Nach den gemeinsamen Angriffen von Israel und den USA auf den Iran ist eine heftige Debatte über die völkerrechtliche Bewertung der Militäraktion entbrannt. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach von einem "Dilemma". Während viele Völkerrechtler die Angriffe als klar rechtswidrig bewerten, verweisen einzelne Stimmen auf mögliche Rechtfertigungen durch präventive Selbstverteidigung angesichts einer existenziellen Bedrohung. Hinter der aktuellen Kontroverse steht jedoch ein grundsätzlicher Konflikt des modernen Völkerrechts: das Spannungsfeld zwischen dem Schutz des Friedens und dem Schutz der Menschenrechte.
Israel und die USA haben zusammen den Iran angegriffen und den Führer des Iran, Ali Khamenei, getötet. Vor Pressevertretern sprach Friedrich Merz in der Folge von einem "Dilemma" bei der völkerrechtlichen Frage, ob es sich bei diesen Angriffen um einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg handele, und wurde dafür viel gescholten.
Sevim Dagdelen vom BSW ließ verlauten, dass "Deutschland zum Mittäter eines völkerrechtswidrigen Krieges" werde und Rolf Mützenich (SPD) sprach von einer "wackligen Position" der Regierung in Bezug auf das Völkerrecht. Die meisten Völkerrechtler stimmen dieser Position zu. So gab Christoph Safferling in der "Tagesschau" zu Protokoll, dass die Angriffe "zunächst einmal völkerrechtswidrig" seien. Zwar gab es vereinzelte Stimmen, wie die des Völkerrechtlers Matthias Herdegen, die darauf hinwiesen, dass eine atomare Bedrohung so existenziell sei, dass man von einem Staat, um dessen Existenz es geht, nicht verlangen könne, dass er "so lange wartet, bis die Raketen startklar gemacht werden" bevor er zu einem Präventivschlag ansetze. Diese Hürde sei schlicht zu hoch. Das Völkerrecht kennt jedoch eigentlich keine Präventivschläge und auch präemptive Selbstverteidigung ist nur in sehr engen Grenzen zulässig.
Erinnern wir uns an Artikel 2 Nummer 3 der UN-Charta: "Alle Mitglieder legen ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, dass der Weltfriede, die internationale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden." Zu den schützenswerten Zielen wird hier ausdrücklich neben dem Weltfrieden auch "die Gerechtigkeit" genannt. Zu dieser Gerechtigkeit werden aber bestimmt auch die allgemeinen Menschenrechte, wie sie 1948 vor den Vereinten Nationen erklärt wurden, gehören. In der Präambel der UN-Charta heißt es schließlich ausdrücklich: "Wir, die Völker der Vereinten Nationen – fest entschlossen, unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen".
Der Ethiker und Sozialphilosoph Arnd Pollmann, der zu genau dieser Problematik geforscht hat, hat erkannt, dass das moderne Völkerrecht, das sich sowohl dem Schutz der Menschenrechte, als auch dem Schutz des Friedens verschrieben hat, hier in ein Spannungsfeld gerät, da diese beiden Ziele auch in Konflikt geraten können. Paradigmatisch wäre hier der Fall Ruanda, bei dem ein internationales Eingreifen auch gegen den Willen eines souveränen Staates vermutlich einen Völkermord hätte verhindern können und auch das Eingreifen Vietnams gegen die Barbarei der Roten Khmer gilt als völkerrechtswidriger Angriffskrieg, obwohl damit ein (Auto-)Genozid beendet wurde. Pollmann glaubt, dass es sich bei diesem Spannungsfeld nicht um ein Dilemma im strikten Sinne handele, weil es sich durch einen "menschenrechtlichen Pazifismus" auflösen lasse, den er jedoch nicht als "fortwährende Kriegsbereitschaft" missverstanden wissen will.
Dem hpd sagte Pollmann:
"Der Frieden ist kein Selbstzweck, er soll ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Insofern scheint er dessen Bedingung zu sein. Aber es wird keinen menschenwürdigen Frieden geben, solange einzelne Staaten die Menschenrechte mit Füßen treten. Und im äußersten Katastrophenfall kann die Weltgemeinschaft sogar dazu aufgerufen sein, auch militärisch in Konflikte einzugreifen, um massive Menschenrechtsverletzungen zu stoppen und um damit einen menschenwürdig qualifizierten Frieden vorzubereiten."
Michael Schmidt-Salomon hatte im hpd ähnlich argumentiert.
