Abtreibungsgegner formierten sich zum "Marsch für das Leben"

Berlin und Köln gegen Fundamentalismus

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"Aktionstag für sexuelle Selbstbestimmung"
"Aktionstag für sexuelle Selbstbestimmung"

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Die Veranstalter des "Marsch für das Leben" bereiten Plakate vor.
Die Veranstalter des "Marsch für das Leben" bereiten Plakate vor.

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Aufgestellte Kreuze
Aufgestellte Kreuze

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Köln

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Köln

In Berlin waren es rund 500 Menschen, die am Rande des "Marsches für das Leben" gegen die längst überholten Ansichten der christlichen Fundamentalisten protestierten. In Köln standen den rund 1.000 Fundamentalisten etwa 3.000 Gegendemonstanten gegenüber.

Eine gute Nachricht: Die Zahl der Marschierer in Berlin nimmt immer weiter ab. Laut Polizei waren es nur noch rund 900, die in diesem Jahr mit vom Veranstalter gestellten Kreuzen und Plakaten durch die Innenstadt von Berlin zogen. Und eine schlechte Nachricht: Erstmals fand ein "Marsch für das Leben" auch in Köln statt. Hier sprach der WDR von "mehr als 1.000 Menschen" die "gegen Abtreibung und gegen Sterbehilfe demonstriert" haben. Jedoch standen ihnen mehr als 3.000 Gegendemonstranten entgegen, die den "Marsch" blockierten.

Die Veranstalter der Berliner Gegenveranstaltung "Aktionstag für sexuelle Selbstbestimmung" hatten – wie in den Jahren zuvor – auf dem Pariser Platz zu einer Kundgebung aufgerufen. Anschließend zog ein Demonstrationszug die Straße Unter den Linden bis zum August-Bebel-Platz zur Abschlussveranstaltung.

Foto: © Frank Nicolai
Foto: © Frank Nicolai

Philipp Möller, der Vorsitzende des Zentralrats der Konfessionsfreien sprach während der Demonstration: "Die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs ist einer der tiefsten Einschnitte in das Selbstbestimmungsrecht von Frauen. Sie wird als eine der schärfsten Waffen des Patriarchats genutzt. Und sie ist eine der schwersten Verletzungen des weltanschaulich neutralen Staats."

Es sei lächerlich, das religiösen Dogma der Simultanbeseelung zu vertreten – so wie es die Paragrafen 218 und 219 des Strafgesetzbuches weiterhin tun. "Eine befruchtete Eizelle soll zu jedem Zeitpunkt, so heißt es, das gleiche Lebensrecht haben wie eine erwachsene Frau?"

Möller weiter: "Auf der anderen Seite des Brandenburger Tors propagieren Bibel-Freaks, Abtreibung sei Mord. Im christlichen Weltbild mag das stimmen, aber daran glaubt ja noch nicht einmal mehr die christliche Bevölkerung. In dieser säkularen Gesellschaft ist das frauenfeindlich und politisch mindestens von vorgestern. Das alles ist zwar erlaubt – aber: In einem säkularen Rechtsstaat ist es eben nicht erlaubt, aus solchen privaten Meinungen Politik zu machen. Unser Grundgesetz fordert die weltanschauliche Neutralität des Staats und damit auch weltanschaulich neutrale Gesetze. Ein Bundestagsmandat berechtigt niemanden dazu, persönliche Überzeugungen in Gesetze zu gießen – erst recht nicht die religiösen!

Foto: © Frank Nicolai
Philipp Möller, Foto: © Frank Nicolai

Die Paragrafen 218 und 219 StGB seien einer der Überreste der patriarchalen Kirchenrepublik Deutschland – mit weitreichenden Folgen: Keine Universitätsklinik würde ihren Nachwuchs in einer Straftat ausbilden. "Ärztinnen und Ärzte fürchten Diffamierungen und juristische Folgen – und so ist die Versorgungslage für unzählige Betroffene in Deutschland katastrophal – das passt vorne und hinten nicht in eine so reiche und vermeintlich aufgeklärte Industrienation im 21. Jahrhundert."

Möller wies darauf hin, dass nicht nur unser Grundgesetz konfessionsfrei sei, "sondern inzwischen auch fast die Hälfte der Bevölkerung. Und weit mehr als die Hälfte, also auch Kirchenmitglieder, fordern säkulare Politik. Eine überwältigende Mehrheit von 83 Prozent will Schwangerschaftsabbrüche entkriminalisieren – nur 9 Prozent wollen die Regelung beibehalten."

Der sogenannte "Marsch für das Leben" sei eine religiös-fundamentalistische Veranstaltung, bei der "Holocaust-Vergleiche, Gehsteigbelästigungen und tätliche Angriffe auf Ärztinnen und Patientinnen als legitim gelten. Mit der politischen Unterstützung des Marschs fürs Leben ist nur noch eines garantiert: Der Verlust von Wählerstimmen."

Foto: © Frank Nicolai
Foto: © Frank Nicolai

Bei der Auftaktveranstaltung in Berlin waren der Berliner Erzbischof Heiner Koch sowie Bischof Rudolf Voderholzer und Weihbischof Josef Graf, die aus Regensburg kamen. Auch die Weihbischöfe Florian Wörner (Augsburg) und Matthias Heinrich (Berlin) waren anwesend. In Köln vertrat der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp die katholische Kirche.

Aus Köln berichtete eine Teilnehmerin der zahlreichen Gegendemonstrationen dem hpd, dass die Veranstalter des "Marsches für das Leben" die berühmt-berüchtigten Plastik-Embryonen zum Kauf anboten. Mit dem Beginn des "Marsches" formierte sich lautstarker Gegenprotest, es kam zur Blockade des "Marsches", der daraufhin nach einiger Zeit aufgegeben wurde. Selbst die Bühne und die Stände wurden "gekapert", so dass die Polizei einschritt und die Fundamentalisten und Gegendemonstranten voneinander trennte. Dabei – so der Bericht aus Köln – sei die Polizei immer fair geblieben.

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