Das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW) präsentiert sich als wirtschaftspolitisches Forschungsinstitut, entpuppt sich jedoch als Netzwerkplattform für AfD-nahe, neurechte und pro-russische Akteure. Geschäftsführer Christoph Kofner und zahlreiche Gastforscher pflegen Verbindungen nach Osteuropa und Russland, loben Rechtsverschiebungen in der Region und verbreiten ideologische Narrative der Neuen Rechten.
Der hpd hat unlängst über den wirren Blogbeitrag von Hans-Thomas Tillschneider (AfD) bezüglich einer deutschen christlichen Orthodoxie berichtet. Was dabei nicht weiter zur Sprache gekommen war, war die Plattform, auf der sein Text in der Rubrik "Nation & Identität" veröffentlicht wurde: das Institut für konservative Wirtschaftspolitik (IKW). Im September 2025 gegründet und beim Amtsgericht München als Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) eingetragen, wird das Institut vom Geschäftsführer Christopher Kofner geleitet. Der Politiker – Jurij Christopher Kofner, wie er mit vollem Namen heißt – mit deutsch-russischen Wurzeln ist studierter Volkswirtschaftler und arbeitet in der AfD-Landtagsfraktion Bayern als Fachreferent für Wirtschaft, Energie und Digitales; zudem ist er Sprecher des Fachausschusses für Finanzen und Steuern der AfD Bayern.
Nach Berichten des Bayerischen Rundfunks wurde ihm 2024 die Einreise in die USA verweigert und FBI und Grenzschutz befragten ihn bezüglich einer möglichen systematischen russischen Einflussnahme auf die AfD. Ebenso fragte man ihn, welche Kontakte er als Russlanddeutscher in den Kreml habe.
Affinität gegenüber Osteuropa und Russland
Die Russland- beziehungsweise Osteuropa-Affinität ist dabei etwas, das sich beim IKW durchzuziehen scheint. So wird auch Oliver Kempkens als "Gastforscher" aufgeführt, der als Manager der russischen Sberbank aktiv war und auf YouTube pro-russische Narrative verbreitet. Auch im bereits erwähnten Beitrag von Hans-Thomas Tillschneider findet sich diese Affinität, wenn er schreibt:
"Dies betrifft nicht nur die Kirchen, sondern auch ihre Völker. Die Bulgaren, die Serben, die Rumänen, die Georgier, die Russen und die Weißrussen, sie alle sind anders als die Völker des Westens frei von Einflüssen des Regenbogenkults. Wenn sich der Regenbogenkult in diesen Ländern zeigt, dann wird er aus dem Westen finanziert und trifft auf massiven Widerstand. Man sagt, der Fisch stinkt vom Kopfe her. Unser Europa aber stinkt vom Westen her."
Und auch Kofner selbst pflegt diese Affinität, wenn er etwa positiv über die Politik der Visegrad-Gruppe Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn berichtet und deren "Rechtsverschiebung" begrüßt oder sich in einer Rede positiv auf das "Vorbild Viktor Orbáns" bezieht. Auch der belgische "Gastforscher" Prof. David Engels besitzt diese Affinität. Laut seinem Autorenprofil bei der traditionalistisch-katholischen Zeitung Die Tagespost arbeitet er seit 2018 als Forschungsprofessor am Instytut Zachodni in Polen und lehrt an der Akademie von Gorzów Wielkopolski.
Neben der Russland- und Osteuropa-Affinität finden sich unter den "Gastforschern" ehemalige und aktive AfD-Politiker (z.B. Gunnar Beck, Hans-Joachim Berg oder Thomas Hartung) sowie Personen aus dem sogenannten Vorfeld der AfD, die zum Teil der Neuen Rechten und dem Milieu um das inzwischen aufgelöste Institut für Staatspolitik (IfS) zugeordnet werden können. Zum einen ist da der bereits erwähnte Prof. David Engels, den der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber als "Akteur der der gegenwärtigen Neuen Rechten" einstuft und folgendermaßen einordnet: "Deutlich wird indessen, dass es ihm nicht nur um eine Kritik an angeblichen oder tatsächlichen kulturellen und politischen Niedergangstendenzen geht. Er will längerfristig die bestehenden demokratischen Strukturen überwinden."1 Engels ist auch Mitgründer der Oswald Spengler Society.
