Fidschi: Ein Refugium für pädophile Priester?

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Der Missbrauch in der katholischen Kirche ist allgegenwärtig: Auch im vermeintlichen Südsee-Paradies.
Missbrauch auch im Paradies.

Mit einer Drohung gegen Unbekannt reagiert die katholische Kirche in Fidschi auf Missbrauchsvorwürfe gegenüber Priestern, Lehrern und Ordensbrüdern. Peter Loy Chong, der als Erzbischof von Suva das höchste katholische Kirchenamt des Inselstaats innehat, kündige an, derartige Beschuldigungen würden innerhalb der Kirche verfolgt und der Polizei mitgeteilt.

Es ist fraglich, ob der Appell des Erzbischofs in der Bevölkerung Gehör findet. Noch haben die Zeugen keine Namen genannt, und aus vielen Teilen der Welt ist bekannt, dass Scham und Schweigen der Opfer die Aufklärung von Missbrauchsfällen erschweren. Doch Kritiker weisen darauf hin, dass in Fidschi Priester tätig waren, die man nach Missbrauchsvorwürfen kurzerhand von ihrer alten Wirkungsstätte auf den Inselstaat versetzt hatte, statt den Beschuldigungen nachzugehen.

Publik wurden die aktuellen Anschuldigungen durch einen Beitrag des neuseeländischen Fernsehsenders TV1. Die Journalistin Barbara Deaver spricht darin von Jahrzehnten voller Missbrauch, Täuschung und Vertuschung.

Weiter berichtet ein Mann, er habe als Schüler der Marist Brothers Primary School in der Hauptstadt Suva seit dem siebten Lebensjahr sexuelle Belästigung erlebt, die über Jahre andauerte. Der Zeuge schildert, dass sich die Gottesmänner auf die separate Krankenstation zu den Kindern geschlichen oder sie mit begehrten Delikatessen wie Orangen und Süßigkeiten in ihre Räume gelockt hätten.

Allerdings ist er weder im Bild zu erkennen noch wird sein Name genannt. Der Beitrag erwähnt jedoch, dass weitere Männer den JournalistInnen von Missbrauch und sogar Vergewaltigungen durch die Kirchenmänner berichtet hätten. Aus Scham wollten sie nicht einmal anonymisiert vor die Kamera treten, erklärt Barbara Dreaver.

Die Hemmschwelle, ein Fehlverhalten bei Kirchenmännern zu kritisieren, liegt hoch in Fidschi, wie auch der Zeuge vor der Kamera erklärt. Weil Ordensbrüder und Priester als "Botschafter Gottes" hohes Ansehen genießen, habe der Junge seinen Eltern nichts von den Übergriffen erzählt. "So ging es immer weiter und wir nahmen es hin, als wäre es normal", sagt er rückblickend, voller Resignation.

Vor diesem Hintergrund ist es nur verständlich, dass der Zeuge keine konkreten Personen als Täter benennt. Für eine Aufklärung der Vorwürfe stellt dies jedoch ein echtes Problem dar. Derweil versichert Erzbischof Chong, dass ihm seit seinem Amtsantritt 2013 keine Missbrauchsvorwürfe im Erzbistum zu Ohren gekommen seien.

Dennoch sieht sich die Kirchenleitung mit schweren, substanziellen Vorwürfen konfrontiert. Laut Dr. Murray Heasley von der Betroffenen-Initiative Network of Survivors in Faith-Based Institutions sei es gängige Praxis gewesen, mutmaßliche Missbrauchstäter in ihren Reihen aus Australien und Neuseeland nach Fidschi zu versetzen. Aus genau diesen Ländern sollen auch die Peiniger der Befragten in Dreavers Fernsehbericht stammen.

Hierzu verweist Heasley auf den Fall eines australischen Priesters namens Julian Fox, der 1999 eine Stelle in dem Inselstaat antrat, nachdem die australische Polizei Ermittlungen gegen ihn wegen Kindesmissbrauchs an einer Schule in Melbourne aufgenommen hatte. Die Kirche soll bereits neun Jahre vor der Anklage von den Vorwürfen gewusst haben. Fox blieb in Fidschi, bis er 2003 nach Rom ging, wo er bis 2013 blieb. Erst 2015 verurteilte ihn ein Gericht in Australien zu zwei Jahren und acht Monaten Haft.

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