Humanistentag in Hamburg voller Erfolg

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Christian Lührs, Vorsitzender des Säkularen Forums Hamburg, begrüßte die Teilnehmer.
Eröffnung

Trotz Streiks im Nahverkehr kamen rund 100 Gäste zum dritten Humanistentag in Hamburg zusammen und erlebten ein dichtes Programm mit zwölf Vorträgen und Diskussionen zu aktuellen säkularen Themen. Im Zentrum standen Debatten über Säkularität in der Einwanderungsgesellschaft, religionspolitische Fragen sowie die Forderung nach stärkerer säkularer Ausrichtung der Politik. Für besondere Aufmerksamkeit sorgten die Keynote von Julian Nida-Rümelin zum "Epochenbruch" sowie ein satirischer Abschluss der Pastafari, der den Tag pointiert ausklingen ließ.

Am Samstag fand zum dritten Mal der Humanistentag in Hamburg statt. Mit rund 100 Besuchern trotz des Streiks im öffentlichen Nahverkehr bewerten die Organisatoren den Tag als vollen Erfolg. Um 9:30 Uhr eröffnete Christian Lührs vom gastgebenden Säkularen Forum Hamburg die Veranstaltung in der "Patriotischen Gesellschaft", bei der zwölf Vorträge und Podiumsdiskussionen einen Überblick über aktuelle säkulare und humanistische Themen boten.

Foto: © Ricarda Hinz

Ali Ertan Toprak sprach im großen Reimarus-Saal über Säkularität in der Einwanderungsgesellschaft, während parallel im Kirchhof-Saal über die Frage diskutiert wurde, ob es Religionsunterricht für alle geben sollte oder doch besser Philosophie/Ethik. Anschließend wurde über die säkulare Politik der Parteien links der Mitte (Grüne – Linke – SPD) diskutiert. Die Beschneidung von Jungen aus medizinischer und ethischer Perspektive von Guido Hegazy komplettierte das Programm vor der Mittagspause.

Julian Nida-Rümelin
Julian Nida-Rümelin, Foto: © Sebastian Schnelle

Vor allem der Vortrag Prof. Julian Nida-Rümelins mit dem Thema "Der Epochenbruch: Plädoyer für einen erneuerten, kosmopolitischen Humanismus" bot anschließend reichlich Futter für Diskussionen. In ihm Vertrat der bekannte Philosoph, ehemalige Lehrstuhlinhaber an der LMU München und seit 2022 Gründungsrektor der Humanistischen Hochschule Berlin die These, dass unsere Zeit in einer Reihe mit Epochenbrüchen wie dem Ende des 30-jährigen Krieges, der französischen Revolution oder dem Zusammenbruch der Sowjetunion stehe. Eine entstehende multipolare Weltordnung bräuchte einen erneuerten kosmopolitischen Humanismus, um den Weg in den Dritten Weltkrieg und schwerste Folgen für die Menschheit abzuwenden.

Philipp Möller
Philipp Möller, Foto: © Sebastian Schnelle

Gefolgt wurde die Keynote Nida-Rümelins von Philipp Möller vom Zentralrat der Konfessionsfreien, der die Öffentlichkeit mit Zahlen, Daten und Fakten versorgte, so dass diese von der Politik die säkulare Politik einfordern könne, die längst eine Mehrheit der deutschen Wähler wünscht. Für 81 Prozent der Deutschen besitzt Religion keine oder nur eine geringe Bedeutung – und das sagt nicht der Zentralrat der Konfessionsfreien, sondern die Evangelische Kirche in Deutschland in einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie. In der gleichen Befragung gaben 90 Prozent der Menschen an, keine religiösen Angebote wahrzunehmen. Es folgten noch weitere Fakten zu religiösen Einstellungen in Deutschland – beziehungsweise dem Mangel daran.

Ricarda Hinz
Ricarda Hinz, Foto: © Sebastian Schnelle

Parallel berichteten Eva Creutz und Ricarda Hinz vom Düsseldorfer Aufklärungsdienst (DA!) über 15 Jahre erfolgreichen Aktivismus in Düsseldorf. Insbesondere ihre Kampagne gegen die staatliche Finanzierung des Evangelischen Kirchentages ließ man Revue passieren, was zu großer Erheiterung im Saal führte.