Die Frage nach "Krieg im Namen der Menschenrechte?" mag Pollmann damit aufgelöst bekommen, das Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Zielen des modernen Völkerrechts bleibt hingegen bestehen. Menschenrechte oder Friedensschutz: Das Dilemma des Friedrich Merz ist zu einem gewissen Grad auch das Dilemma des Völkerrechts.







16 Kommentare
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Kommentare
Nikolaus Richter am Permanenter Link
Dass ausgerechnet - Zitat des der früheren Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle - "autoritäre Willkürregime" die Menschenrechte verteidigen sollen, erscheint absurd.
Das müßten Sebastian Schnelle, Michael Schmidt-Salomon, und der hpd dann doch noch einmal - ganz anders - erklären.
Die Quelle für "autoritäre Willkürregime":
"An den USA könne man sehen, wie sich das Land unter Donald Trump in Richtung eines autoritären Willkürregimes bewege. Auch in Israel sei eine Regierung an der Macht, die den politischen Gegner als Feind betrachte und einen klaren politischen Kurs Richtung Totalitarismus eingeschlagen haben.“
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/vosskuhle-demokratie-100.html
Tim Mangold am Permanenter Link
Ja, das habe ich mir auch schon gedacht, das Völkerrecht als Ideal, das in sich aber gefährliche Szenarien zulassen würde, die kaum eingedämmt werden können. Das Völkerrecht könnte man mMn.
Bernd Kammermeier am Permanenter Link
Es gibt viele Dilemmata, die nur mit Fingerspitzengefühl aufzulösen sind. Eines ist z. B. die Nothilfe. Selbstverteidigung (also was z. B.
Doch Nothilfe ist, wenn ich als nicht unmittelbar betroffene, aber potente Person, in einen Konflikt eingreife, um jemanden vor Schaden zu bewahren, wenn er angegriffen wird. Das kann im äußersten Fall mit dem Mittel der Körperverletzung geschehen, zu der (im ärztlichen Umfeld) der zu Verletzende einwilligen muss, um die Handlung straffrei zu stellen.
Aber ein Angreifer wird diese Einwilligung nicht erteilen, wenn er im "Angriffsmodus" ist, um einer dritten Person zu schaden. Und doch ist Nothilfe sogar geboten, alles andere wäre unterlassene Hilfeleistung. Der juristische Konflikt "Körperverletzung vs. Nothilfe" kann also aufgelöst werden.
Warum nicht auch im Völkerrecht? Wenn Diktaturen ihre Bevölkerung unterdrücken und MENSCHENRECHTE mit Füßen treten, sie niederknüppeln oder -schießen, dann kann der zivile Ungehorsam oder Widerstand aus der betroffenen Bevölkerung an unüberwindliche Grenzen stoßen. Selbst, wenn manche Bürger sich mit dem Regime arrangieren oder es sogar tolerieren, muss es objektive Kriterien geben, nach denen ein Staat seinen Bürgern zu leben gestatten muss.
Die Messlatte hierfür wäre für mich die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Menschen weitreichende Freiheitsrechte zugesteht. Ein Staat, wie der Iran, verweigert aus religiösen Gründen diese Freiheitsrechte. Mehr noch: Er verfolgt eine Staatsdoktrin, nämlich einen souveränen Staat (Israel) auslöschen zu wollen und erklärt eindeutig "Tod den USA!" Darüber hinaus bleibt es nicht bei dieser Propaganda, sondern es wird an Mitteln gearbeitet, diese Ziel auch praktisch zu erreichen (z. B. Entwicklung einer Atombombe und die notwendigen Trägerraketen).
Allein die tagtägliche Bedrohung der eigenen Bevölkerung (inklusiver massenhafter Tötung von Demonstranten (!)) wäre ein Grund für Nothilfe, wenn man Menschenrechte ernstnimmt. Die wachsende Bedrohung mit einem erklärten (!) Ziel einem souveränen Staat gegenüber, rechtfertigt auch m.M.n. präventive Maßnahmen, diese völkerrechtswidrigen Verbrechen zu verhindern.
Wir sollten weder wegschauen, wenn jemand auf offener Straße angegriffen wird, noch wenn ein Staat mit dem Tode bedroht wird. Menschen, Regime oder sonstige Institutionen, die anderen Gewalt antun wollen (warum auch immer), müssen legal gestoppt werden können. Alles andere wäre eine indirekte Unterstützung des falschen Grundsatzes: Die Macht des Stärkeren!
