Kommentar
Keine Extrawurst für Gottesdienste!
© Fotomontage Daniela Wakonigg mit Material von pixabay.com Pixabay License
Heute tritt im Kampf gegen die rasant zunehmenden Corona-Infektionen der neue "Lockdown light" in Kraft. Aus Gründen des Infektionsschutzes müssen unter anderem Gastronomiebetriebe, Kinos und Theater schließen. Gottesdienste sind hingegen weiterhin explizit erlaubt. Und das, obwohl sie in den vergangenen Monaten oft zu Superspreader-Events wurden.
Ohne jede Frage müssen gegen die rasant zunehmenden Corona-Neuinfektionen Maßnahmen ergriffen werden. Welche Maßnahmen genau sinnvoll sind, darüber streiten sich die Geister. Sicher ist nur, dass eine Kontaktreduktion zu einer Reduktion der Möglichkeit von Neuinfektionen führt. Um den Betrieb von Schulen aufrechterhalten zu können, haben Bund und Länder deshalb die Entscheidung getroffen, per Lockdown für eine Kontaktreduktion in anderen Bereichen der Gesellschaft zu sorgen: Restaurants, Kneipen und Bars müssen ebenso schließen wie Kinos, Theater, Museen, Fitnessstudios, Kosmetiksalons und andere Einrichtungen – kurzum: Orte und Anlässe, die von der Politik nicht dem lebenswichtigen Bereich zugeordnet werden. Darüber hinaus dürfen sich in der Öffentlichkeit nur noch Angehörige zweier Haushalte treffen, maximal zehn Personen.
Ausgenommen vom Lockdown sind hingegen explizit Gottesdienste. Eine Entscheidung, die in vielfacher Hinsicht ein starkes Stück ist. Nicht nur, dass Gottesdienste von der Politik offensichtlich dem lebenswichtigen gesellschaftlichen Bereich zugeordnet werden. Nicht nur, dass Gottesdienste per Online-Übertragung stattfinden können, wie andere Events auch. Nicht nur, dass die EKD nach dem ersten Lockdown sogar einen Zuwachs von 287 Prozent der durchschnittlichen Gottesdienstbesucherzahl durch digitale Verkündigungsformate feierte. Nicht nur, dass Götter auch von jedem einzelnen Gläubigen im sakralen Home-Office angebetet werden können. Nein, darüber hinaus wird auch vollkommen ignoriert, wie viele Superspreader-Events es während der Corona-Pandemie bereits durch Gottesdienste gegeben hat. Die Erlaubnis von Präsenz-Gottesdiensten während des aktuellen Lockdowns ist auch deshalb geradezu irrsinnig, weil bekanntlich vor allem ältere Menschen Gottesdienste besuchen, also die Haupt-Risikogruppe.
Begründet wird die Sonderregelung für Gottesdienste mit der Religionsfreiheit. Im Frühjahrs-Lockdown, als noch ein Verbot für Präsenz-Gottesdienste bestand, hatten die Religionsgemeinschaften mit Verweis auf die Religionsfreiheit ihren Einfluss auf die Politik geltend gemacht und so schließlich doch noch ihre Erlaubnis für die Durchführung von Gottesdiensten mit leibhaftig anwesendem Publikum erhalten. Diesmal reagierte die Politik bereits in vorauseilendem Gehorsam.
Nun ist Religionsfreiheit zwar ein Menschenrecht und soll und muss es auch bleiben. Doch ein Menschenrecht auf Präsenz-Gottesdienste besteht ebenso wenig wie ein Menschenrecht darauf, dass die eigene Religion nicht mittels Satire durch den Kakao gezogen wird. Und zwar auch dann nicht, wenn Religiöse beides lautstark als Teil ihrer Religionsfreiheit fordern. Im einen wie im anderen Fall wäre die Politik gefordert, zum Wohle aller Bürger*innen Religionsgemeinschaften sinnvoll in ihre Schranken zu weisen. Im Fall der Gottesdienste hat sie diesbezüglich allerdings gerade kläglich versagt.

Kommentare (17)
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"Nun ist Religionsfreiheit
"Nun ist Religionsfreiheit zwar ein Menschenrecht und soll und muss es auch bleiben."
Kunstfreiheit ist auch ein Menschenrecht.
Wenn also der Dienst an einem imaginierten Gott erlaubt ist, dann doch das Vergnügen an einem real existierenden Künstler allemal. Denn wer hat mehr davon? Der (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) nicht existente Gott oder der Künstler, der auf seinen Lebensunterhalte angewiesen ist? Gott könnte sich, so er existiert und allmächtig ist, sicher selbst versorgen.
Oder wir verzichten im Namen der Vernunft eine Zeitlang auf beides...
Diese "Extrawurst" wird
Diese "Extrawurst" wird sicher vielen Menschen die Gesundheit oder schlimmeres kosten,
aber das ist den Kirchen egal, Hauptsache diese haben sich wieder einmal gegen die Politik
und dem gesunden Menschenverstand durchgesetzt.Wie lange lassen wir uns diese Kirchenunterwürfige Politik noch gefallen.
Es gibt legale Mittel und Wege die Zustände zu verändern, was mich persönlich betrifft, so bin ich einer Humanistischen Partei beigetreten und werde versuchen, dort über den offiziellen Weg der Wahlen, eine andere, menschenfreundliche Politik in der BRD zu etablieren. Diese Partei erfährt momentan einen enormen Zuwachs an Mitgliedern, also CDU & CSU, zeit euch warm an, eure Zeit ist am ablaufen.
Sie haben in jeder Hinsicht
Sie haben in jeder Hinsicht recht.
