Es bewegt sich manches. Weiß man wohin?

 

Wie du es vorhin erzählt hattest mit der Freiheit, habe ich den Eindruck, dass „Der dressierte Mann“ aufnimmt zu sagen: Werte Geschlechtgenossinnen, was macht ihr eigentlich aus diesen Männern?

Nnhn, ...

... Wo lasst ihr denen eine Freiheit? Es sind die angeblichen Herren der Schöpfung, die aber arbeiten gehen müssen. War da dieser Freiheitsgedanke schon das Element, genauer hinzuschauen, wie Rollenverteilungen ...

Ja, die Frage war, warum die Männer, die so frei sind, dass sie machen können, was sie wollen, warum sie diese Bindungen eingehen, wo sie dann gar nichts mehr machen können. Sie heiraten eine Frau, sie kriegen Kinder und von dem Punkt an sind sie dann ja in einer ganz engen Gasse, wo sie nur noch arbeiten können, um diese Familie zu ernähren. Denn alles andere wäre schrecklich, sie können die Familie ja nicht untergehen lassen. Warum machen sie das? Warum geben sie ihre Freiheit so gerne weg? ... Ja, es ist auch ein Kapitel über Freiheit im „dressierten Mann“

Aber in dem Titel wird doch angesagt, dass jemand diesen Mann dressieren muss. Darin ist doch angelegt, dass die Frauen den Mann dazu bringen, dass er sich so verhält.

Er sucht sich ja auch eine Frau aus, die ihn interessiert. Das ist ja nicht einseitig. Es sind einfach Fragen, Fragen an die Gesellschaft. Und die Gesellschaft sind im Grunde ja die Frauen, da die Männer ihre Freiheit dermaßen aufgegeben, dass sie sich noch nicht einmal zu protestieren trauen...
Aber das ist ja ein Buch von vor vierzig Jahren. Das ist jetzt alles ein bisschen anders geworden. Aber dass man seine Freiheit gerne weg gibt, das ist eine Tatsache: an einen anderen Menschen, eine Arbeit, eine Partei, eine Ideologie, eine Kirche.

Die Antrittsrede der amerikanischen Päpstin

Ist dir eines deiner Werke am wichtigsten?

Das kann ich so nicht sagen, aber „Die amerikanische Päpstin“ (1982) gehört sicher zu den Sachen, die ich am liebsten mag. Es kam als Buch, und zugleich habe ich es als Theaterstück geschrieben. Dieses ist bis jetzt unglaublich erfolgreich. Am Schluss wird diese Frau Päpstin, aber sie glaubt nichts mehr. Die ganze Kirche ist von ihren Vorgängern ruiniert worden, die wollten alle das Wort von Jesus Christus richtig ausführen und haben nach und nach alle Reichtümer ihrer Kirche verkauft und verschenkt. Dann war der Vatikan ganz arm und sie konnten nicht einmal mehr den Palast unterhalten, den mussten sie an eine Warenhauskette verkaufen. Es gab nur noch einen kleinen Raum, wo die amerikanische Päpstin ihre Antrittsrede halten konnte. Und da sagt sie dann, dass sie alles rückgängig machen wird, was bisher an Freiheiten eingeführt worden ist – da haben wir wieder die Freiheit -, und sie wird alles wieder so machen, wie es früher war und sein soll, sie wird wieder die traditionelle katholische Kirche etablieren. Das macht sie dann auch, obwohl sie mittlerweile Atheistin ist, macht alles rückgängig und bietet eine strenge Kirche an, denn die Leute sind in dieser liberalen Kirche ja nicht mehr geblieben. Es gab nur noch ein paar Millionen katholische Gläubige, weil die anderen alle zu strengeren Religionen abgewandert waren. Und das ist dann das Ende, sie fängt wieder ganz von vorne an mit ihrer Kirche. Und zum Schluss, als sie die Macht übernimmt, fängt sie an zu beten und man weiß nicht, ob sie tatsächlich betet oder ob es nur wieder eine Szene von ihr ist. Es kann sein, dass sie selbst wieder anfängt zu glauben, weil es schon eine Wahnsinnssache ist, wenn man als einzelne Person die Verantwortung für so viele Menschen haben soll. Man m u s s vielleicht denken, dass da oben noch jemand sitzt, der einem bei diesem gigantischen Unternehmen hilft.

