Gemäß der Grundthese "Wissen ist mehr wert als Glauben" erläutert der Autor als Ich-Erzähler in sachlich klarer Sprache und mit sehr plausiblen Argumenten, dass es sich bei Gott/Göttern nur um die Erfindung von Menschen handeln kann. Er will sein Buch als "Tabubruch" im positiven Sinn verstanden wissen; als Appell, über "Gut" und "Böse" und über Fragen der Gerechtigkeit - ohne Rückzug auf vermeintlich von Göttern inspirierte "Autoritäten" - kritisch nachzudenken (S 318). Das Gebot, Inhalte zu glauben, sei durch ein Gebot, diese zu hinterfragen und geglaubte Inhalte im Hinblick auf ihren Wahrheits- und Qualitätsgehalt zu analysieren, zu ersetzen.
Der Tierarzt und "Food Watch"-Aktivist Matthias Wolfschmidt macht in seinem Buch "Das Schweine-System. Wie Tiere gequält, Bauern in den Ruin getrieben und Verbraucher getäuscht werden" den im Untertitel stehenden Zusammenhang deutlich. Es handelt sic ein gut lesbares, reportagenartiges Buch, das auf der Basis von Studien die erwähnten Verbindungslinien anschaulich macht und gegen Ende auch Forderungen formuliert und Protestformen skizziert.
Rolf Bergmeier legt in seinem jüngsten Buch keine weitere Karl-Biografie vor, sondern versucht vielmehr, dem Historiker-Mainstream, der den Regenten zum "Vater Europas" hochstilisiert und entsprechend lobhudelt, entgegenzutreten. Zu Recht, meint Hans Trutnau.
Eine Frau weigert sich. Sie tut dies mit wortloser Entschlossenheit. Sie will kein Fleisch mehr essen. Sie magert ab. Ihre pflanzenhafte Sanftheit weckt das Begehren ihres Schwagers, vielleicht auch ihre Rebellion. Er macht sie zu seinem Modell, zum Objekt seiner Kunstphantasie und treibt sie in den Wahnsinn. Der nun auf Deutsch erschienene, bereits verfilmte Roman "Die Vegetarierin" der südkoreanischen Autorin hat tragische Größe.
Die Sozialwissenschaftler Karl-Siegbert Rehberg, Franziska Kunz und Tino Schlinzig haben mit "Pegida. Rechtspopulismus zwischen Fremdenangst und 'Wende'-Enttäuschung" einen Sammelband mit 28 Beiträgen aus sozialwissenschaftlicher Sicht vorgelegt. Angesichts des Umfangs bleiben Widersprüche und Wiederholungen nicht aus, gleichwohl liegt eine informative Darstellung mit qualitativ aber unterschiedlichen Texten vor.
Unter Großstadtjugendlichen gibt es einen Hype: den Veganismus. Ernährung ohne tierische Produkte ist "in". Die Argumente dafür lauten: Gesundheit, Ökologie und Tierwohl. Dabei handelt es sich aber um kein neues Phänomen: Bereits im 19. Jahrhundert gab es Veganer, nur nannten sie sich selbst noch nicht so.
Wer nach dem Titel des Buches eine Kampfschrift erwartet, wird enttäuscht sein, wer dagegen Wissensvermittlung und Aufklärung auf hohem essayistischem Niveau schätzt, kommt auf seine Kosten. Zwei Philosophen beschreiben – humorvoll-salopp, zuweilen auch ironisch - die vielfältigen Verflechtungen von Religion und Kirche mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft seit dem Mittelalter bis heute und analysieren dazu auch gesellschaftliche, geistige und politische Reaktionen, die den Filz von Staat und Kirche sukzessive aufbrechen, bzw. aufzubrechen versuchen.
