West Virginia: Schülerprotest gegen Evangelikale

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In den Vereinigten Staaten herrscht eine strenge Trennung von Kirche und Staat – so zumindest steht es in der Verfassung. Dennoch nehmen religiöse Gruppen immer wieder staatliche Schulen in den Fokus ihrer Missionierungsaktionen. Doch damit stoßen sie mitunter auf Protest, wie ein Beispiel aus dem Ort Huntington im Staat West Virginia zeigt: Zwei Klassenlehrer der dortigen staatlichen Highschool hatten ihre minderjährigen Schülerinnen und Schüler zu einer evangelikalen "Erweckungsfeier" geschickt, einer Veranstaltung zur Gewinnung von neuen Mitgliedern – und ernteten heftigen Protest.

Wie der 16-jährige Cameron Mays berichtet, fand die Veranstaltung in der Aula des Schulgebäudes statt. Dabei wurden die Schüler aufgefordert, die Augen zu schließen, die Arme zum Gebet zu erheben und ihr Leben Jesus zu weihen, um Sinn und Erlösung zu erlangen. Wenn sie nicht der Bibel folgten, würden sie nach dem Tod in der Hölle landen, so drohte man ihnen.

Ein eklatanter Verstoß gegen die US-Verfassung, in der die Trennung von Staat und religiösen Gemeinschaften festgeschrieben ist: Darauf weist Max Nibert hin, der die zwölfte Klasse der Highschool besucht. "Ich bin nicht der Ansicht, dass ein steuerfinanziertes Gebäude irgendeinem Religionsvertreter eine Bühne bieten sollte, Minderjährige zur Taufe zu überreden", zitiert ihn die nichtkommerzielle Nachrichtenplattform National Public Radio. Nibert ist Mitorganisator eines Protestmarsches durchs Schulgebäude, an dem über hundert Schülerinnen und Schüler teilnahmen. Wie National Public Radio weiter berichtet, wurden Journalistinnen und Journalisten von Sicherheitskräften der Schule zurückgehalten, während die Protestierenden Parolen wie "Trennt Kirche und Staat" und "Mein Glaube, meine Entscheidung" riefen.

Nach Angaben von Jedd Flowers, dem Sprecher der staatlichen Schulen im Bezirk, wurde die Erweckungsfeier von der Gruppe Fellowship of Christian Athletes (FCA) organisiert. Sie fand Anfang Februar im Rahmen eines unterrichtsfreien Tages statt, der Schülern Gelegenheit gab, sich auf Prüfungen oder aufs College vorzubereiten, aber auch Vorträge von Gastrednern zu besuchen. Die Teilnahme an der "Erweckungsfeier" sei freiwillig gewesen. Dass trotzdem zwei ganze Klassen von ihren Lehrern dazu verpflichtet wurden, führt Flowers auf ein "bedauerliches Missverständnis" zurück.

Gleichwohl hat der Vorfall eine breite Debatte über das Verhältnis von Schule und religiösen Organisationen ausgelöst. Zu den kritischen Stimmen gehört die American Civil Liberties Union of West Virginia, in der sich Eltern schulpflichtiger Kinder zusammengeschlossen haben. In einem Brief an die Schulverwaltung des Bezirks bezeichnen sie es als "unangemessen und verfassungswidrig", religiösen Führern eine besondere Gelegenheit zu eröffnen, den Schülern während der Schulzeit auf dem Schulgelände zu predigen und sie zu missionieren.

Der 25-jährige Nik Walker, der seit seinem 17. Lebensjahr als Prediger durch West Virginia reist, sieht sich nach eigener Aussage in der Pflicht, "hoffnungslose" Jugendliche mit Suchtproblemen, Angststörungen und Depressionen zum Glauben zu führen. Ganz anders liest sich jedoch der Bericht einer Mutter, Bethany Felinton. Ihr Sohn sei trotz seines jüdischen Glaubens gezwungen worden, an einer von Walkers Veranstaltungen teilzunehmen. Seine Bitte, den Raum verlassen zu dürfen, habe der Lehrer abgelehnt – mit dem Hinweis, dass die Tür des Klassenzimmers abgeschlossen sei.

Max Nibert will sich nun mit einer Petition an die Schulbehörde wenden. Darin fordert er unter anderem Strafmaßnahmen für die betroffenen Lehrer.

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