Wie bist du auf die Idee zu diesem Stück gekommen?

Das kam auch von der Sache mit der Freiheit.

Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast: Es gibt einen österreichischen Komponisten, Bernd Stromberger, der hat ein Musical über den Papst geschrieben „In Nomine Patris“ - auch ein Papst braucht Liebe. Dabei geht es auch darum dass der Papst – vielleicht als Analogie zu Wojtyla, von dem ja auch gesagt wurde, dass er als junger Priester, sehr sportlich und den Lebensgenüssen nicht abgeneigt, mit einer Jugendliebe eine Tochter gezeugt haben soll -, so bekommt auch in diesem Musical der Papst mit, dass seine Liebschaft schwanger geworden war und er eine Tochter hat.

Meinst du, das ist wahr, dass der Wojtyla eine Tochter hatte?

Wenn nicht, so ist es eine gute Lüge. (Lachen) Denn das würde genau einen Erklärungspunkt setzen. Wenn er tatsächlich als junger Priester dieses Kind gezeugt hat und sich dann entscheiden muss, ob er Priester bleibt oder nicht, und es bleibt, hat er aus seiner katholischen Sicht eine Schuld auf sich geladen, mit der er sein ganzes Leben zu tun haben wird. Man hat von Wojtyla ja auch gesagt, er sei ein sehr spiritueller Papst, der halbe Tage auf dem Boden in seiner Privatkapelle gelegen und um Verzeihung gebetet habe. Und deshalb habe auch schon zu seiner Zeit als Johannes Paul II der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, das eigentliche Regiment ausgeführt und deshalb sei er dann auch Papst geworden. Deshalb wäre, wenn es denn stimmen sollte, Wojtyla die perfekte Personifizierung dieser Schuldverstrickung mit der Sehnsucht nach Vergebung, die Unterwerfung unter eine überirdische Macht ... Das wäre schon sehr passend. (Lacht) Wenn es eine Lüge ist, dann ist sie sehr gut gelogen.

Wojtyla war auch auf jeden Fall ein exzellenter Schauspieler.

Marketingtechnisch war das allerdings sehr kompliziert, denn Johannes Paul II. hatte als Person einen höheren Marketingwert als die Firmenmarke, die er vertrat, die katholische Kirche. Der Italiener Bruno Ballardini hat das in seinem Buch „Jesus wäscht weißer“ marketingtechnisch überzeugend beschrieben, welche Aufgabe Ratzinger erstmalig für einen ‚global player’, den die katholische Kirche unstrittig darstellt, erstmalig wagen musste, zwei sich widersprechende Strategien gleichzeitig zu fahren. Einerseits musste er als Person verdeutlichen: Es wird alles wieder anders, also eine Vorwärtsstrategie, und zum anderen musste er klar machen: Es geht alles wieder zurück zu dem bewährten Prinzipien vor dem II. Vatikanischen Konzil. Und das macht Ratzinger.

Macht er es gut?

Für einen Außenstehenden schwierig zu beurteilen. Aber es würde ja deine These von der Päpstin bestätigen, die sagt, wir müssen konservativer werden, wir müssen zurück. Das wäre genau die Parallelität. Er führt die lateinische Messe wieder ein, er hat die Pius-Brüder wieder aufgenommen, ...

... das macht meine Päpstin in etwa auch ... Ich glaube der hat mein Stück gesehen. (Lachen) Das ist gar nicht so absurd. Da waren schon mehrmals Bischöfe in dem Stück. Zum Schluss, als sie betet und man nicht weiß, ob sie jetzt glaubt oder nicht, ist es ja für beide Seiten akzeptabel. Es wurde auch schon in Klöstern aufgeführt. Jetzt wird es in Wien gerade gespielt und da kam – sagt man mir - der Höchste vom Stephansdom ins Theater. Solche Leute schauen sich das an. Ja, es bewegt sich manches, aber man weiß nicht, wohin.