religion gibt. Dass es konfessionsfreie Menschen gibt, die sich die Einhaltung der Menschenrechte zur Aufgabe gemacht haben.

Hadiya hat daraufhin angefangen, ihren Glauben kritisch zu hinterfragen. Sie hat sich einige Grundfragen der Menschenrechte gestellt: Darf eine Frau weniger wert sein als ein Mann? Hat nicht jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit? Mit welchem Weltbild sollen meine Kinder aufwachsen? Eine Frau, die schlussendlich den mutigen Entschluss gefasst hat, ihr Land und ihre Heimat zu verlassen – allein. Mit dem Ziel, in Europa ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen – ohne religiösen Einfluss.

Heute weiß sie, dies entspricht nicht der Realität.

Warum das so ist, wie ihr die Flucht gelang und warum wir auch hier in Deutschland ihre Identität aus Sicherheitsgründen schützen müssen, werden wir von Hadiya selbst erfahren – in einem Live-online-Gespräch mit Tanja Reitmeier, Vorstandsmitglied im HVD Bayern. Alle, die an Hadiyas Schicksal Anteil nehmen und/oder mitdiskutieren möchten, sind herzlich eingeladen, sich kostenfrei zuzuschalten: Donnerstag, 26. Januar 2023, 20.15 Uhr unter https://zoom.us/j/84520704889.

Der "Humanistische Campus" ist ein Online-Diskussionsforum des Humanistischen Verbands Deutschlands (HVD) Bayern in Kooperation mit dem Institut für populärwissenschaftlichen Diskurs Kortizes. Die Live-Online-Veranstaltungen finden in den ungeraden Monaten an einem Donnerstag statt. Termine 2023 sind: 26.1., 16.3., 25.5., 20.7., 21.9., und 23.11. Eine Veranstaltungsübersicht findet sich hier.

Unterstützen Sie uns bei Steady!