Im Jahre 385 rollen die Köpfe. Priscillian, Bischof von Faro (Portugal), ein Christ, wenngleich nicht katholischer Art, und weitere sechs Männer seiner Umgebung werden in Trier öffentlich hingerichtet. Ihr Verbrechen: Sie fordern unter Verweis auf die Briefe des Paulus Ehelosigkeit und Verzicht auf Fleisch und Wein, ein Ende der Sklaverei und die Gleichstellung von Frauen. Das ist zu viel. Gerade ist der Katholizismus zur Staatsreligion erhoben worden, gerade wurde die unsterbliche Wahrheit per Dekret verkündet, und immer noch erheben die Schlangen der Häresie ihre Köpfe.
In dem Buch "Machtkampf. Die Geburt der Staatskirche" von Rolf Bergmeier wird dargelegt, wie sich der Katholizismus vom ursprünglichen Christentum trennt und eine Allianz aus Thron und Altar Mitteleuropa klerikalisiert, enturbanisiert und feudalisiert. Eine Rezension von Hermann Josef Schmidt.
Schülerinnen und Schüler der Berlin-Mariendorfer Ludwig-Heck-Grundschule dürften sich am heutigen Schulbeginn erstaunt die Augen gerieben haben: über die Sommerferien war ihre Schule umbenannt worden. Sie heißt ab sofort Mascha-Kaléko-Grundschule.
Ein junger Historiker – nach eigener Definition "Geschichtenerzähler" – lädt ein, ihn auf einer unterhaltsamen Reise durch die Geschichte (Groß)Britanniens zu begleiten. Von den dunklen Anfängen bis zum Brexit, den er als vorläufigen Höhepunkt einer immer unberechenbar gebliebenen Mentalität "dieses merkwürdigen Inselvolkes" wahrnimmt, wobei er zeigen will, dass es in dessen Geschichte bereits zahlreiche ähnliche Weggabelungen mit wechselhaften Beziehungen zu Europa gab und der Brexit somit auch keine allzugroße Überraschung darstellt.
Wie gelingt es, 2.000 Jahre rückblickend eine überaus vielschichtige historische Persönlichkeit anhand von widersprüchlichem Quellenmaterial, das sich vielfach als erratisch und unvollständig erweist, gut zu erfassen und – soweit es überhaupt möglich ist – historisch getreu abzubilden? Der in New York lehrende "Professor for Classics", James Romm, wählte dazu den Weg, die noch vorhandenen Schriften des Lucius Annaeus Seneca (etwa 1 – 65 n. Chr.) mit zeitgenössischen und posthumen Berichten zu seiner Person zur Deckung zu bringen.
Jesusbücher schaffen es immer wieder in die Bestsellerlisten. Die Figur des umherwandernden und zu Unrecht verfolgten Propheten mit seiner Liebesbotschaft fasziniert bis heute selbst Menschen, die eigentlich nichts mit der angeblich von ihm gegründeten Kirche zu tun haben wollen.
Soeben, wie dem Jahreskalender zu entnehmen ist, haben die sogenannten "Hundstage" begonnen, eine, wie der Volksglaube besagt, "ungute Zeit", in der, paradoxerweise, vielerorts nicht einmal der Kirchgang als zuträglich angesehen wurde.
Am 28. Februar 380 verkündete Kaiser Theodosius den Erlass "Cunctos populos", der im römischen Reich den Katholizismus zur Staatsreligion erhob. Der Historiker Rolf Bergmeier schildert diesen "Sieg des Katholizismus und die Folgen für Europa" (Untertitel des Buches) als epochales Ereignis, das die Welt nicht nur veränderte, sondern auch bis heute prägt.
Über den Prager Frühling 1968 wurde und wird viel geschrieben. Die Fotos von brennenden Panzern und verzweifeltem Protest gingen um die ganze Welt. Die Berichterstattung zum 50. Jahrestag der Niederschlagung des "Prager Frühlings" beschäftigt sich auch heute wieder zum großen Teil mit den Ereignissen in der goldenen Stadt, wie Prag gern genannt wird. Was aber geschah in jenen Tagen an der Grenze zur ČSSR?
Immer wieder wird die Frage diskutiert, ob Gläubige die "besseren Menschen" seien als Ungläubige, also Skeptiker oder Atheisten. Für viele ist der Glaube der Hüter von Moral und Ethik. Ohne Religion wäre die Menschheit verrucht, die Erde ein Ort des Grauens, sind Fromme überzeugt.
Immer wieder berufen sich unsere Politiker auf die christliche Prägung Deutschlands. Tatsache ist: Das Gebiet des heutigen Deutschlands ist zwischen dem 4. und 13. Jahrhundert mit mehr oder weniger Gewalt, durch Verordnungen römischer Kaiser und durch die Eroberungszüge der Franken und Sachsen katholisiert worden. Schon das war ein überaus unchristliches Vorgehen.
Hat die AfD eine Kulturpolitik jenseits des Ressentiments gegen die "linksrotgrünversiffte Mainstreamkultur"? Ja. Und sie muss jedem Sorgen bereiten, dem die Freiheit der Kultur wichtig ist.
Vor 15 Jahren veranstaltete die Thomas-Dehler-Stiftung ein öffentliches Streitgespräch zu "Karl Marx und den Folgen" zwischen dem konservativen Politologen Konrad Löw und dem humanistischen Philosophen Michael Schmidt-Salomon. Zum 200. Geburtstag von Karl Marx dokumentiert der Humanistische Pressedienst einen der Vorträge, die Schmidt-Salomon 2003 in Nürnberg gehalten hat.
Karl Marx ist derzeit in aller Munde – nicht nur in seiner Geburtsstadt Trier, wo sein 200. Geburtstag mit erstaunlichem Pomp gefeiert wird, sondern auch am Amtssitz des Bundespräsidenten, der eine kluge, ausgewogene Rede über Marx hielt. Auffällig ist jedoch, dass bei den vielen Gedenkveranstaltungen dieser Tage ein wesentlicher Aspekt des Marxschen Denkens ausgeblendet wird, nämlich die "Kritik der Religion", die für Marx die "Voraussetzung aller Kritik" war.