Neues Forschungsprojekt analysiert antisemitische Kommunikation auf YouTube

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Wie wird Antisemitismus auf YouTube kommuniziert? Und wie lässt sich diese plattformspezifische Kommunikation wissenschaftlich analysieren? Diesen Fragen widmet sich das neue Verbundforschungsprojekt "DAYVid" ("Decoding Antisemitism in YouTube Videos") der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung an der Universität Trier, des Tikvah Instituts und des Weizenbaum-Instituts.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Förderrichtlinie "Ursachen und Dynamiken des aktuellen Antisemitismus" mit rund 1,35 Millionen Euro gefördert. Das Verbundforschungsprojekt ist ein gemeinsames Vorhaben der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung (IIA) an der Universität Trier, des Tikvah Instituts und des Weizenbaum-Instituts. Es untersucht erstmals systematisch antisemitische Kommunikationsformen, Narrative und Strategien von Akteuren auf YouTube. Trotz ihrer zentralen Rolle in der politischen Sozialisation junger Menschen wurde diese Plattform in der Antisemitismusforschung bislang kaum untersucht.

"YouTube ist für viele junge Menschen ein zentraler Ort der Informationsgewinnung und politischen Meinungsbildung. Zugleich wissen wir bislang erstaunlich wenig darüber, wie antisemitische Narrative dort plattformspezifisch angepasst, vermittelt und verbreitet werden", beschreibt Marc Seul, Verbundkoordinator des Projekts und Teil der kollegialen Leitung der IIA, den Ausgangspunkt des Projekts. Hier setzt "DAYVid" an: Ziel ist es, diese Lücke durch methodisch und inhaltlich fundierte Grundlagenforschung zu schließen und die gewonnenen Erkenntnisse zugleich für Prävention und Wissensvermittlung nutzbar zu machen.

"Die Analyse von Antisemitismus auf YouTube stellt die Forschung vor besondere methodische Herausforderungen, weil hier audiovisuelle, textliche und plattformspezifisch-interaktive Elemente ineinandergreifen. 'DAYVid' entwickelt deshalb einen multimethodischen Zugang, der genau dieser Komplexität Rechnung trägt", führt Matthias J. Becker, Projektleiter des Teilprojekts "DECORA" am Weizenbaum-Institut, aus.

"Bisher beschränkt sich die Forschung zu Antisemitismus in Bild und Film oft auf die nationalsozialistische Propaganda. Ich erwarte mir von unserem Projekt daher auch wichtige Impulse für die Film- und Medienwissenschaft", erläutert Prof. Tobias Ebbrecht-Hartmann, Medienwissenschaftler von der Hebräischen Universität Jerusalem, der das Team des Tikvah Instituts in diesem Projekt unterstützt.

Inhaltlich nimmt "DAYVid" vier gesellschaftspolitisch relevante Bereiche in den Blick: (extrem) rechte, (extrem) linke, islamistische Inhalte sowie populäre Infotainment-Formate zu Antisemitismus und zum Nahostkonflikt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Formen des israelbezogenen Antisemitismus. Die drei Teilprojekte – "DECORA" (Weizenbaum-Institut), "DISPLAYt" (Universität Trier) und "DACIVO" (Tikvah Institut) – sind methodisch aufeinander abgestimmt, um phänomenübergreifende Vergleiche zu ermöglichen.

"Unser Ziel ist nicht nur, antisemitische Kommunikationsformen auf YouTube präziser zu beschreiben. Die Ergebnisse sollen auch so aufbereitet werden, dass sie in Bildung, Prävention und der Zusammenarbeit mit Multiplikator:innen und Content Creator:innen konkret nutzbar werden", hebt Deidre Berger, Projekleiterin des Teilprojekts "DACIVO" des Tikvah Instituts, hervor.

Auf Basis der Forschungsergebnisse und einer begleitend durchgeführten Bedarfsanalyse werden daher im weiteren Projektverlauf zwei zielgruppenspezifische Transferformate entwickelt und zusammen mit Praxispartnern in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und darüber hinaus erprobt.

Mit "DAYVid" entsteht damit ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, das einen Beitrag zur Analyse aktueller antisemitischer Dynamiken im digitalen Raum leisten und zugleich Impulse für Bildung, Prävention und gesellschaftliche Aufklärung geben will.

Hier geht es zur Projektwebsite.

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