Weitere Vorträge von Carsten Frerk zum Thema der globalen Säkularisierung und Andrée Gerland über die Wirkungsfelder des praktischen Humanismus rundeten das Nachmittagsprogramm ab, an dem es zu den Themenfeldern "Brauchen wir eine öffentlich-rechtliche KI" und "Opfer oder Akteure – wie zeitgemäß sind Religionen oder Weltanschauungen" noch zwei Podiumsdiskussionen gab. Speziell bei letzterer wurde es dann auch noch etwas lauter, als mit Thomas Kärst einem Vertreter der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland vorgeworfen wurde, mit Islamisten gemeinsame Sache zu machen, was dieser von sich wies. Auch die Ausführungen des religionspolitischen Sprechers der Grünen in Hamburg, Michael Gwosdz, stießen beim fast ausschließlich säkular geprägten Publikum auf wenig Gegenliebe.

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion, Foto: © Sebastian Schnelle

Abgeschlossen wurde der Tag dann nicht wie angekündigt mit einer Nudelmesse der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, sondern mit der Aktion "Störtebekers Erben", dem Versuch der Weltrettung durch die Pastafari. Worum es dabei geht erläutert "Rig0_Toni" im Interview:

Aktion "Störtebekers Erben"
Aktion "Störtebekers Erben", Foto: © Sebastian Schnelle

hpd: Wie soll die Weltrettung vonstattengehen?

Rig0_Toni: Wir beantragen die Herausgabe des Erbes von Claus Störtebeker. Mit dem Vermögen, das nach unseren Berechnungen konservativ gerechnet 10,3 Billionen euronesische Dublonen beträgt, können wir zahlreiche dringende Aufgaben zur Weltrettung lösen. Dazu bauen wir auf den Erfahrungen der aktuellen Regierung und des aktuellen Bundestages sowie deren Vorgänger im Umgang mit Staatsleistungen und der Schöpfung von Sondervermögen auf.

Wie wollt ihr belegen, dass ihr die einzigen und wahren Rechtsnachfolger von Störtebeker seid?

Wir sind im Besitz zweier Flaschen, in denen mal Störtebeker-Bier war und die jetzt die unschlagbaren Beweise unseres Anspruches beinhalten:

In der ersten Flasche befindet sich ein Holzspan von der Segeljacht von Claus Störtebeker.

Die zweite Flasche, die ich neben der ersten auf dem Ausläufer des Biervulkans bei der Kapelle "Zur heiligen Nudel" sicherstellen konnte, stellte sich als Flaschenpost heraus, die ein "Certificate of Origin" beinhaltet. Dieses CoO beweist eindeutig, dass die Inhaber des Holzspans berechtigt sind, das Erbe Störtebekers zur Weltrettung zu nutzen. Somit besteht ein materieller und empirischer Beweis, dass wir, die Pastafari Deutschlands, die einzigen und wahren Rechtsnachfolger von Claus Störtebeker sind!

Und was wollt ihr mit dem Geld konkret machen?

Wir retten das Klima, eine unserer ehrenvollen Aufgaben, die für uns im Evangelium ohnehin schon definiert worden sind, indem wir alle fossile Energieerzeugung in Deutschland durch erneuerbare Energien ersetzen, inklusive Speicher, Netzausbau, neue Arten der Erzeugung usw. Wir statten alle Bildungseinrichtungen neu aus und renovieren sie. Alle Menschen in sozialen Berufen werden endlich so bezahlt, wie sie es eigentlich verdienen. Die Staatsverschuldung wird auf Null reduziert. Freibier für alle und neue Nudelsorten erfinden wir auch. Mit dem Rest konkurrieren wir mit "BlackRock", indem wir einen Fond auflegen, mit pastafarisch-ethischer Anlagepolitik. Dieser Fond wird "BlackBeard" heißen.

Wie wollt ihr dieses Anliegen in den Bundestag tragen?

Aufbauend auf der Erfahrung von Katharina der Armen, die sich Gesetzesentwürfe durch Lobbyorganisationen schreiben lässt, bilden wir eine Lobbygruppe, die ihr vorschreibt (sic!), wie ein solcher Gesetzesentwurf für ein zu bildendes Sondervermögen für uns Pastafari durch den Bundestag beschlossen werden kann. Außerdem kann unser Kanzler Fritz seine Erfahrungen nutzen, die er in dem Pilotprojekt zum ersten Sondervermögen noch vor seinem Amtsantritt mit einem eigentlich abgewählten Bundestag und 100 Prozent diametral seinen Wahlversprechen entgegenstehenden Inhalten durchgesetzt hat.

Wie zu sehen ist, nutzen wir also einschlägige Erfahrungen auf allen Ebenen. Fakt ist: Je später das Sondervermögen kommt, desto teurer wird es. Mit Hilfe der Mutter aller Naturwissenschaften, der Mathematik, lässt sich leicht das exponentielle Wachstum des Erbes berechnen. Aktuell jedes Jahr über 300 Milliarden euronesische Dublonen.

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