BERLIN. (hpd) Nach Berichten des christlichen Medienunternehmens Christian Today hat eine atheistische Werbekampagne in Dänemark zu zahlreichen Kirchenaustritten geführt.
Staat und Kirche sind in Dänemark eng miteinander verwoben. Für die Verwaltung der evangelisch lutherischen Staatskirche, die sich selbst als Volkskirche (Folkekirken) bezeichnet, gibt es sogar ein staatliches Kirchenministerium.
Obwohl die dänische Staatskirche im ersten Quartal 2016 4,4 Millionen Mitglieder hatte, was 76,9 Prozent der Bevölkerung entspricht, schwindet ihr Rückhalt bei den Dänen massiv. Lediglich 2,4 Prozent der Kirchenmitglieder nehmen laut Christian Today an den wöchentlichen Gottesdiensten teil. Studien des Meinungsforschungsinstituts Gallup aus den Jahren 2008 und 2015 zeigen ferner, dass nur 18 Prozent der dänischen Bevölkerung Religion als wichtigen Teil ihres täglichen Lebens betrachten und sich 52 Prozent entweder als Atheisten oder als nicht religiös verstehen.
In Anbetracht der deutlich fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft kritisiert die dänische Atheisten-Vereinigung Ateistisk Selskab die Nähe zwischen Staat und Kirche und setzt sich für eine vollständige Trennung der beiden ein.
Mit Werbeplakaten auf Bussen zum Thema Kirchenaustritt sowie der Webseite udmeldelse.dk, die Informationen und konkrete Hilfestellungen rund um den Kirchenaustritt bietet, hat Ateistisk Selskab im vergangenen Monat für eine Kirchenaustrittswelle in Dänemark gesorgt. Mit der Kampagne wollten die dänischen Atheisten vor allem jene Menschen ansprechen, die bereits lange über einen Kirchenaustritt nachgedacht haben, bisher jedoch den damit verbundenen Aufwand gescheut hätten, sagte Anders Stjernholm von Ateistisk Selskab der dänischen Zeitung Kristeligt Dagblad.
Rund 3000 Kirchenaustritte wurden über udmeldelse.dk im vergangenen Monat vermittelt und damit in nur einem Monat bereits rund ein Drittel der Gesamtaustrittszahl des Vorjahres erreicht. 2015 hatten insgesamt 9.979 Mitglieder die dänische Volkskirche verlassen. Ateistik Selskab erreichte mit der Kampagne hauptsächlich Männer zwischen 18 und 25 Jahren.
5 Kommentare
Kommentare
Wolfgang am Permanenter Link
Bei Kirchenaustritten wird immer wieder erwähnt, das sei der Untergang. Dabei dreht sich die Sonne immer wieder weiter.
Olaf Sander am Permanenter Link
Die Kampagne war sehr erfolgreich in Kopenhagen und wird jetzt in Århus, der zweitgrößten Stadt Dänemarks, weitergeführt (leider nur auf drei Bussen...).
Auf den Bussen werden drei wesentliche Fragen gestellt:
Hvorfor tro på en gud? = Weshalb an einen Gott glauben?
Hvorfor koster tro noget? = Warum kostet Glauben etwas?
Talte Jesus og Mohammed med en gud? = Redeten Jesus und Mohammed mit einem Gott?
Könnte ich besser Dänisch und hätte ich mehr Kenntnis über die religiöse Materie, würde ich Herrn Kammermeiers (& Mitautoren) Buch "Von den Juden und ihren Lügen" übersetzen. Im überwiegend protestantischen Dänemark wird Luther nämlich mächtig verehrt. Das müsste mal geändert werden... ;o)
Dr. Emmerich Lakatha am Permanenter Link
Kirchenaustritte haben zwei gute Seiten: Sie befreien die Ausgetretenen von einer untragbaren Last und sie zeigen den Kirchen, wie sehr sie am Holzweg sind. Ob Letzteres etwas nützt, ist zu bezweifeln.
Horst Herrmann am Permanenter Link
Ein bescheidener Hinweis: Wie ich höre, hat Richard Dawkins ein musikalisches Lieblingsstück: Es ist Bach (!), die Matthäuspassion (!), die Arie "Mache dich, mein Herze, rein..." (!)).
Guido W. Reichert am Permanenter Link
Hm, gerade Dawkins wird ja "tumber Atheismus" vorgeworfen - ich würde bezweifeln, dass Kritiker sich durch die musikalische Präferenz Richard Dawkins beschwichtigen ließen.
Als "weltlich-naturalistischer" (dies bezeichnet mich m.E. weit besser als das aus der Negierung einer Illusion erklärte Wort "Atheist") Mensch liebe ich wohl Bach, doch genieße ich schöne Werke der Romantik oder Klassik, gerade wenn sie nicht als Auftragswerke von Kirchenfürsten enstanden sind oder aus der Feder eines Berufskirchenmusikers stammen: Chopin wäre ein schönes Beispiel für nicht-tumbe Weltlichkeit?