Finanzskandal im Bistum Eichstätt: gerichtliche Aufarbeitung

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Blick auf Eichstätt mit Dom
Blick auf Eichstätt mit Dom

Das Bistum Eichstätt hat bei spekulativen Immobiliengeschäften in den USA mehr als 40 Millionen Euro verloren. Wie es dazu kommen konnte und wer dafür die Verantwortung trägt, beschäftigt seit Januar das Landgericht München. Der Fall wirft dabei nicht nur ein Schlaglicht auf mutmaßlich kriminelle Geschäfte, sondern auch auf eine bischöfliche Finanzkultur, die von Intransparenz, Kontrolle durch Unkundige und erstaunlicher Sorglosigkeit geprägt war.

Das Bistum Eichstätt gehört dank hoher Kirchensteuereinnahmen und eines umfangreichen Immobilienbesitzes zu den wohlhabenden Diözesen in Deutschland. Offenbar so wohlhabend, dass man sich auf dem Feld internationaler Finanzspekulationen versuchen wollte. Im Jahr 2018 flossen mehr als 40 Millionen Euro in Immobilienprojekte in den USA, die leider nur unzureichend abgesichert waren. Aufgefallen war der Vorgang erst, als externe Wirtschaftsprüfer bei der Erstellung einer Bilanz fehlende Unterlagen beanstandeten. Dass ein Millionenloch dieser Größenordnung nicht intern entdeckt wurde, sagt bereits viel über die damaligen Zustände im Bistum aus.

Vor dem Landgericht München II müssen sich nun der frühere stellvertretende Finanzdirektor des Bistums, Stefan W., und sein Geschäftspartner Helmut L. verantworten. Ihnen wird Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung sowie Untreue in mehr als 20 Fällen vorgeworfen. Juristisch geht es dabei vor allem um Provisionen in Höhe von rund einer Million Euro, die sich die Angeklagten unrechtmäßig verschafft haben sollen. Der eigentliche Skandal reicht jedoch weit darüber hinaus: Denn zur Debatte steht ein Finanzgebaren, das in einer kirchlichen Institution mit moralischem Führungsanspruch besonders befremdlich wirkt.

Ahnungslosigkeit und Profitgier

Der Prozess wirft deshalb zwangsläufig auch ein schlechtes Licht auf das Bistum selbst. Der inzwischen emeritierte Bischof Gregor Maria Hanke räumte als Zeuge ein, das Netz der Kontrolle sei "zu großmaschig", die Kontrollmechanismen seien "nicht ausreichend vorhanden" gewesen. Das ist höflich formuliert. Tatsächlich offenbart der Fall ein System bischöflicher Verantwortungslosigkeit, Millionenbeträge wurden bewegt, ohne fachkundige Kontrolle sicherzustellen. Hanke betonte, er sei davon ausgegangen, dass seine Mitarbeiter treuhänderisch im Sinne der Diözese handelten. Doch genau diese Mischung aus frommem Vertrauen und organisatorischer Blauäugigkeit gehört zum Kern des Problems.

Besonders entlarvend ist Hankes Eingeständnis, er habe das Aufsichtsgremium ausschließlich mit Geistlichen besetzt, die von komplexen Finanzanlagen wenig oder nichts verstanden. Das klingt nicht nach einem bedauerlichen Versehen, sondern nach einem strukturellen Versagen. Wer ein Millionenvermögen verwaltet, kann sich nicht hinter sakraler Ahnungslosigkeit verstecken. Hinzu kommt, dass der angeklagte stellvertretende Finanzdirektor Stefan W. ein Studienfreund des damaligen Bischofs war. Auch das wirft Fragen auf: über Loyalitäten, über Personalentscheidungen und über das eigentümliche System kirchlicher Selbstrekrutierung, in dem persönliche Bekanntschaft offenbar wichtiger war als Kontrolle und Fachwissen.

Ermittlungen und Verfahren haben sich über Jahre hingezogen. Ein Teil des verlorenen Geldes — knapp die Hälfte — soll inzwischen zurückgeflossen sein. Gleichzeitig entstanden dem Bistum aber weitere erhebliche Kosten in Millionenhöhe für Anwälte, Gerichte und die Aufarbeitung des Skandals. Am Ende zahlen nicht abstrakte Institutionen die Zeche für ein Desaster, das mit mehr Transparenz, Fachkompetenz und Kontrolle womöglich vermeidbar gewesen wäre, sondern Kirchenmitglieder und Steuerzahler.

Der Prozess führt daher über die strafrechtliche Frage der Provisionen hinaus. Er legt offen, wie anfällig kirchliche Machtstrukturen für Intransparenz, Vetternwirtschaft und Verantwortungsdiffusion sind. Und er wirft eine unangenehme Frage auf: Wäre überhaupt Anklage erhoben worden, wenn dieselbe riskante Strategie dem Bistum satte Gewinne eingebracht hätte?

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