Anlässlich des fünften Jahrestags des Anschlags auf die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo fordern die "Reporter ohne Grenzen" (ROG) gemeinsam mit zwei Sonderberichterstattern der Vereinten Nationen die Regierungen sowie internationale Organisationen weltweit auf, Journalistinnen und Journalisten gegen Angriffe aufgrund von religiöser Intoleranz zu schützen.
Die Jesus-Satire einer brasilianischen Comedy-Truppe beim Streamingdienst Netflix hatte christliche Gemüter erschüttert. Es folgten fast so viele Gerichtsurteile, wie das fliegende Spaghettimonster nudelige Anhängsel hat, so dass die meisten auf Netflix nachsehen, ob der Kurzfilm um einen womöglich homosexuellen Jesus gerade mit richterlichem OK online oder gelöscht worden ist.
Der heute 33-jährige Junaid Hafeez wurde im Jahre 2013 wegen Blasphemie bei Facebook und während seiner Vorlesungen an der Bahauddin Zakariya Universität in Multan festgenommen. Nach quälender Einzelhaft, keiner forensischen Untersuchung von Beweisen und einem regen Wechsel eingeschüchterter Richter, wurde nun das Todesurtel verhängt.
"Gotteslästerung" kann einen Menschen auch im Jahr 2019 noch das Leben kosten. Nicht weniger als zwölf Länder halten bis heute an der Todesstrafe für Blasphemie fest, erbitterten Protesten säkularer Organisationen weltweit zum Trotz.
Nach weitgehenden Protesten der Bevölkerung und Spott in den sozialen Medien hat die liberal-konservative Regierung in Griechenland ihre Pläne zur erneuten Kriminalisierung von Blasphemie fallen gelassen.
Wer Gott lästert, muss in der Kabine bleiben. Zumindest ist das in Italien so. Aktuell hat es die beiden Fußballer Francesco Magnanelli und Matteo Scozzarella getroffen, die wegen blasphemischer Flüche am Spielfeld für jeweils ein Serie-A-Spiel gesperrt wurden.
In Pakistan ist ein Mann für im Jahre 2017 bei Facebook veröffentlichter Aussagen wegen blasphemischer Cyberkriminalität von einem Spezialgericht in Lahore zu fünf Jahren Haft, Zwangsarbeit und einer Geldstrafe verurteilt worden. Er gilt damit als erster Mensch, der nach dem 2016 erlassenen Gesetz verurteilt wurde.
Im Netz nennt sie sich Sahar Tabar und veröffentlich auf ihrem Instagram-Account vor allem Fotos von sich selbst. Bekannt wurde sie vor zwei Jahren durch Bilder ihres im Stile eines Zombies geschminktes Gesichts und starke Bildbearbeitung, die ihr ein groteskes Aussehen verliehen. Die Netz-Berühmtheit wurde nun wegen Vorwürfen der Blasphemie, Beleidigung des Islam, Aufruf zur Gewalt und ihres schlechten Einflusses auf die Jugend festgenommen.
In Indonesien haben zehntausende Menschen gegen einen Gesetzesentwurf protestiert, der nicht nur die Beleidigung des Präsidenten Joko Widodo, sondern auch außerehelichen Sex und gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen unter Strafe stellen würde. Obwohl die Gesetzesnovelle religiösen Hardlinern in die Hände spielen würde, versprach die Regierung Nachbesserung.
Nachdem ein muslimischer Schüler seinen hinduistischen Schuldirektor der Blasphemie bezichtigt hatte, brach eine Welle der Gewalt im südostpakistanischen Distrikt Ghotki los. Dabei wurden die betroffene Schule sowie ein hinduistischer Tempel überfallen und teilweise zerstört.
Eine 44-jährige Buddhistin wurde in Indonesien zu 18 Monaten Haft wegen Blasphemie verurteilt, nachdem sie sich in Nord Sumatra über die Lautstärke der Gebetsrufe einer nahegelegenen Moschee beklagt hatte. Die Verurteilung wegen Blasphemie gegen den Islam zeigt, wie stark der Einfluss religiöser Hardliner derzeit in Indonesien wächst.
In Indonesien kommt es immer wieder zu religiös motivierten Streitigkeiten, zu Anklagen wegen Blasphemie und von religiösen Führern aufgestachelte Menschenmassen. Die Aussagen eines bekannten muslimischen Predigers, dass christliche Kreuze von bösen Dämonen bewohnt seien, haben zu Anzeigen wegen Blasphemie und reichlich Unmut unter der christlichen Bevölkerung geführt. Bitter stößt den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften auch die Ungleichbehandlung beim Blaphemievorwurf auf.
Der im Jahre 2014 verhaftete und zunächst wegen Blasphemie zum Tode verurteilte Blogger Mohamed Mkhaïtir wurde am 29. Juli 2019 aus dem Gefängnis entlassen. Über den Senegal konnte er sich nach Europa in Sicherheit bringen.
Die Initiative "Atheist Republic" ruft zu Demonstrationen für die Freilassung des Bloggers und Fotografen Soheil Arabi auf, der im Iran im Gefängnis sitzt. Dazu kündigt "Atheist Republic" eine weltweite Protestaktion am Samstag, 17. August an.
Nach § 166 des deutschen Strafgesetzbuches macht sich strafbar, wer öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften den Inhalt des religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnisses anderer in einer Weise beschimpft, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören. Das Strafmaß ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.