Nicht wenige behaupten, dass zur Zeit enorm viele Umbrüche in wirtschaftlicher, politischer und sozio-kultureller Hinsicht zu verzeichnen sind. Phänomene wie Globalisierung, demographischer Wandel, technologische Innovationen und daraus resultierende Rationalisierungsprozesse charakterisieren die steigende Komplexität im 21. Jahrhundert. Mit ihrem Buch "We-Q" versucht die Autorin und erfolgreiche Unternehmerin, Nicole Brandes, die Dringlichkeit neuer, innovativer Führungskonzepte für Unternehmen zu unterstreichen.
Martin Klingst, politischer Korrespondent bei der "Zeit", legt mit "Menschenrechte" eine knappe Einführung zum Thema auf gerade mal hundert Seiten vor. Als erster Einstieg ins Thema ist der Band nützlich, leider fehlen ihm Ausführungen zur Philosophie der Menschenrechte im Sinne einer inhaltlichen Herleitung.
Der Journalist und Lehrer Dennis de Lange beschreibt und analysiert in "Die Revolution bist Du! Der Tolstojanismus als soziale Bewegung in den Niederlanden" das im Untertitel genannte Phänomen. Dabei nutzt der Autor sowohl die Bewegungsforschung wie die Geschichtswissenschaft als Methode und kommt zu interessanten Ergebnissen zu einem eher exotischen Thema.
Der Philosoph und Publizist Michael Schmidt-Salomon legt mit "Die Grenzen der Toleranz. Warum wir die offene Gesellschaft verteidigen müssen" einen Kommentar zur aktuellen Islam-Debatte vor, welcher aber auch Grundsatzfragen für eine offene Gesellschaft erörtert. Der Autor nimmt dabei eine differenzierte Position ein und plädiert für eine rational entwickelte Auffassung von Toleranz, womit man es zwar nicht mit einem hochphilosophischen Buch, aber einem beachtenswerten Debattenbeitrag zu tun hat.
Ein ungewöhnliches Buch über den "Fall Brüsewitz" liegt vor. Es ist mit fast 700 Seiten trotz leserunfreundlicher kleiner Schrift auch außerordentlich dick, geschrieben mit einer eigenwilligen Sicht auf die DDR und ihre Kirchengeschichte, entwickelt aus der Mehrseitenbetrachtung der historischen Realität, die akribisch erkundet wird.
Die beiden Sozialwissenschaftler Michael Fischer und Robert Pelzer legen mit "Die Logik des Anschlags. Zur Zielwahl dschihadistischer Terroristen in Europa" auf Basis von Fallstudien und einem Planspielverfahren eine Analyse zum Thema vor. Dabei nehmen sie auch eine für die Präventionsarbeit bedeutsame Perspektive ein, die nicht mehr nach den Gründen für den Gewaltakt an sich, sondern nach dessen konkreter Umsetzung fragt.
Der von dem Soziologen Tino Heim herausgegebene Sammelband "Pegida als Spiegel und Projektionsfläche" enthält Beiträge, die Relationen und Wechselwirkungen von Pegida zu anderen Akteuren und Institutionen untersuchen wollen. Die dabei genutzten Analyseansätze machen den Erkenntniswert des Bandes aus, können sie doch auch auf andere Phänomen wie die AfD angewandt werden; kritikwürdig wird es immer dann, wenn weniger analysiert und mehr ideologisiert wird.
"Verhindere, was nicht zu tolerieren ist; schwäche, was nur zu tolerieren ist und stärke, was zu akzeptieren ist!" Michael Schmidt-Salomon beschreibt – wie immer tiefgründig, knapp und klar -, worauf es im Zeitalter des "Empörialismus", des "Sich-Verschließens", des Neokonservativismus und Neonationalismus ankommt: Auf das Verstehen des Begriffes Toleranz in seinen verschiedenen Aspekten und auf den daraus abzuleitenden Umgang mit Konflikten in sozialen Systemen sowie auch auf die Verteidigung einer - nicht zuletzt auf Toleranz und Akzeptanz beruhenden - offenen Gesellschaft durch Rationalität hin zu Freiheit, Gleichheit, Individualität und Säkularität!