Die Gläubigen aber scheinen sich über die Macht ihres Gottes doch nicht so ganz gewiss zu sein. Gott, Allah, Jahwe (oder wie auch immer) muss von Ihnen vor „Blasphemie“ geschützt werden.
Zeus konnte noch Blitze schicken, heute laufen Wahnsinnige herum, die andere enthaupten oder auf andere Weise umbringen.
Wie traurig und verschroben ist das alles!
Was die Pandemie angeht, sind die Religioten auch nicht besser dran als der Rest der Menschheit.
Die aktuell festgelegten
Die aktuell festgelegten Regeln lassen sich ja grob mit "Wirtschaft weiterlaufen lassen, Freizeit einschränken" zusammenfassen.
Wo kämen wir denn hin, wenn wir die Kirchenbesuche mit den banalen, alltäglichen Freizeitaktivitäten wie Kino- und Museumsbesuchen gleichsetzen und den Kirchen somit ihre wirtschaftlich relevante und lebenswichtige Möglichkeit des Geldeinsammelns nehmen würden?
Sarkasmusende.
was mich mal interessiert ist
was mich mal interessiert ist wie viel von den gottesdienstbesuchern weiblich sind in der rkk und der ekd, das wäre mal was für fowid, ich seh da immer nur Frauen und Frauen die ihre Männer mitnehmen
Das ist ja mal ein richtig
Das ist ja mal ein richtig tolles Symbolphoto!
Köstlichst ausehende
Köstlichst ausehende Extrawurst! :o)
Köstlichst aussehende
Köstlichst aussehende Extrawurst! :o)
Und das von _der_ Autorin!
Und das von _der_ Autorin!
Der liebe Gott ist weniger
Der liebe Gott ist weniger das Problem als seine irdischen Staatsbediensteten, die beschäftigt werden wollen, müssen, sollen - auch wenn dabei Unfug getrieben wird. Die Kirchen sind kein Ersatz für den Kulturbetriebe und auch nicht für eine funktionierende Gastronomie. Die Aufgabe der Kirchen ist primär die Durchführung bestimmter Rituale (Taufe, Hochzeit, Beerdigung usw.) - wobei die Taufbecken zum Schutz vor Corona-Infektionen (und anderen solchen Möglichkeiten) inzwischen trockengelegt sein dürften. Beten kann ein gläubiger Mensch überall, unabhängig von einem kirchlichen Spiritualitätsverwalter - die ohnehin häufig ihre Kompetenzen und ihre Aufgabengebiete unzulässig ausweiten und überschreiten. Wohl, weil sie sonst zuwenig zu tun hätten... Die negative Religionsfreiheit wird auch in Zeiten von Corona überwiegend ignoriert.
Ich sehe das auch so.
Ich sehe das auch so. Gottesdienste waren Superspreading Events, vor allem bei Gesang. Meine Sporthalle ist riesig und wird alle 30 Minuten mit 2x 6x6Meter Toren gelüftet. Man fühlt sich wie draussen, was auch gut ist.
Gerade das mit den Gottesdiensten stößt den unter 50 Jährigen auf Unverständnis. Das könnte die Solidarität an sich gefährden.
Ich denke vor gewissem Klientel in Kirchen und Moscheen haben die einfach Angst.
Das Recht auf Freizügigkeit
Das Recht auf Freizügigkeit und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit werden beschränkt - aber Religionsfreiheit ist so ein Überrecht, dass es nicht einmal angesichts einleuchtender sachlicher Gründe angerührt werden darf? Und das wagt man, so offen und platt als Begründung für die Gestattung von Präsenzgottesdiensten anzuführen? Schmerzt die Entscheider denn nicht die kognitive Dissonanz? Mir jedenfalls tut sie fast körperlich weh.
Die Überpräsenz der Religion in der Politik scheint sich langsam in eine regelrechte Unterwerfung zu verwandeln.
Gutes Kommentar. Ich gehe als
Gutes Kommentar. Ich gehe als Aussteigerin einer fundamentalen Glaubensgemeinschaft aber sogar noch weiter und behaupte, dass diese Sonderbehandlung den gefährlichen Glauben fördert, dass "Gottes" Gesetze über den staatlichen Gesetzen steht. Das ist die Keimzelle für Extremismus und leider noch ein blinder Fleck in weiten Teilen der Gesellschaft und Politik. Diese übergeordnete und erfundene Autorität "Gott" ist in den Händen religiöser Geschäftsleute ein enorm wirksames Manipulationswerkszeug. Wie kann man z.B. in diesem Fall einschreiten?
In der Tat, es ist
In der Tat, es ist unverantwortlich, den Besuch von Gottesdiensten unbeschränkt zu lassen. Allerdings erwarte ich, dass den paar Hanseln mit jedem Kirchenbesuch immer stärker bewusst wird, dass alles Beten nichts hilft.
Religionsfreiheit ist ein
Religionsfreiheit ist ein Bullshit-Argument. Erstens gelten allgemeine Gesetze (z. B. DSGVO) auch für Kirchen, sie haben damals ihre Prozesse und Systeme auch ändern müssen. Zweitens geht es nicht ums Verbot von Gottesdiensten, das ist ein Strohmann-Argument. Es geht um die Anreise zu und Teilnahme an Veranstaltungen, die jetzt zeitlich begrenzt eben generell unterbunden werden sollen.
Kirchen gehören Geschlossen.
Kirchen gehören Geschlossen. Keine Extrawurst der Religionen.
»» Im Fall der Gottesdienste
»» Im Fall der Gottesdienste hat sie
»» diesbezüglich allerdings gerade kläglich versagt.
Panem et circenses !
Religiöse sind potentielle Wähler der C-Parteien und halten Gottesdienste für Lebenswichtig. Mit Brot und Spielen hält man das Volk bei Laune.