Ein satirisches Interview

Die garantiert nicht autorisierte Biografie von Friedrich Merz

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Friedrich Merz
Friedrich Merz

Friedrich Merz ist erst seit wenigen Monaten am Ziel seiner Träume: Er ist "Endlich Kanzler!" – seit heute liegt seine "endgültige Autobiografie" vor. Und schon jetzt ist klar: Es handelt sich um einen Meilenstein in der Geschichte der Politiker-Autobiografien, auf einer Stufe mit Angela Merkels "Freiheit". Da Merz mit dem Schreiben langer Texte Schwierigkeiten hat, unterstützten ihn die beiden Titanic-Journalisten Fabian Lichter und Sebastian Maschuw sowie der Illustrator Leonard Riegel bei seinem Vorhaben geradezu selbstlos. Wir haben sie interviewt.

hpd: Ihre Kenntnis über und Ihre freundschaftliche Verbundenheit mit Friedrich Merz lässt sich aus jeder Zeile herauslesen. Ganz ehrlich und direkt: Wann begann Ihre Leidenschaft für den Ausnahmepolitiker aus dem Sauerland?

Lichter: Wir haben erkannt, dass Merz der Mann der Stunde ist: Aus irgendeinem Grund hat der Weltgeist ihn mit der Aufgabe betraut, das Land zu einen. Da wollten wir ihm ein wenig unter die Arme greifen. Wie er sich wohl dafür bedanken würde, war dabei übrigens ein zweitrangiger Gedanke. Ob am Ende nun Aktienpakete oder Vorstandsposten für uns rausspringen – da sind wir ganz offen.

Riegel: Als Zeichner und aufmerksamer Beobachter fiel er mir schon wegen seiner Statur früh auf: hochgewachsen, kerzengerade, wie von Giacometti geformt.

Wie haben Sie herausgefunden, dass Friedrich Merz in seiner Jugend ein eifriges Mitglied im heimatlichen Franz-Josef-Strauß-Lesekreis war und dass seine Spindtür bei der Bundeswehr ein Helmut-Kohl-Porträt zierte? Gibt es einen Whistleblower?

Riegel: Wir hatten keinerlei Verbindung in Merz' Heimat. Das Sauerland ist ein abgeschiedener Landstrich, die Menschen sind misstrauisch. Jahrelanges Studium von Lebensart und Brauchtum waren nötig, um uns in die Gesellschaft einzuschleusen. Mehr dürfen wir nicht sagen.

Lichter: Wir haben uns natürlich ausgiebig mit der Lektüre von und über Friedrich Merz beschäftigt. Wo uns die Faktenlage zu dünn oder schlicht zu langweilig war, haben wir allerdings nach bestem Wissen und Gewissen die Phantasie bemüht. Postfaktisch nennt man das heute, glaube ich, und das soll ja gerade sehr im Trend sein.

Maschuw: Der Whistleblower war sein Sohn. Moment. Das kommt aber bitte nicht ins Interview.

Buchcover

Interessant ist auch das eindeutige Bekenntnis zu Charlotte. Sie scheint die einzige Frau gewesen zu sein, die Friedrich Merz je gedatet hat, bevor er ihr "einen Heiratsantrag auf einem Bierdeckel machte". Warum soll man auch weiter suchen, wenn zwei Juristen zusammenpassen "wie Amtsstempel auf Ausbürgerungsurkunde"? Ist Treue für Merz eine Tugend?

Maschuw: Zu 100 Prozent. Und sollte es ihm doch einmal schwer fallen, ist er sicherlich Jurist genug, um zu wissen: Wo keine Klägerin, da keine Richterin.

Faszinierend ist auch der Einblick in das enge Verhältnis zu Angela Merkel: "Ich erinnere mich noch, als sei es gestern gewesen: das erste Mal, dass ich Merkel sah. Ihre Augen absorbierten jeden Glanz im Raum und schluckten das Sonnenlicht, sie roch nach Bratkartoffeln und Wandschimmel. Sie war in einen Blazer in Stasigrau gehüllt und wirkte wie ein Wesen, das gerade aus einer anderen Dimension, aus einem realsozialistischen Paralleluniversum durch irgendeinen fatalen Fehler im Raum-Zeit-Kontinuum, durch irgendein gottverdammtes Wurmloch in unsere Welt gelangt war." – Sie finden viele emphatische Beispiele dieser Politikerfreundschaft. Wie würden Sie diese kurz zusammenfassen?

Riegel: Kennen Sie die Szene aus "Saw", in der der Gefangene sich selbst den Fuß absägen muss, um sich von seinem Peiniger zu befreien? Sie beschreibt das Verhältnis ganz gut. Am Ende des Films werden sie trotzdem noch gute Freunde und telefonieren regelmäßig, wenn ich mich richtig erinnere.

Die deutsche Politik ist ja immer noch begeistert davon, dass es Friedrich Merz – wie angekündigt – gelungen ist, die AfD zu halbieren. Ein brillanter Schachzug! Was ist sein Geheimnis?

Riegel: Klare Kante, schnörkellose Sprache und nicht zuletzt körperliche Überlegenheit. Die Angst unter ParteigenossInnen, dass Merz "Brennnessel macht", sollte er argumentativ nicht überzeugen können, ist groß und hat schon die ein oder andere Abstimmung zu seinen Gunsten entschieden.

Maschuw: Sein Geheimnis? Harte Arbeit, ehrliche Kommunikation, reiche Eltern, Millionen auf dem Konto, Verbindungen zu den mächtigsten Menschen des Planeten und totale Skrupellosigkeit. Kein Wunder also, dass er mit der AfD klar kommt.

Die Leser des Humanistischen Pressedienstes interessieren sich vor allem dafür, wie bibelfest der Katholik Merz ist und wie häufig er in Brilon gar den Kirchgang geschwänzt hat? Oder spielt er nur geschickt auf der Klaviatur des Christentums, um die Wähler zu täuschen?

Riegel: Eins steht fest: Der Kanzler beurteilt die Menschen nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit. Ob Katholik, Protestant, Zwinglianer oder christlicher Syrer – Merz sieht immer nur den Steuerzahler.

Den Bundestag zum Zirkuszelt umzufunktionieren, wäre eine wunderbare Idee, hat doch Friedrich Merz viel Erfahrung als Politikclown. Mit welcher Zirkusnummer könnte er Deutschland begeistern?

Maschuw: Er könnte ja für den Anfang mal solch unmögliche Tricks vorführen wie Carsten Linnemann dazu zu bringen, durch einen brennenden Reifen zu springen oder Jens Spahn ein Jahr lang keine krummen Deals einfädeln zu lassen. Man merkt, dass das Publikum schon etwas müde wird.

Zum Schluss: Was hat Sie als absolute Merz-Kenner dennoch überrascht?

Maschuw: Seine menschliche Seite. Vielleicht war es die wichtigste Seite, die ich je geschrieben habe.

Lichter: Dass wir immer noch keine Einladung ins Adenauerhaus erhalten haben.

Riegel: Ja, das schmerzt. Als Biografen leben wir in diesen Zeiten schließlich hauptsächlich von Sekt-Empfängen und eingetupperten Buffet-Resten.„"

Fabian Lichter, Sebastian Maschuw, Leonard Riegel, Endlich Kanzler!, Berlin 2025, Satyr Verlag, 112 Seiten, 18 Euro (erscheint am 3. September 2025)

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