Mina Ahadi an PI-News

Offener Brief: "Hören Sie auf, mich für Ihre rechtsradikale Hetze zu instrumentalisieren!"

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Die Islamkritikerin Mina Ahadi wendet sich an Familienministerin Katarina Barley

In einer vielbeachteten Stellungnahme kritisierte die Menschenrechtlerin Mina Ahadi die geplante finanzielle Unterstützung von islamistischen Organisationen durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Der rechtsradikale Blog PI-News übernahm den Text in sinnentstellter Form. Mina Ahadi wendet sich daher mit einem offenen Brief an PI-News und erklärt, dass sie sich nicht instrumentalisieren lässt.

Sehr geehrte Damen und Herren von PI-News,

in einem offenen Brief an Familienministerin Katarina Barley habe ich die geplante Förderung eines Workshops kritisiert, der von islamistischen Organisationen veranstaltet wurde. Das Ministerium forderte kurze Zeit später die Absage des Workshops und erklärte, dass die Veranstaltung nicht mehr finanziell unterstützt wird. Ich freue mich sehr über diese Entscheidung des Ministeriums, das damit einen Schritt in die richtige Richtung gegangen ist. Katarina Barley danke ich für ihre Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, politische Entscheidungen zu überdenken.

Leider muss ich mich nun aber erneut zu Wort melden. Denn ohne mein Einverständnis haben Sie meinen offenen Brief auf Ihrem rechtsradikalen Portal PI-News veröffentlicht. Dabei haben Sie den Text an wichtigen Passagen gekürzt, damit er in Ihr wahnhaftes Weltbild passt, das der AfD und der Identitären Bewegung nahesteht. Ich sehe mich daher gezwungen, mich auf diesem Wege davon zu distanzieren und fordere Sie zugleich auf, den sinnentstellten Text von Ihrem Portal zu entfernen.

Rechtsradikale und Islamisten vertreten ein ähnliches Weltbild

Sehen Sie denn nicht, dass Sie ähnliche Positionen wie die Islamisten vertreten? Sie beide reduzieren Menschen auf Gruppenidentitäten, statt Individuen in ihrer Unterschiedlichkeit ernst zu nehmen. Genauso wie bei den ultrakonservativen Islamverbänden zählt bei Ihnen nicht der einzelne, selbstbestimmte Mensch, sondern zuerst das Kollektiv. Sie beide teilen die Welt in "Gut" und "Böse" und vertreten ein ähnliches Kulturverständnis, das die universelle Gültigkeit der Menschenrechte ablehnt. 

Während Sie in der Öffnung der Ehe das Ende des "christlichen Abendlandes" in Deutschland sehen, bewertet die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) den Beschluss des Bundestags als "eine offensichtliche Auflehnung und Ablehnung der göttlichen Gebote". Irritiert es Sie denn nicht, dass Sie und die Islamisten in bemitleidenswerter Rückständigkeit und dem Hass auf die offene Gesellschaft vereint sind?

"Meine Islamkritik richtet sich nicht gegen Menschen"

Ich sage es offen und in aller Deutlichkeit: Hören Sie auf, mich für Ihre rechtsradikale Hetze zu instrumentalisieren! Meine Kritik am politischen Islam richtet sich nicht gegen Menschen, sondern gegen eine Ideologie der Gewalt. Ihre vermeintliche Islamkritik ist dagegen ein Deckmantel, unter dem Sie Ihren Rassismus und Ihre zynischen Abschottungsphantasien verschleiern. 

Um nicht missverstanden zu werden: Humanistische Religionskritik war schon immer eine Voraussetzung für Emanzipation und gesellschaftlichen Fortschritt. Der Islam sollte von dieser Kritik nicht ausgenommen werden. Gerade in sogenannten islamischen Ländern kämpfen Millionen Menschen jeden Tag gegen die Bewegung des politischen Islam, die Scharia und den Kopftuchzwang. 

Die deutsche Politik hat lange Zeit den Fehler begangen, das Thema zu beschönigen und hat mit islamischen Organisationen zusammengearbeitet. Dies stärkt jedoch den problematischen Einfluss dieser Organisationen auf die Gesellschaft und führt zu Spaltung, Hass, Radikalisierung und Gewalt. Daher ist es wichtig, Kritik an dieser islamfreundlichen Politik zu äußern. Doch was Sie und Ihre rechtsradikalen Unterstützer betreiben, ist eine schmutzige Kampagne, die das gesellschaftliche Klima vergiftet. Sie sind ein Teil des Problems und nicht die Antwort. Und ich hoffe sehr, dass nicht allzu viele Menschen auf Ihre Propaganda hereinfallen.


In dem Artikel von PI-News wurde u.a. folgende Passage des offenen Briefes entfernt:

"Ich hoffe und gehe zugleich davon aus, dass Sie keine Veranstaltung der Identitären Bewegung oder der AfD fördern würden, um gegen Rechtsextremismus vorzugehen. Wieso setzen Sie beim islamischen Extremismus andere Maßstäbe an? Noch vor kurzem bewertete die IGS den Beschluss des Bundestages über die 'Ehe für alle' als 'eine offensichtliche Auflehnung und Ablehnung der göttlichen Gebote'. Ich befürworte und unterstütze Ihren persönlichen Einsatz gegen Homophobie in der Öffentlichkeit. 

Doch warum fördern Sie in diesem Fall eine homophobe Institution?"