Während die christlichen Kirchen in Deutschland jedes Jahr aufs Neue herbe Mitgliederverluste hinnehmen müssen, setzt sich die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters auf dem Weltanschauungsmarkt derzeit sehr erfolgreich durch. Die Anzahl ihrer Sakralbauten konnte sie 2021 sogar verdoppeln.
In einem vollbesetzten Flugzeug-Innenraum sitzt ja immer auch die Angst. All die fremden Menschen, die Enge, die Ausweglosigkeit, die komplett unnatürliche Fortbewegungsart. Zur tief sitzenden Furcht vor dem Absturz ist seit 9/11 verstärkt diejenige vor Entführungen und Anschlägen gekommen, und so ist mancher Mensch heilfroh, wenn er die Sardinenbüchse verlassen kann, die ihn und den ein oder anderen Mitreisenden im eigenen Angstschweiß gut durchgesotten hat. Wenn dann aber noch jemand anfängt, von seinem Gott zu erzählen...
Gott ist wie Sand. Das habe ich jetzt beim Hessischen Rundfunk erfahren. Neben einigen anderen Verkündigungsformaten hält der öffentlich-rechtliche Sender sich auch einen christlichen Podcast, der den packenden Titel "Übrigens..." trägt, und wir sind sicher, dass auch die Schiiten, Sunniten und Sikhs und Hindus, die Drusen und die Sufis, die Zarathustrer und Zaiditen und überhaupt alle Religionen Deutschlands ebenso zu Wort kommen, wenn es, wie bei "Übrigens...", etwa die Folgen des Klimawandels oder den Tod von Michael Ballacks Sohn zu kommentieren gilt.
Für Christen bestand über Jahrhunderte kein Zweifel, dass das Neue Testament das Leben von Jesus authentisch nachzeichnet. So wurde es ihnen von den Geistlichen gepredigt, so wurde es ihnen später im Religionsunterricht weisgemacht. Es brauchte früher viel Mut und einen sehr kritischen Geist, um am biblischen Bild oder gar an der Existenz von Jesus zu zweifeln. Schließlich galt es als Gipfel der Blasphemie, den Fleisch gewordenen Gottessohn zu hinterfragen.
Die Fülle von Missbrauchsskandalen der katholischen und evangelischen Kirche sowie deren träge Aufklärung und Entschädigung beschäftigen weiterhin viele Millionen Menschen. Nun wird eine angemessene Form der Aufarbeitung durch einen neuen Clou gehemmt: kirchliche Wohlfühlgefängnisse statt einem dauerhaften Ausschluss aus der religiösen Gemeinschaft und einer staatlichen Sanktionierung.
Soweit wir wissen, ist der Mensch das einzige Tier, das überwiegend in einer eingebildeten, symbolischen Welt lebt. Alle anderen Tiere haben in erster Linie mit realen Gegebenheiten zu tun: Schutz vor Räubern, Schutz vor den physikalischen Einwirkungen der Natur, Futtersuche. Der Mensch hat sich im Laufe seiner Kulturgeschichte von vielen dieser Zwänge relativ weit abgenabelt - und ist entsprechend beleidigt, wenn die Natur ihn hin und wieder an seine basale Ausgeliefertheit erinnert, etwa durch eine Pandemie.
Bisher konnte sich die Schweizerische Evangelische Kirche (SEK) oft zurücklehnen und zuschauen, wie die katholische Kirche mit regelmäßigen Skandalen ihren Ruf besudelte. Doch für einmal probte die SEK erfolgreich den unrühmlichen Rollentausch: Ein Untersuchungsbericht beschuldigt den ehemaligen Kirchenpräsidenten Gottfried Locher und rehabilitiert seine Mitarbeiterin.
Man soll Gott nicht aus Eigennutz suchen. Das hat jüngst der Vorstandsvorsitzende der Vatikan AG, Herr Jorge Mario Bergoglio, mitgeteilt. Man soll Gott vielmehr einfach so suchen, und während man ihn (das allmächtige, allgegenwärtige Wesen) also überall sucht, soll man sich vor allem fragen: WARUM man ihn sucht. Viele Menschen, so teilt Bergoglio laut Vatican News mit, suchten den Gott nämlich bloß, weil sie an ihren Vorteil denken!
Bis zu ihrem 18. Lebensjahr war Sophie Jones Mitglied der Zeugen Jehovas. Dann ergriff sie die Flucht. Nun hat sie ihre Lebensgeschichte in einem bewegenden Buch niedergeschrieben.
Seit 2017 unterhält das Soziale Netzwerk Facebook sogenannte "Glaubenspartnerschaftsteams". Diese arbeiten mit Kirchengemeinden und anderen religiösen Communities in den USA zusammen, um die Plattform als Anbieter für "Religionsausübung im virtuellen Raum" zu etablieren. Die Strategie geht auf.
Unter die neuen Beschlüsse, welche die Methodisten im Vereinigten Königreich auf einer Konferenz gefasst haben, fällt nicht nur das Verbot von Konversionstherapien, sondern auch die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Eheschließungen zwischen ihnen sollen von der Religionsgemeinschaft vollständig anerkannt werden.
Die Berufung auf eine monotheistische Gottheit ist meist Beleg zweier Charakterzüge: Hierarchiegläubigkeit einerseits. Denkfaulheit andererseits. Beide ergänzen sich erstaunlich gut – einer der Gründe, weswegen das Mono-Gott-Konzept so erfolgreich ist.
Wenn Aberglaube auf Aberglaube trifft, entsteht meistens etwas Gefährliches. So auch in Kirchengemeinden auf der griechischen Insel Kreta Anfang des Monats. Dort haben einige Geistliche, die zusätzlich auch Impfgegner:innen sind, den geimpften Gläubigen die Kommunion verweigert. Die dadurch entstandenen Anreize, sich keiner solidarischen und lebensrettenden Schutzimpfung zu unterziehen, sorgten für heftige Kontroversen. Vonseiten der Kirche sind wissenschaftsfeindliche Vorstöße im Kontext der Corona-Pandemie in Griechenland keine Einzelfälle.
Mit einem "Krebsgeschwür" und "Krebsmetastasen" vergleicht der polnische Theologe Dariusz Oko homosexuelle Gruppen in der katholischen Kirche, nachzulesen in der Zeitschrift "Theologisches". Das Kölner Amtsgericht hat deshalb einen Strafbefehl gegen Oko wegen Volksverhetzung erlassen.
Er gehörte zu den mächtigsten Männern im Vatikan, manche handelten ihn sogar schon als Nachfolger von Papst Franziskus. Doch ab dem morgigen Dienstag steht Ex-Kardinal Giovanni Angelo Becciu im Vatikan vor Gericht, zusammen mit neun anderen Personen und mehreren Unternehmen. Bei einem faulen Immobiliendeal sollen sie Kirchengelder in dreistelliger Millionenhöhe verbraten haben. Becciu muss sich wegen Veruntreuung und Amtsmissbrauchs verantworten, anderen Beteiligten wirft die Staatsanwaltschaft Unterschlagung, Geldwäsche, Korruption und Betrug vor.