Die katholische Kirche setzt künftig verstärkt auf Künstliche Intelligenz: ein "Generativer Beicht-Transformer" soll das Beichten in Zeiten des Priestermangels einfacher und bequemer machen. Auch die evangelische Kirche ist interessiert.
An Künstlicher Intelligenz kommt niemand vorbei: Seitdem das kalifornische Unternehmen OpenAI im November 2022 ChatGPT auf den Markt brachte, erobern KI-Anwendungen immer neue Lebensbereiche. Auch der Religionsmarkt kann sich nicht dauerhaft dieser Entwicklung entziehen. Wie weite Teile der Wirtschaft leiden auch die Kirchen unter Fachkräftemangel und einer älter werdenden Klientel. Kirchenschließungen und damit verbundene längere Wege für die Gläubigen verschärfen die Lage. Künstliche Intelligenz soll nun zumindest die Versorgung mit einem der wichtigsten Sakramente sicherstellen. "Wir führen ab sofort für alle unsere Mitglieder eine Beicht-App ein", erklärte ein Sprecher des Papstes heute Morgen bei Radio Vatikan. Der Kern der App ist eine auf Beichten spezialisierte Künstliche Intelligenz und technologisch an die aktuelle KI-Architektur angelehnt: Der "Generative Beicht-Transformer" ChatGCT (englisch: Generative Confession Transformer, GCT) steht für alle Smartphones mit den Betriebssystemen iOS (Apple) und Android zur Verfügung. Eine Web-Version soll bald folgen. "Die App wurde vom Heiligen Vater gesegnet und ist damit autorisiert, das Sakrament der Beichte durch Lossprechung von den Sünden zu erteilen."
Startet man die App, erscheint wie bei ChatGPT, Gemini oder Claude eine Aufforderung zum Dialog. Doch statt einem munteren "Was geht dir heute durch den Kopf?", "Wo sollen wir anfangen?" oder "Sag mir, wenn du so weit bist", kommt ChatGCT gleich zur Sache: "Welche Sünden hast du begangen?".
Gibt man eine Sünde wie "Ich habe das Opfergeld gestohlen und es den Armen gegeben" ein, erscheint nach wenigen Sekunden eine angemessene Bußaufforderung wie das Beten von 23 Ave Maria oder die Verpflichtung zu einer Pilgerfahrt nach Lourdes. Alternativ kann man auch einen festgesetzten Betrag spenden, wobei die Kirche sowohl mit PayPal als auch dem europäischen Zahlungsanbieter Wero kooperiert.
Wem keine passende Sünde einfällt, der kann sich durch Bedienen eines Buttons unter der Eingabeleiste gängige Vergehen wie Völlerei, Prahlsucht oder Masturbation mit abgeschnittenen Mädchenzöpfen1 vorschlagen lassen.
Die Nutzung der App ist anonym, ein aufwendig von katholischen Informatikern entwickelter Verschlüsselungsalgorithmus sichert das Beichtgeheimnis. Die Anmeldung geht schnell und unkompliziert: Der Gläubige muss nur seine Taufgemeinde und eine E-Mail-Adresse eingeben, schon kann es losgehen. Die Beichte ist in über 100 Sprachen möglich.
Auch die evangelische Kirche denkt darüber nach, ChatGCT zu lizenzieren und in einer leicht abgewandelten Version auf den Markt zu bringen. Zwar habe man, sagte ein Sprecher der Evangelischen Kirche in Deutschland, kein mit der katholischen Konkurrenz vergleichbares Angebot, und Pfarrer dürften auch keine Sünden vergeben und Bußpflichten auferlegen, aber die Aufforderung "Sei betroffen" würde unter Protestanten auf große Akzeptanz stoßen. Zudem sei die integrierte Spendenfunktion attraktiv.
Unsere aufmerksamen Leser:innen haben es bemerkt: Die Meldung über die Beicht-KI war ein Aprilscherz. Eine katholische KI gibt es allerdings wirklich.
1 Zur Erläuterung sei an dieser Stelle auf Karlheinz Deschner verwiesen.







13 Kommentare
Kommentar hinzufügen
Netiquette für Kommentare
Die Redaktion behält sich das Recht vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen und über die Freischaltung zu entscheiden.
Kommentare
Thea Wagner am Permanenter Link
doofer Aprilscherz –
sage ich nach der intro: den "Artikel" lese ich nicht
Bernie am Permanenter Link
Hi,hi...April, april *grins*
Übrigens ich hätte da auch einen Tipp für's beichten....immer das Allerschlimmste beichten....und zum Abschluß der Beichte im Beichtstuhl den Satz "Ich habe gelogen!"..... *grins*
Amüsierte Grüße
Bernie
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Einfach nur widerlich!!!
Kevin am Permanenter Link
Mir wurde zugetragen, dass eine weitere App geplant ist, die das Beten von Ave-Marias, Vater-Unsern und Rosenkränzen übernimmt, so dass die Gläubigen sich damit nicht mehr belasten müssen und mehr Freizeit haben.
Seb am Permanenter Link
Schon Douglas Adams kannte den "electrical monk" :)
Paul München am Permanenter Link
Gebetsmühlen in modernisierter Form. Der Buddhismus lässt grüßen!
WOLF STEINBERGER am Permanenter Link
Aprilscherz?
Paul München am Permanenter Link
Fehlt noch das Beichtbildchen, das in der Osterzeit als Nachweis der abgelegten Beichte übergeben wird. Da könnte man eine Email bekommen und den Anhang ausdrucken.
Horst Schlangen am Permanenter Link
Wenn der Bericht nicht am 1. April erschienen wäre, könnte man es fast für bare Münze nehmen...
Gerhard Baierlein am Permanenter Link
Den Pfaffen ist alles zuzutrauen, vielleicht hat dieser Aprilscherz diesen eine Idee vermittelt.
J. Wolf am Permanenter Link
...hätte es *fast* geglaubt, aber der von katholischen Informatikern entwickelte Verschlüsselungsalgorithmus war etwas zu dick aufgetragen ;-)))))))))
Der8teZwerg am Permanenter Link
April April! :-)
David am Permanenter Link
Doch kein Aprilscherz?