Inzwischen sind 14 Jahre vergangen, seitdem das Kölner Landgericht die nicht-therapeutische Vorhautentfernung ("Beschneidung") bei einem Jungen als strafbare Körperverletzung bewertete. Die Politik beendete die öffentliche Debatte um Menschenrechte und Religionsfreiheit des betroffenen Kindes mit dem Paragrafen 1631d Bürgerliches Gesetzbuch und überlässt es seitdem Eltern und Erziehungsberechtigten, über nicht-therapeutische Eingriffe an männlichen Kindergenitalien zu entscheiden. Das internationale Bündnis zum Gedenken an das "Kölner Urteil" ruft indessen weiterhin zum Aktionstag des "Worldwide Day of Genital Autonomy" (WWDOGA) auf und fordert das Recht auf körperliche Unversehrtheit von Kindern aller Geschlechter weltweit.
Abweichend vom gewohnten Konzept wird es diesmal in Köln keinen Demo-Marsch geben, die Veranstaltung beginnt direkt mit der Kundgebung – zeitgleich soll der Livestream auf YouTube starten. Neben Redebeiträgen mehrerer Organisationen aus Deutschland werden internationale Gäste aus den USA, Großbritannien, Finnland, Frankreich und der Schweiz erwartet. Zur Teilnahme herzlich eingeladen sind alle Menschen, die sich für Kinderschutz ohne Ausnahme einsetzen möchten. Am Rande der Kundgebung gibt es die Möglichkeit, am Info-Tisch ins Gespräch zu kommen.
Inhaltlicher Schwerpunkt ist in diesem Jahr "Genitale Selbstbestimmung und das soziale Umfeld". Die Veranstalter schreiben dazu auf ihrer Website: "Tabus rund um Intimität können zu Unsicherheit und Isolation führen und Spannungen in Partnerschaften und Familien verursachen, insbesondere in Bezug auf Sexualität und den Schutz unserer Kinder. Erfahrungen zeigen, dass Offenheit entlastend wirken kann. Darüber zu sprechen fördert Solidarität und schafft dringend notwendiges Bewusstsein für die Rechte von Kindern. Der WWDOGA 2026 lädt dazu ein, sich bewusst auf diese mutigen Gespräche einzulassen. Gemeinsam können wir aus Tabus Prozesse zu Aufklärung und Selbstbestimmung einleiten."
In Solingen bei Köln findet unter dem Titel "Menschenrecht von Anfang an!" ein "Fokustag Genitale Selbstbestimmung" statt. Die Journalistin und Filmemacherin Renate Bernhard moderiert einen Abend mit von MGM (male genital mutilation) betroffenen Männern, einer trans* Frau und einem Kinderchirurgen. Renate Bernhard befasst sich seit 1998 mit dem Thema der Genitalbeschneidung – Auslöser war eine Äthiopienreise, auf der sie zu FGM (female genital mutilation) recherchierte.
In Deutschland gibt es zahlreiche Beratungsstellen und Hilfsangebote für von FGM betroffene oder bedrohte Mädchen und Frauen. Dennoch sind es weiterhin zu wenige und das Thema hat nicht die Aufmerksamkeit, die nötig wäre, um Mädchen angemessen schützen zu können. Für Jungen und Männer, die von MGM bedroht oder betroffen sind, gibt es zudem überhaupt keine Angebote. Aufgrund der gesetzlichen Erlaubnis von "Beschneidungen" am Penis gibt es keine öffentlich finanzierte Forschung, keine Beratung – weder für Eltern, die über den Eingriff nachdenken, noch für Jungen, die den Verlust ihrer Vorhaut oder den der kleinen Brüder gerne verhindern würden. Und erst recht gibt es keinen Cent aus öffentlicher Hand für die Anliegen des WWDOGA. Die Veranstalter stellen ihn mit viel Herzblut, unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit und mit kleinstem Budget jedes Jahr wieder selbst auf die Beine.
Um die anfallenden Kosten (Flyer, technisches Equipment, Reisekosten, Tontechnik vor Ort, Pressearbeit usw.) in diesem Jahr stemmen zu können, hat die britische Organisation 15Square eine Fundraising-Aktion gestartet. Wer den WWDOGA unterstützen möchte, kann das mit einem einfach Klick hier tun. Das Geld kommt garantiert ohne Abzug bei den Veranstaltern an. Jeder Betrag hilft.
Die Demonstration findet statt am Samstag, 9. Mai um 12 Uhr auf dem Roncalliplatz in Köln. Hier finden Sie tagesaktuelle Informationen zur Kundgebung und den Livestream.
Der Fokustag Genitale Selbstbestimmung findet am Freitag, 8. Mai ab 18:30 Uhr in der Gläsernen Werkstatt Solingen statt.
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