Ebenfalls als "Gastforscher" tätig ist der Mitgründer der Jugendzeitschrift Blaue Narzisse, Felix Mendel, der über seine Arbeit sagt: "Wir haben gesät, was die AfD heute ernten kann." Mendel blickt auf eine Vergangenheit bei verschiedenen Burschenschaften und im Umfeld der Identitären Bewegung zurück. Ein weiterer "Gastforscher" ist der Chefredakteur der Zeitschrift Krautzone, Florian Müller. Die Krautzone bedient ebenfalls ein rechtes Publikum und Topoi der Neuen Rechten, wie die Verehrung von Ernst Jünger und anderen "Klassikern" der Neuen Rechten. Außerdem gibt es auch dort Überschneidungen mit dem Milieu um das IfS, zum Beispiel schreibt der Antaios-Autor Aron Pielka unter seinem YouTube-Pseudonym Shlomo Finkelstein für die Krautzone. Auch Geschäftsführer Kofner scheut die Nähe zu Antaios-Verlag und Neuer Rechter nicht, wenn er in einem Artikel Martin Sellner, den ehemaligen Kopf der Identitären Bewegung, zustimmend zitiert oder unter explizitem Bezug auf Renaud Camus' Buch "Le Grand Remplacement" "die angebliche 'Verschwörungstheorie' der Ersetzungsmigration und des Großen Austausches zu einer empirischen Tatsache" erklärt.
Eine weitere pikante Personalie ist der Bundesschatzmeister der Hayek-Gesellschaft, Hendrik Hagedorn, der offenbar ebenfalls keine Berührungsängste mit dem Umfeld der Neuen Rechten hat und 2025 beim Sommerfest des offiziell nicht mehr bestehenden IfS in Schnellroda gesehen wurde. Eine letzte Personalie, die hier erwähnt werden soll, ist Konstantin Schink, besser bekannt unter seinem YouTube-Pseudonym "Agitator der sozialen Marktwirtschaft". Dieser bezeichnet sich selbst als "parteipolitisch heimatlosen Linken", der angeblich die AfD nicht unterstützt, aber der Meinung ist, dass die "AfD eindeutig die Partei [ist], die sich, was Migration, Meinungsfreiheit, Außenpolitik und Kulturpolitik angeht, am deutlichsten gegen die falsche Richtung stellt, in die Deutschland in diesen Bereichen steuert." Innerhalb der AfD sieht er seine Positionen anscheinend am ehesten bei Björn Höcke verwirklicht, mit dem er ein Selfie auf X postete, das ihn nicht nur zusammen mit Höcke, sondern auch mit dem Reporter des Compact-Magazins Dominik Maximilian Reichert zeigt, den er unter dem Stichwort "Apologeten der Querfront" in dem Tweet nur halb ironisch markiert. Oder wie Schink es bezeichnet: "der sozialpatriotische Flügel, der in Ostdeutschland glücklicherweise den Ton angibt."
Mit Schink schließt sich auch wieder der Kreis zur Eingangs angesprochenen Russland-Affinität, da Schink inzwischen auch für InfraRot Medien aktiv ist. Verantwortlich im Sinne des Presserechts zeichnet für InfraRot Medien Ivan Rodionov, der ehemalige Chefredakteur vom inzwischen verbotenen Sender RT DE. RT DE, ehemals Russia Today, vermittelte eine pro-russische, Kreml-nahe Sicht auf die Welt und auf Ereignisse in Deutschland. Schink verbreitete seine Ansichten unter anderem auch in einem Interview im Freilich-Magazin, das im Rechtsextremismus-Bericht des Österreichischen Bundesministeriums der Justiz unter "Rechtsextreme Publizistik" geführt wird und der neurechten Szene zugerechnet wird. Bereits 2024 berichtete Der Standard über Propaganda-Verdacht zugunsten Russlands bei Freilich.
