"National Prayer Breakfast": Religionspropaganda des Präsidenten dreht frei

Trump auf dem Trampolin

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Gottes Wille? Schon auf einer etwas älteren US-Gedenkmünze findet sich ein gut erkennbares Trump-Doppelporträt

Für seine Religionspropaganda benutzt er sogar ein krankes neunjähriges Mädchen: Donald Trump hat zum "National Prayer Breakfast" geladen.

Wenn man eine Machtposition innehat und sich auf einen Gott beruft, kann man im Prinzip reden, was man will. Man hat immer Recht. Niemand wird aufstehen und widersprechen. Man kann der übelste, ungebildetste Horrorclown der Welt sein, man kann auf Sinn, Verstand und Toleranzideen verbal herumhüpfen wie ein Dreijähriger auf dem Trampolin, ganz egal. Sie lassen dich reden. Das einzige Interessante ist dabei vielleicht, wie offen sich die Stumpfheit hier beobachten lässt, da niemand ihr Einhalt gebietet.

Donald Trump hat gerade sein zweites "National Prayer Breakfast" als US-Präsident absolviert, und er hat es für religiöse Propaganda der dümmlichsten Sorte genutzt, ebenjene Sorte, die den Leichtgläubigen so gut reingeht, ebenjene Propaganda, die den Thron der Mächtigen mit reichlich Nebel umhüllt. Wo Präsident Obama, selbst gläubiger Christ, noch darauf geachtet hat, der Diversität des Glaubens und Nichtglaubens in seinem großen Land gerecht zu werden, waren Trumps Statements eine Absage an alle anderen Religionsversionen als die seine und die seiner eifrigsten Supporter. "Unsere Rechte werden uns nicht von Menschen gegeben", sagte Trump, "unsere Rechte werden uns von unserem Schöpfer gegeben." Bewusst oder unbewusst hat er damit eine drängende Frage formuliert: Inwieweit sind Demokratie und abrahamitischer, patriarchaler Monotheismus überhaupt zu vereinbaren? Trump selbst scheint sich jedenfalls eher bei den Mullahs im Iran zu verorten oder bei den Feudalherrschern des 18. Jahrhunderts als bei den Gründervätern der Vereinigten Staaten, die das Primat einer bestimmten Religion in ihrem Land aus guten Gründen ablehnten. Weshalb Gott auch in der Verfassung der USA keine Erwähnung findet.

Dann muss man ihn eben anderswo suchen, um die eigene präsidiale Position zu erhöhen. Trump bezieht sich also auf die Unabhängigkeitserklärung, aus der sich Gott herauspicken lässt, und er nimmt in einem uramerikanischen Move Bezug auf die eigene Währung: "In God we trust", steht ja auf den Dollars, und so wie Trump es darstellt, klingt es so, als hätte Gott selber diesen Schriftzug dorthin gezaubert. Tatsächlich allerdings waren es die Republikaner, die diese Beschriftung erst in den 50er-Jahren durchgesetzt haben – ein politischer Schachzug im ewigen Ringen des ach so christlichen Westens mit dem als atheistisch gedachten Ostblock.

Dass Trump vor nichts zurückschreckt, vor keiner abgenudelten PR-Idee, und nicht vor dem Ausnutzen von Kindern, zeigte sein Verweis auf eine anwesende Neunjährige, Sophia Campa-Peters, die an einer seltenen Krankheit leidet und sich kürzlich einer gefährlichen Hirnoperation unterziehen musste. Warum sie es gut überstanden hat? In Trumps Rhetorik kommt da keine Idee von einer Gesundheitsversorgung auf, von Forschung, oder von gut ausgebildeten medizinischen Experten, die ihr Handwerk verstehen, nein: Sophia hat überlebt und kann herumlaufen – weil so viele Menschen für sie gebetet haben.

Mädchen mit schweren Schicksalen, sie sind das Abgeschmackteste, was Polit-PR sich ausdenken kann, und vielleicht deswegen werden sie immer wieder gerne genommen. Etwa erfand eine Werbeagentur 1990 die so genannte Brutkastenlüge: Irakische Soldaten hätten bei der Invasion Kuwaits Säuglinge aus den Brutkästen gerissen und auf dem Boden sterben lassen. Für diese Geschichte stand im US-Kongress, unter Tränen, eine 15-jährige Irakerin ein, die das Ganze als Krankenschwester mit angesehen habe. Später stellte sich heraus, die Geschichte war frei erfunden und das Mädchen eine Tochter des irakischen Botschafters in den USA. Als das rauskam, war der US-Krieg gegen den Irak allerdings längst gestartet.

Trump schert das nicht. Ihn schert nicht, dass er hier ein Kind mit ungewissem Schicksal für seinen Machterhalt ausbeutet, ihn schert auch nicht die Realität seines Landes, in der Mitglieder vieler Religionen leben und auch die Zahl der Glaubensfreien rasant anwächst. Er kennt nur eins, so wie die Herrschenden es seit der Spätantike gekannt haben: Er verbündet sich mit einer Religion, die ihm Stärke, Geld, Wähler und Hokuspokus versprechen kann, und die nicht zufällig in einer möglichst alttestamentarischen Auslegung daherkommt, in der von Nächstenliebe selten etwas zu hören ist: Er stülpt die Bibel über sein Land, dann stülpt er noch das Alte Testament über die Bibel, und dann bleibt nur noch das traurigste und schäbigste aller Regierungskonzepte: Alte weiße Männer ohne Skrupel fordern die totale Unterwerfung unter einen gedachten Obermann, der im Himmel wohnt. Demokratie war gestern, Verlogenheit und Unterdrückung haben zum Frühstück geladen. Appetit allerdings haben wir schon lange nicht mehr.