Protestkundgebungen am 17. August

Iranischer Blogger wegen Blasphemie im Gefängnis

Im Iran wird weiterhin die Todesstrafe praktiziert

Die Initiative "Atheist Republic" ruft zu Demonstrationen für die Freilassung des Bloggers und Fotografen Soheil Arabi auf, der im Iran im Gefängnis sitzt. Dazu kündigt "Atheist Republic" eine weltweite Protestaktion am Samstag, 17. August an. Die Initiative unterhält weltweit über 200 lokale Gruppen, sogenannte "Konsulate", die den Protest vor Ort organisieren. In Deutschland findet die Kundgebung in Berlin von 17 bis 18 Uhr am Brandenburger Tor statt.

Wie Amnesty International berichtet, war der damals 30-jährige Arabi am 30. August 2014 wegen Beleidigung des Propheten Mohammed von iranischen Richtern zum Tode verurteilt worden. Grund seien Postings mit kritischen Äußerungen zur politischen und religiösen Führung des Landes auf acht Facebook-Accounts, die nach Ansicht der Behörden von Arabi betrieben wurden.

Dass das Strafmaß inzwischen auf eine Haftstrafe verringert wurde, wertet "Atheist Republic" weniger als Entwarnung, sondern vielmehr als taktische Entscheidung. Verbunden damit ist die Auflage, dass sich Arabi zwei Jahre lang eingehend mit dem Islam befassen und anschließend nachweisen muss, dass er seine Ansicht geändert hat – was Tür und Tor für eine Willkürentscheidung öffne. "Wenn sie nach seiner Verurteilung nicht überzeugt sind, werden sie ihn trotzdem ermorden", befürchtet die Initiative.

Eine kürzlich gestartete Petition für Arabis Freilassung verweist auf seinen kritischen Gesundheitszustand. Nach einem 39-tägigen Hungerstreik sei der Gefangene zeitweilig nach Krampfanfällen und dramatischem Blutdruckabfall bewusstlos in einem Teheraner Krankenhaus reanimiert und nach einer Besserung seines Zustandes zurück ins Gefängnis überführt worden.

Jedoch seien die schweren Verletzungen durch Schläge auf Nase und Hoden, die er durch Folter bei einem Verhör erlitten habe, unbehandelt geblieben, so der Petent Shahin Mohammadi.

Bei der Protestkundgebung gehe es nicht allein um Arabis Leben und Gesundheit, wie Mark W. Gura, PR-Chef bei "Atheist Republic", erklärt. "Wenn wir nichts gegen die Blasphemiegesetze unternehmen, wird es weitere Fälle wie den von Soheil geben." Nach Guras Ansicht handelt es sich um eine Frage von Menschenrecht und freier Meinungsäußerung. "Religionen haben keine Rechte. Rechte stehen Menschen zu. Es ist an der Zeit, Menschen zu unterstützen, wenn sie ihr Gewissen sprechen lassen. Alles wäre in Ordnung, wenn sich Regierungen aus der Religion heraushalten würden. Das würde ihnen ihre Freiheit lassen."

Armin Navabi, Gründer von "Atheist Alliance", nimmt den Fall zum Anlass, religionskritische Stimmen zur Solidarität miteinander aufzurufen: "Islamische Meinungen werden geschützt. Christliche Meinungen werden geschützt. Jüdische und hinduistische Meinungen sind geschützt. Doch Gotteslästerer stehen alleine. Es ist Zeit, dass wir für einander einstehen und zu sagen: Du bist nicht allein!"

Titelbild der Petition
Titelbild der o. g. Petition

Weitere Informationen in den Sozialen Medien unter #FreeSoheil

Zum Weiterlesen: Bereits 2015 berichtete publikative.org über den Fall Soheil Arabi.

Kommentare (6)

Thomas Reutner (nicht überprüft)

Mi. 7 Aug 2019 - 15:16

Ist es wirklich notwendig oder irgendwie nützlich, ein Foto von einem erhängten Mann einem Artikel vorran zu stellen?
Falls jemand argumentieren wollen sollte, dass solche Fotos die Grausamkeit der Realität abbilden, der man sich bewusst werden muss, dann kann ich dem entgegnen, dass man mit dem selben Argument auch Szenen aus Kinderpornos zeigen müsse. Kinderpornographie ist grausam und man muss dagegen angehen, oder nicht? Jedenfalls vermute ich, dass die große Mehrheit der hpd-Leser hier keine Fotos von vergewaltigten Kindern ansehen möchten. Ich möchte keine Fotos von erhängten Menschen sehen. Ich verstehe auch so, dass die Todesstrafe im Allgemeinen und speziell als Urteil für Blasphemie nicht nur grausam, sondern auch rational nicht rechtfertigbar ist.
Fotos von hingerichteten Personen werden übrigens auch gerne von den Tätern veröffentlicht, gerade um Schrecken zu verbreiten und für ihre Sache zu instrumentalieren.

