Trump ist kein Rassist – sagt Gott

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Ein wenig schmeichelhaftes Graffiti des US-Präsidenten Donald Trump
Donald Trump mit Teufelshörnern und gespaltener Zunge

Wer sich zum Start ins Wochenende mal wieder aufregen will über den Irrsinn von Religion und was passiert, wenn man sie mit der Tagespolitik vermischt, ist hier genau richtig: Ein afroamerikanischer Pastor erklärte vor drei Tagen im US-Fernsehen, warum Trump kein Rassist sei, Gott keine offenen Grenzen möge und deutete an, dass Satan in der EU die Fäden ziehe.

Gut, dass das jetzt ein für alle Mal geklärt wäre: Trump ist kein Rassist. Das erklärte Pastor Francis Myles in der "Jim Bakker Show". Woher er das weiß? Er hat Gott gefragt. Und der hat ihm auch sofort geantwortet: Nein, ist er nicht. "Es war das schnellste 'Nein', das Gott mir je gegeben hat", sagte er im Fernsehen.

Trump habe früher Jesse Jackson bei seiner Kandidatur für das Präsidentenamt unterstützt und habe einen Preis als "Freund der Afroamerikaner" bekommen. "Und im Präsidentschaftswahlkampf beschließt er dann, die beste Regierungsstrategie für mich ist, ein Rassist zu werden? Das ergibt überhaupt keinen Sinn." Die meisten Leute, die ihn einen Rassisten nennen, wüssten außerdem, dass das gar nicht stimme.

Pastor Myles hat eine Fast-Glatze, einen angedeuteten Schnurrbart und trägt einen Löwenkopf an einer goldenen Kette um den Hals. Er ist Afroamerikaner und kam aus Sambia in die USA. Offensichtlich fühlt er sich nicht angegriffen, wenn Trump afrikanische Staaten als "shithole countries" ("Drecksloch-Länder") bezeichnet oder demokratische Abgeordnete mit Migrationshintergrund angreift, sie sollten der US-Regierung nicht sagen, wie sie zu funktionieren habe, während sie selbst ursprünglich aus "Ländern mit katastrophalen, korrupten und unfähigen Regierungen" kämen. "Warum gehen sie nicht zurück und helfen dabei, die total kaputten und von Kriminalität befallenen Orte in Ordnung zu bringen, aus denen sie gekommen sind", zitierte Merkur.de den amerikanischen Präsidenten. Wohlgemerkt: Drei der vier damit gemeinten Frauen sind gebürtige US-Amerikanerinnen. Die Liste von Trumps Entgleisungen dieser Art ließe sich noch eine Weile fortführen.

Der Prediger mit den nach eigener Aussage zwei Doktoren- und einem Ehrendoktortitel – einen Doctor of Theology, einen of Divinity, was wörtlich übersetzt "Göttlichkeit" bedeutet, und einen Doctor of Letters, was der Doktorwürde in Literatur entspricht – hat in Tempe im Bundesstaat Arizona eine eigene Kirche gegründet, die "Lovefest Church". Er leitet sie zusammen mit seiner Frau, die übrigens ebenfalls eingewandert ist, und zwar von den Philippinen. Ziel der Kirche ist unter anderem die Annäherung an das Reich Gottes und eine gottgefällige Beeinflussung des Marktes. Sie bietet beispielsweise eine Beratungsstelle für den Aufbau stabiler Ehen und ein Indoktrinations-Institut für Kinder, genannt Schule, sowie Kongresse an. Pastor Myles ist laut Website der Kirche "bekannt für seine Heilungs-Kreuzzüge durch Afrika", wo er erlebt habe, wie "Hexendoktoren übernatürliche Kräfte nutzten, um Menschen in Knechtschaft und Angst zu halten".

Der Prediger aus Sambia hat auch mehrere Bücher geschrieben. Seine beiden neuesten hat er mit in die Sendung gebracht. "Why God hates open borders" ("Warum Gott offene Grenzen hasst"), heißt das eine. Als Jim Bakker sagt, das Buch finde er "schockierend", lacht Myles. Dann aber fängt der Moderator, der seineszeichens ebenfalls Pastor ist, selbst an, über eine halbe Million unregistrierter Einwanderer aus Europa zu reden, die Bomben und Drogen mitbrächten. Deswegen habe man ja eine Tür im Haus, weil man nicht wolle, dass "bad stuff" ("schlimme Dinge") hereinkämen. Und man liebe ja die Menschen im Haus, ergänzt Francis Myles. Er, selbst Profiteur einer offenen Tür, will sie jetzt hinter sich abschließen.

Ob Gottes Reich eine Einwanderungspolitik habe, fragt der Moderator. Daraufhin kommt eine bemerkenswerte Antwort von Pastor Myles: "Das Problem der Christen ist, wir lesen die Bibel, als sei sie ein religiöses Buch. (…) Sie ist die Verfassung der Regierung." Jede Regierung habe auch eine Einwanderungspolitik. Jedes souveräne Land habe das Recht, zu kontrollieren, wer über seine Grenzen komme. Und die Bibel sei da ja völlig klar: Es gebe eine Grenze zwischen Himmel und Hölle und die könne man ja auch nicht einfach so überqueren. Ein Hölleninsasse sei jemand, der Gottes irdischen Einwanderungstest nicht bestanden habe. "Wir sind hier, um das Evangelium zu predigen, um den Menschen das Visum für den Himmel auszustellen." Man könne nicht einfach in den Himmel kommen, nur, weil man dort hinwolle.

Wenn also Gottes Reich eine Einwanderungspolitik habe, wie könne man dann Präsident Trump oder irgendein anderes Land dafür angreifen, dass sie ihre Einwanderung kontrollieren wollten? Dafür gibt es Applaus im Studio. Darüber hinaus sei es Gott selbst gewesen, der das Konzept von Nationen und Grenzen erfunden habe, liest der Prediger stolz aus seiner güldenen Bibel vor, die immer parat liegt. Und wenn man Grenzen in Frage stelle, stelle man damit auch Gottes Ordnung in Frage. Hinter der Globalisierung stehe Satan, der übrigens nur noch den Antichristen an der Spitze der EU positionieren müsse (meint er damit etwa Ursula von der Leyen?), um sein teuflisches Werk gegen die Souveränität der Nationalstaaten zu vollenden.

Was er bei all seinen obskuren Betrachtungen völlig vergisst, ist, dass die USA seit dem 17. Jahrhundert ein Einwanderungsland sind. Die Vorfahren derer, die jetzt gegen die Immigration wettern, kamen wie Trumps Großvater selbst von anderen Kontinenten (vor allem aus Europa) in die "neue Welt" und verschleppten Menschen aus Afrika als Sklaven dorthin. Sie verdrängten die amerikanische Urbevölkerung, deren kläglichen Resten man nach blutigen Kriegen das Land zuwies, das sonst keiner haben wollte. Am besten fasst dieses Paradoxon das Bild einer indigenen jungen Frau zusammen, das immer mal wieder durch die sozialen Netzwerke geistert: Sie trägt ein T-Shirt, auf dem steht: "No one is illegal on stolen land" – Kein Mensch ist auf gestohlenem Land illegal.