"Gastforscher" ohne wirtschaftspolitische Expertise
Interessant ist, dass viele der als "Gastforscher" bezeichneten "Experten" überhaupt keine wirtschaftspolitische Expertise mitbringen, was für ein "Institut für Wirtschaftspolitik" zumindest seltsam ist. So ist David Engels Althistoriker, Thomas Hartung Journalist und der Chefredakteur der Krautzone, Florian Müller, hat gemäß seinem Autorenprofil dort "diverse Geschwätzwissenschaften" studiert. Auch vom Gründer der Jugendzeitschrift Blaue Narzisse, Felix Mendel, sind keine besonderen wirtschaftspolitischen Fachkenntnisse bekannt. Im "Informationsdienst" genannten Newsletter 12.2025 ist in Bezug auf den "Expertenpool" die Rede von "bereits renommierten Persönlichkeiten", was die Nennung des YouTubers und Studenten Konstantin Schink fragwürdig erscheinen lässt.
Man könnte versucht sein zu vermuten, dass es hier weniger darum geht, der AfD wirtschaftspolitische Kenntnisse zu vermitteln, als Personen und Medien aus dem publizistischen Vorfeld der AfD quer zu subventionieren. Inwieweit dies auch mit Mitteln aus Russland passiert muss Spekulation bleiben, aber schon 2015 berichtete tagesschau.de über die guten Moskau-Kontakte des IKW-Geschäftsführers, damals noch als Chef des Zentrums für Kontinentale Zusammenarbeit (ZKZ). Seinerzeit war offiziell als Partner gelistet: der Russische Rat für internationale Angelegenheiten (RIA), in dessen Kuratorium Russlands Außenminister Sergej Lawrow saß.
Transparenzhinweis: Der Autor war selbst schon zu Gast im YouTube Kanal "Agitator der sozialen Marktwirtschaft" von Konstantin Schink.
1 Pfahl-Traughber, Armin: Intellektuelle Rechtsextremisten. Das Gefahrenpotenzial der Neuen Rechten. Dietz 2022, S. 67







2 Kommentare
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Kommentare
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Intellektuelle Rechtsextremisten ist m.E.
Demokratie-Müde sollten sich genau erkundigen wie es in Russland zugeht.
Unsere Demokratie ist zwar nicht die allerbeste Regierungsform aber besser als Russische
Autokratie allemal.
Bernie am Permanenter Link
Danke für die hilfreiche Analyse von der mir nur eines bitter aufstieß zumal ich selbst, durch Heirat meiner Nichte, nun sehr nette russlanddeutsche Verwandte habe:
"[...]Der Politiker – Jurij Christopher Kofner, wie er mit vollem Namen heißt – mit deutsch-russischen Wurzeln .... [...]"
Ironisch angemerkt ist nett, dass der Artikelschreiber das extra betont, aber nicht jeder "Russlanddeutsche" ist für Putins Russland.
Außerdem muss man den Begriff wohl besser definieren lernen, denn eigentlich gibt es, wie jetzt in meiner Verwandtschaft Deutsche mit ukrainischen und kasachischen Wurzeln.
Nichts für ungut, aber man sollte nicht alle Emigranten, auch aus Russland selber, mit Putins Russland in einen Topf werfen, denn ansonsten sieht es für mich persönlich denn doch arg nach "Sippenhaft" aus.
Diese Zeiten sollten wir doch eigentlich seit 84 Jahren überwunden haben, zumal die "Russlanddeutschen" - wie bereits erwähnt, auch nicht gerade schöne Erlebnisse mit Stalins Russland gemacht habe, und sich daher kaum mit Putin solidarisch zeigen dürften.
Ansonsten vielen Dank für die hilfreiche Analyse über die AfD und deren vermutliche putinsche "Russlandnähe".
Die AfD, ich wies bereits darauf hin, ist für mich als neoliberal-marktradikale Partei ebenso wenig wählbar wie alle anderen neoliberalen Parteien im Berliner Bundestag, und außerhalb des Bundestages, als da wären Grüne, CDU/CSU, AFD, SPD, FDP, und leider auch Teile der Linkspartei, wo die mitregieren.
Gruß
Bernie