Gestern haben Vertreter von Betroffenenverbänden des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Priester eine Petition mit knapp 29.000 Unterschriften an die religionspolitischen Sprecher von vier Bundestagsfraktionen übergeben. Darin wird das Parlament zum Handeln aufgefordert, die Aufarbeitung der Verbrechen sexueller Gewalt nicht länger nur den Verantwortlichen der Kirche zu überlassen.
Nur wenige Wochen nach der Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an zwei prominente Aufklärer des sexuellen Kindesmissbrauchs in der katholischen Kirche wird dieser nun an den Münchner Erzbischof vergeben, den Opferverbände für sein Verhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen kritisieren. Der Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln protestiert in einem Offenen Brief, das Bundespräsidialamt will jedoch an der Ehrung festhalten.
Der Bundespräsident kritisiert die Kirchen für die Vertuschung der Missbrauchsfälle und gut vier Wochen später nimmt er am Ökumenischen Kirchentag teil. Geht das? Eine Aufforderung.
Viele hatten in den letzten Wochen seinen Rücktritt gefordert, nun gibt der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki, der bisher an seinem Bischofsstuhl klebte, nach. Doch damit nicht genug: Für seine Nachfolge deutet sich ein Paukenschlag an.
Seit dem 25. März ist es möglich, neben dem vollständig veröffentlichten Gercke-Gutachten auch auf das frühere Gutachten der Kanzlei Westpfahl–Spilker–Wastl (WSW) mal einen Blick zu werfen. Dies als "Einsichtnahme" (oder gar Veröffentlichung) zu bezeichnen, ist ein reiner Euphemismus. Wir erinnern uns: Kardinal Woelki hatte versprochen, dass nach dem zweiten Gutachten auch das erste eingesehen werden kann. Die Bedingungen jetzt sind allerdings absurd.
Vergangene Woche stellte der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen in seinem Bistum vor. Es war die zweite Untersuchung, die er dazu in Auftrag gab, ein erstes Gutachten hatte er wegen "methodischer Mängel" über Monate zurückgehalten. Nun konnten Betroffene erstmals Einblick in das zuerst erstellte Dokument werfen, einer von ihnen ist Karl Haucke. Der hpd hat mit ihm gesprochen.
Mit ihren Aktionen "Das Kernproblem der katholischen Kirche" und "Die schonungslose Aufarbeitung des Missbrauchsskandals" hat die Giordano-Bruno-Stiftung starke Bilder geliefert, die international Aufmerksamkeit erregten und die Anliegen der Opfer des katholischen Missbrauchsskandals in den Mittelpunkt rückten. Für den hpd schildert Kampagnenleiter David Farago die Hintergründe der aufsehenerregenden Events vor dem Kölner Dom.
Gestern wurde das lang erwartete Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Im Anschluss enthob Kardinal Rainer Maria Woelki zwei Amtsträger mit sofortiger Wirkung ihrer Aufgaben. Den Betroffenen reicht das nicht, ihren Forderungen wird diese Form der Aufarbeitung nicht gerecht.
Nun ist es soweit: In diesem Moment stellt Kardinal Rainer Maria Woelki das zweite Missbrauchsgutachten im Rahmen einer Pressekonferenz vor. Bereits gestern war vor dem Kölner Dom die Skulptur des "Hängemattenbischofs" zu bestaunen.
Anlässlich der Vorstellung des zweiten Gutachtens zum sexuellen Missbrauch im Erzbistum Köln demonstrieren das "Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen" und die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) erneut vor dem Kölner Dom. Mit der Aktion vom 17. bis 19. März soll verhindert werden, dass der öffentliche Druck nachlässt. Außerdem will die gbs "Amtshilfe" leisten, damit die überforderten Kirchenaustrittsstellen ihrer Aufgabe nachkommen können.
Wer in der Kirche sexuellen Missbrauch erlebt hat, erfährt von der Institution kaum Gerechtigkeit. Jetzt muss der Staat eingreifen. Dieser offene Brief von Betroffenen erschien zur Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Februar in der Zeit-Beilage Christ & Welt. Der hpd veröffentlicht ihn im Wortlaut.
Kirchenaustrittstermine seien derzeit "schneller ausgebucht als ein Konzert der Toten Hosen", schrieb der Düsseldorfer Aufklärungsdienst Anfang März in einem offenen Brief an das Amtsgericht Düsseldorf. Nun reagierte das Gericht auf die Kritik der Interessenvertretung religionsfreier Menschen und stellte eine Beschleunigung des Verfahrens in Aussicht.
Der Missbrauch in der katholischen Kirche beschäftigt seit Jahren die Öffentlichkeit. Neben dem Missbrauch selbst ist auch seine Aufarbeitung durch Staat und Kirche skandalös – so die Säkularen Sozialdemokrat*innen auf ihrer Jahrestagung im Februar.
Gestern endete nach drei Tagen die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz und damit auch die Protestaktion gegen deren mangelhafte Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor dem Kölner Dom. Die Aktivisten stießen auf große mediale Resonanz, die Kirche bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung.
Trotz aller Beteuerungen bleibt das Kernproblem der Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche das gleiche: Täter- geht vor Opferschutz, das demonstriert aktuell der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Wie sehr sich die Kirche damit selbst schadet, scheint ihr trotz allem noch immer nicht bewusst zu sein.