75. Jahrestag der Befreiung

In München wehen weiße Fahnen

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Weiße Fahnen vor dem Münchner Rathaus am Marienplatz
Weiße Fahnen am Münchner Rathaus

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Weiße Fahnen vor dem Maximilianeum, dem Sitz des Bayerischen Landtages
Weiße Fahnen am Maximilianeum

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Weiße Fahnen hängen aus den Fenstern des Münchner Kulturreferats
Weiße Fahnen am Münchner Kulturreferat

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Weiße Fahnen am Museum Brandhorst, das Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ist
Weiße Fahnen am Museum Brandhorst

Am 75. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg wehten zum ersten Mal in der ehemaligen "Hauptstadt der Bewegung" etwa 200 weiße Fahnen an öffentlichen und privaten Gebäuden – mit der Aufschrift "Tag der Befreiung – 30. April 1945". Als sichtbares Zeichen für Freiheit und Menschenrechte, gegen rechtsextremistische Tendenzen und Geschichtsrevisionismus.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hatte die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen, das der Künstler Wolfram Kastner und der Grafikdesigner und Vorsitzende des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) München, Michael Wladarsch, initiiert hatten.

So flattern seit dem Start der Aktion am 30. April 14 weiße Fahnen auf dem zentralen Marienplatz, einige städtische Einrichtungen wie das Kulturreferat, das Stadtmuseum oder die Volkshochschule beteiligen sich ebenfalls an der Aktion. Vor dem Landtag hissten Landtagspräsidentin Ilse Aigner und der Präsident der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, höchstpersönlich weiße Fahnen.

Es ist ein gutes Zeichen, dass sich 50 städtische und staatliche sowie weitere private Institutionen mit weißen Fahnen demonstrativ für Freiheit und Frieden und gegen Hass und Gewalt einsetzen.

Wolfram Kastner und Michael Wladarsch
Die Initiatoren der Aktion: Michael Wladarsch (links) und Wolfram Kastner (Foto: © Sylvia Katzwinkel)

1945 waren beim Einzug der Rainbow Division nur wenige weiße Fahnen in der Stadt zu sehen. Befreit wurden damals die Verfolgten, die KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen, Widerständigen, Untergetauchten und Deserteure. Eine Niederlage erlebten die Nazis, die Kriegsverbrecher, die furchtbaren Richter und Ärzte, die Mitläufer, Unterstützer und Profiteure, die große Mehrheit der Deutschen, die bis zuletzt dem Mörderregime treu geblieben waren. Die NS-Verbrechen wurden viel zu lange verharmlost und vertuscht. Leider kamen die meisten ungestraft davon und konnten im "Kalten Krieg" Karrieren machen.

Die entscheidende Frage ist heute, in welche Tradition wir uns stellen, um darauf eine bessere freiheitliche Gegenwart und Zukunft aufzubauen – in die Tradition der Befreiten oder in die Tradition der Besiegten, der Mörder, der Vertuscher, der Nationalisten, Antisemiten und Militaristen, in deren Fußstapfen wohl die Gauländer treten? Wir wollen gerade heute Freiheit, Menschenwürde und Frieden für alle sichern, verteidigen und weiterentwickeln. Wir müssen die braune Pest eindämmen. Wir sind alle dafür verantwortlich.

Eigentlich waren auch ein internationales Frühstück, internationale Musik und Stelen auf dem Marienplatz mit Fotos von damals geplant. Wegen der Corona-Pandemie war das leider nicht möglich. Aber nächstes Jahr werden noch viel mehr weiße Fahnen wehen, ein Fest der Befreiung, ein weißes internationales Frühstück, Konzerte, Theatervorstellungen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen stattfinden.

Der 30. April in München und der 8. Mai landesweit sollten endlich Feiertage werden – mit Geschichtsbewusstsein und freiheitlicher Zukunftsperspektive.

Die Aktion ist auch mit einer interaktiven Karte und einer Online-Ausstellung im Netz zu finden und hat eine Facebook-Seite.

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