Konrad Schiemert am Permanenter Link
Ich sehe in der Stellungnahme nichts Falsches, nur eine ergänzende Frage: Was kann man tun, wenn der völkerrechtswidrigen Verbrechen in einer Weltmacht (Russland, China und USA?) passiert?
Bernd Kammermeier am Permanenter Link
Die präventive Maßnahme ist Aufklärung.
Und wir müssen die Feinde der Aufklärung erkennen: Die "sozialen" Netzwerke - auch asoziale Hetzwerke genannt, die mit Fake News und Hetzpropaganda sowie der Erleichterung von Echokammern die Gesellschaften heftig durcheinanderwirbeln.
Demokratie funktioniert nur mit einer gebildeten, aufgeklärten Gesellschaft. D. h. die Medien (Hitler wurde dank des Volksempfängers populär) müssen neutral bleiben/werden, müssen sich der Kontrolle durch die "Mächtigen" entziehen und ein wirksames Korrektiv gegen Propaganda werden.
Da, wo die Vernunft und der Weitblick keine Chance mehr hat, hilft - vor allem gegen "Weltmächte" - nicht viel. Momentan scheint das Mittel der Wahl Aufrüstung, Abschottung und Distanz zu sein. Das führt aber zumindest in den Bereich der Gefahr eines erneuten Weltkrieges.
Wichtig ist, im eigenen Land nach dem Rechten zu schauen, und vor allem nach DEN Rechten, die momentan die Hetzwerke für eine leider (gerade bei jungen Leuten) wirksame Propaganda ihrer schädlichen Ideologie nutzen. Die Länder müssten hier deutlicher hinsehen und Schulen entsprechend ausrüsten, dass dies korrigiert wird. Hilfreich wäre dabei auch, die Smartphones von Kindern und Jugendlichen durch Klapphandys (wie ich eines habe) zu ersetzen, die keinen Zugang zum Internet haben. Man kann damit telefonieren, angerufen werden, Textnachrichten verschicken und erhalten. Sogar Fotos kann man machen und verschicken. Aber Tiktok, Mobbing und Cybergrooming ist damit unmöglich. Und eben auch politische, ideologische und religiöse Verblödung.
Wir müssen jedoch schnell handeln. Wenn die Wahl '33 schief geht, dann kommen '36 die olympischen Spiele nach Berlin und '39...
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Es sind fast immer die Länder mit einer rigiden Religion welche als Kriegstreiber fungieren.
Sollte uns das nicht zum Nachdenken anregen, ob da nicht ein Hintergrund besteht, wenn
nach, bösen Ungläubigen den Krieg zu erklären.
Meiner Meinung nach steht dahinter nur Machtgehabe über die Menschen, welche sich Freiheit wünschen und keinerlei Aberglauben für richtig oder wichtig halten.
bernie am Permanenter Link
[...] Trumps Kreuzzug
10. März 2026 Von: Patrick Lawrence in Geschichte, Militär, Politik, Wirtschaft
(Red.) Aufmerksame Beobachter haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass in Deutschland nicht alle christlich-kirchlichen Instanzen die Militarisierung des Landes ablehnen – und damit der christlichen Aufforderung zum Frieden – Liebe deine Feinde – total widersprechen. In den USA aber ist es noch deutlich extremer. Dort wird der christliche Glaube dazu benützt, einen Angriffskrieg als gottgewollt darzustellen. Patrick Lawrence bringt dazu Beispiele. (cm)
Es ist ziemlich bemerkenswert – und es gibt noch andere, stärkere Worte dafür –, wie Amerikaner in Krisenzeiten oder wenn ihr Charakter, ihre nationale Identität oder ihr Verhalten gegenüber anderen in Frage gestellt wird, in einen Zustand religiöser Inbrunst verfallen. Die bekanntesten Beispiele dafür in der Geschichte sind die sogenannten „Great Awakenings“ (Großen Erweckungen), von denen es seit dem ersten in den 1730er Jahren drei gegeben hat – vier, wenn man das mitzählt, was die Amerikaner als Jesus-Bewegung der 1960er und 1970er Jahre bezeichnen. Zu dieser Zeit bedrohten die imperialistischen Aggressionen der USA in Südostasien viele Amerikaner mit dem Gedanken, dass ihre Republik doch nicht so von der Vorsehung bestimmt war, wie sie geglaubt hatten. [...]"