Thomas Reutner (nicht überprüft)

Sa. 10 Aug 2019 - 18:34

Antwort auf von Thomas Reutner (nicht überprüft)

Ich hätte eigentlich irgendeine Art von Reaktion vom Autor oder der Redaktion erwartet. Mein Kommentar wurde veröffentlicht und das Bild vom erhängten Mann ist noch da. Was soll man davon halten? Hallo?

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mi. 7 Aug 2019 - 20:18

Ich hab mich nun schon viele Jahre mit dem Islam beschäftigt und komme immer mehr zu der Ansicht, dass dies eine Religion des Terrors und der Unmenschlichkeit ist…was dieser traurige Fall erneut beweist.

Das widerspricht meinen Erfahrungen. Sie müssen wahrscheinlich ausnahmslos grausame Muslime kennen gelernt haben. Oder Sie orientieren sich ausnahmslos an Berichterstattung, die sofort Islam gleichsetzt mit Regierungsentscheidungen. Das tut dieser Artikel hier übrigens nicht.
Ich habe im Gegenteil die Erfahrung gemacht, dass es "den Islam" gar nicht gibt und dass es so viele verschiedene Meinungen, Konfessionen und Lehrweisen gibt, wie in anderen Religionen auch. Würden Sie in den Iran gehen, würden Sie all die Herzenswärme und Menschlichkeit der Iraner spüren können und hätten einen Eindruck abseits der Medien, die normalerweise über Machthaber schreiben und eben nicht über den Alltag und die kleinen Leute. Wenn schon nicht im Iran, dann vielleicht in Ihrer Stadt: Iraner gibt es überall. Und "den Iraner" gibt's eigentlich auch nicht, auch nicht im Iran selbst. Da gibt es tiefreligiöse Menschen (die übrigens zum allergrößten Teil selbst unzufrieden sind mit der aktuellen Lage), aber auch viele Neutrale. Genau so wenig gibt's natürlich "die Deutschen" usw...

Roland Fakler (nicht überprüft)

Mi. 14 Aug 2019 - 12:13

Antwort auf von Petra Wieler (nicht überprüft)

@Petra Wieler Liebe Frau Wieler, meine harsche Kritik bezieht sich vor allem auf den orthodoxen Scharia - Islam, wie wir ihn derzeit im Iran, Saudi-Arabien, Pakistan, Afghanistan… erleben und auf die geistigen Grundlagen des Islams im Koran, dem Leben Mohammeds, den Hadithen und der Sunna, mit denen ich mich in den letzten Jahren beschäftigt habe. Siehe dazu meine Seite: http://rolandfakler.de/grundgesetz-koran/ Selbstverständlich kenne ich, wie sie, freundliche, sympathische, vertrauenswürdige Muslime, für die diese Kritik nicht gelten kann. Das sind allerdings keine orthodoxen Muslime. Es sind Muslime dem Namen nach, die sich seit Jahren mit der westlichen Kultur befreundet, hier glänzend eingelebt und integriert haben. Ich unterscheide zwischen dem Islam und den Muslimen, vor allem zwischen dem orthodoxen, politischen, Scharia Islam, der alle anderen beherrschen will und liberalen Muslimen, die verzweifelt versuchen dieses „Ungeheuer“ zu zähmen und für die westliche Welt annehmbar zu machen. Das sind z.B. Mouhanad Khorchide; Nekla Kelek; Lale Akün, Abdel-Hakim Ourghi, Seyran Ates…. Der Islam in seiner orthodoxen Form kann hier nicht toleriert werden, sehr wohl aber Muslime, die sich zum Grundgesetz bekennen. Die Dosis macht das Gift!

Motti (nicht überprüft)

Di. 13 Aug 2019 - 13:37

Vielleicht sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen und den Blasphemieparagrafen in unserem eigenen Lande abschaffen. Hier gibt es zwar keine Grausamkeiten aufgrund dieses Gesetzes, dennoch gehört er abgeschafft. Böswillige Kränkung von Menschen wegen ihrer Religion werden durch die gewöhnlichen Beleidigungsgesetze abgedeckt. Wenn sich deutsche Politiker im Ausland für solche Menschen wie Arabi einsetzen sollen, macht es sich nicht gut, wenn auch in unseren Gesetzen Blasphemie bestraft wird.
Das klingt sonst ebenso fragwürdig, als wenn eine CDU Politikerin eine Abwrackprämie für Ölheizungen fordert, während gleichzeitig jede Ölheizung mit bis zu 3000 Euro bezuschusst wird.

Inge Hüsgen

Die Autorin ist die Chefredakteurin des "Skeptiker", der Vierteljahreszeitschrift der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften) sowie Redakteurin beim Humanistischen Pressedienst.

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