Quelle und kompletter Text:
https://globalbridge.ch/trumps-kreuzzug
Anmerkungen: Eine Stimme aus den USA. Auch in den USA gibt es auf höchster Regierungsebene Anhänger einer rigiden evangelikalen Religion die sich in der Tradition der Kreuzritter aus dem Mittelalter sehen. Der US-Verteidigungsminister soll sich ja sogar - vor Jahren - die Losung der Kreuzritter "Gott will es" - auf Latein - auf seine Brust tätowieren lassen haben. Leider sind wir nicht nur aus weltlichen Grünen im Krieg mit dem Iran, im Westen, was die USA angeht ist das das apocalyptische letzte Gefecht vor der Wiederkunft "des Messias".....sollte einem zu denken geben....mir, als säkularem Menschen und Atheisten, gibt das auf jeden Fall schwer zu denken....
Gruß
Bernie
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Schreibe ich nicht schon seit Jahren, daß die Religionen die größten Kriegstreiber sind und
Nebenbei generiert man dabei unglaublich viel Geld und Macht von und über die Menschen,
was schon immer die Agenta der Kirchen war und ist.
Daß sich Politiker an dieses Geschäftsmodell anhängen ist verständlich, da diese immer ein Volk brauchen welches in Angst lebt und kuscht und keine Zeit hat sich darüber Gedanken zu machen ob da ein System dahintersteckt die Menschen dumm und ängstlich zu halten.
Bernie am Permanenter Link
@Gerhard Baierlein
Stimme mit Ihnen da völlig überein, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir "im alten Europa" (so mal ein längst vergessener US-Politiker) auf einem anderen Planeten leben als die neoliberal-marktgläubige USA. Auch hinsichtlich christlicher Religion ist die USA - aus eben dem genannten Grund - sehr fundamentalistisch geworden, d.h. eigentlich waren die USA ja schon immer so christlich-fundamentalistisch drauf. Nur ist der Gipfel dieses Fundamentalismus jetzt wohl bei US-Präsident Trump, und einiger seiner Ministerkollegen, jetzt erreicht. Wie schon gesagt wir sollten NIE vergessen die USA sind ein völlig anderes Land als die BRD, oder der Rest von Europa - eigentlich könnte Mensch schon fast von neo-feudalistischen Zuständen in den USA reden. Übrigens auch im echten Feudalismus konnte sich Kritik an den Religionen nur leisten wer ein entsprechendes finanzielles Polster hatte - und einen dementsprechend unangreifbaren gesellschaftlichen Stand eben wie in den neoliberalen USA heute - dort sind es ja auch nur die "Eliten" die sich Religionskritik leisten können, der große Rest der USA wendet sich eben der Religion zu, weil die, mit ihren alltäglichen Sorgen, andere Sorgen haben, als das Wiedererstarken der "alten", und neuen, Religionen. Gruß Bernie
bernie am Permanenter Link
[...] Warum der Iran den Krieg bereits gewonnen hat
08. März 2026 Von: Patrick Ringgenberg in Geschichte, Militär, Politik, Wirtschaft
(Red.) Es gibt ihn, den Schweizer Wissenschaftler, der den Iran und seine über tausendjährige Geschichte wirklich kennt und versteht – und der zu Recht darüber besorgt ist, dass in der internationalen Politik Leute entscheiden, die vom wahren Charakter des Iran keine Ahnung haben – nicht zuletzt natürlich die US-Amerikaner. Im hier folgenden, ausführlichen Text erklärt er, warum Israel und die USA ihren Krieg gegen den Iran nicht gewinnen werden, auch mit andauernden Bombenangriffen nicht. In Anbetracht des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Israels und der USA, der (negative) Auswirkungen auf fast die ganze Welt haben wird, lohnt es sich, die Ausführungen des Iran-Spezialisten Patrick Ringgenberg aufmerksam zu lesen. (cm)
„Gott hat den Krieg erschaffen, damit die Amerikaner Geografie lernen.“ (Mark Twain)[...]"
Quelle und kompletter Text:
https://globalbridge.ch/warum-der-iran-den-krieg-bereits-gewonnen-hat/
Eine Stimme aus der (noch) neutralen Schweiz, ansonsten ohne weiteren Kommentar von mir zum verlinkten Text ;-)
Gruß
Bernie
Angelika Wedekind am Permanenter Link
Mir ist das Gerede vom Völkerrecht zu hoch gestochen. Das Recht aller Völker sollte sein, in Frieden und Freiheit selbstbestimmt leben zu dürfen.
Konrad Schiemert am Permanenter Link
"...zum Wohle dieses Volkes eingreifen..." Zum Beispiel in Nordkorea?
Bernie am Permanenter Link
[...]Der Irankrieg als christlicher Kreuzzug unter Pete Hegseth
Militärkommandeure beschreiben die Iranoffensive Berichten zufolge wie einen christlichen Kreuzzug – unter Verteidigungsminister Pete Hegseth von Michael Embrich, 06.03.2026.
Kurz nach dem Terroranschlag auf die „USS Cole“ im Jahr 2000 begann die Marineführung, uns über religiöse Fanatiker zu briefen, die in den Bergen lebten – Männer, die keinem Land und keiner nationalen Sache angehörten, deren einzige Loyalität ihrer eigenen Interpretation von Religion galt. Al-Qaida.
Diese Briefings endeten in der Regel mit einer wichtigen Lektion: Das US-Militär wird von der Verfassung regiert, nicht von einer Religion. Die Gründerväter der Nation verstanden die Gefahr, die religiöser Extremismus für eine Demokratie darstellt. Die Regierung von Donald Trump sieht das offenbar anders, während sie einen neuen Krieg gegen Iran ohne klare Ziele oder ein absehbares Ende vom Zaun bricht.
Die gemeinnützige Military Religious Freedom Foundation erklärte diese Woche, sie habe über 200 Beschwerden aus mehr als 50 Militäreinrichtungen erhalten, wonach Kommandeure beim Beschreiben des Krieges gegen Iran christliche Rhetorik verwenden – vieles davon im Zusammenhang mit Endzeitprophetie. Ein Kommandeur sagte Offizieren in einem Briefing am Montag zum Beispiel, Trump sei „von Jesus gesalbt worden, um das Signalfeuer im Iran zu entzünden, um Armageddon auszulösen und seine Rückkehr auf die Erde einzuläuten“ – so steht es in einer der Beschwerden. Der unabhängige Journalist Jonathan Larsen berichtete als Erster über die religiösen Botschaften des Militärs[...]"
Quelle und kompletter Text:
https://www.rollingstone.de/irankrieg-kreuzzug-hegseth-christlicher-nationalismus-3115889/
Tja es scheint, dass nicht nur die Mullahs religiöse Fanatiker sind - Teile der Trump-Regierung scheinen das auch zu sein?
Und ich dachte wir wären seit dem Fall Jerusalems, und Akkons, anno domini....weiter gekommen....."Gott will es" so eben evangelikale US-Fanatiker in den USA.... :-(
Säkularer Gruß
Bernie
Ralf Feldmann am Permanenter Link
Krieg mit den Menschenvernichtungswaffen unserer Tage für Menschenrechte: Wie viele Menschen dürfen denn gezielt oder kollateral geopfert werden für welche gesellschaftlichen Verhältnisse?
G K am Permanenter Link
Es stellt sich in dem Konflikt die grundsätzliche Frage, in wie weit sind Hisbollah, Hamas, Huti u.a. dem Iran zu zu rechnen. Sind deren Angriffe als vom Iran beauftragt/befohlen zu werten? Meiner Meinung nach ja.
Guggemos, Walter am Permanenter Link
Sowohl der Artikel als auch die Kommentare zeigen die Problematik, die in diesem Thema steckt, sehr gut auf.
Zudem gibt es in der Juristerei das, was Juristen die „Normativität des Faktischen“ nennen. Locker ausgedrückt: Wenn sich niemand daran hält und es keine wirksamen Mechanismen gibt, die Regeln durchzusetzen, dann spielt es am Ende nur eine begrenzte Rolle, was im Gesetz – hier im Völkerrecht – steht.
Zurück zum Iran: Es wirkt paradox, wenn ein Staat, der seine eigenen Bürger unterdrückt, foltert und bei Demonstrationen gezielt auf Menschen schießen lässt, sich auf das Völkerrecht berufen kann. Ebenso erscheint es widersprüchlich, wenn ein Staat, der sich programmatisch die Vernichtung eines anderen Staates auf die Fahnen geschrieben hat, zugleich den Schutz des Völkerrechts für sich in Anspruch nimmt.
Hier scheint mir eine Weiterentwicklung des Völkerrechts dringend geboten. Ob dies unter Annalena Baerbock als aktuelle Präsidentin der UN-Generalversammlung geschieht, da bin ich allerdings skeptisch.