Hubertus Mynareks Kritik an Hans Küng

(hpd) Hubertus Mynarek nimmt in seinem Buch “Warum Hans Küng die Kirche nicht retten kann. Eine Analyse seiner Irrtümer” eine Kritik an den Auffassungen des im Titel genannten Theologen vor, welcher in den Medien als inner-katholischer Kritiker der Kirche gilt. Mynarek kann eine Fülle von bedenkliche Auffassungen und Deutungen Küngs benennen, was indessen auch mit unangemessenen persönlichen und polemischen Formulierungen einhergeht.

 

2011 veröffentlichte Hans Küng sein Buch “Ist die Kirche noch zu retten?” Es fand in der öffentlichen Debatte relativ große Aufmerksamkeit, was mit der besonderen Prominenz des Autors zusammenhängt. Der bekannte Theologe geriet in Konflikt mit der katholischen Kirche mit entsprechenden beruflichen Folgen für ihn.

Indessen trat er nicht aus Kirche aus und verstand sich weiterhin als Christ. Gerade dies Kombination von bestehendem Glauben und entwickelter Kirchenkritik scheint in den Medien besondere Resonanz zu finden, wodurch sich auch die frühere große Aufmerksamkeit für Eugen Drewermann erklären dürfte.

Küngs erwähnte Buch motivierte aber auch Hubertus Mynarek zu einer Gegen-Schrift, die mit dem Titel “Warum auch Hans Küng die Kirche nicht retten kann. Eine Analyse seiner Irrtümer” erschien. Auch Mynarek geriet mit der katholischen Kirche in Konflikt, trat der seinerzeitige Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien doch 1972 als erster Universitätsprofessor der Theologie aus Gewissensgründen aus ihr aus.

Sein Buch “Warum auch Hans Küng die Kirche nicht retten kann” versteht sich als dezidierte Streitschrift gegen die aus seiner Sicht bestehenden Inkonsequenzen und Irrtümer Küngs in dessen eingeschränkter Kritik an der katholischen Kirche. Dabei kritisiert Mynarek auch die Person Küng, wenn er zu den Motiven für dessen Werk schreibt: “Die Antwort kann wohl nur lauten: Küngs Sendungsbewusstsein, sein Bestreben, an der Spitze aller Papst- und Kirchenkritiker zu stehen, und zu bleiben, haben ihn dazu getrieben. Er möchte der Kirchenreformer des 20. und 21. Jahrhunderts, der Messias aller hierarchiekritischen Bewegungen und Strömungen in der Kirche der Gegenwart, sozusagen der Antipapst als Gegenstück zu Ratzinger-Benedikt sein” (S. 9).

Die persönliche Bekanntschaft mit Küng, Mynarek erwähnt etwa Gespräche beim Frühstück oder dessen Vorliebe für eine elegante Sportlimousine, dürften den mitunter harschen Ton in der Kritik erklären. Indessen gehören persönliche Animositäten nicht in eine sachliche Erörterung.

Als ersten Irrtum Küngs wird dessen Festhalten an einem historisch falschen Jesus-Bild genannt, sei dieser doch immer Jude geblieben und habe nie die Gründung einer christlichen Kirche beabsichtigt. Die von Küng geforderte Reduzierung des Papsttums zu einem pastoralen Petrusdienst hält Mynarek danach als dessen zweiten Irrtum für eine Wunschprojektion. Zwar habe Küng das Unfehlbarkeitsdogma kritisiert, aber es mit seinem dritten Irrtum nicht vollständig verworfen. Auch Küngs Stellung zur “Frau in der Kirche” sei aufgrund seiner Anlehnung an eine zweifelhafte wohlwollende Haltung Jesu zu den Frauen als vierter Irrtum nicht angemessen. Und schließlich nennt er als fünften Irrtum dessen Missverständnis von Kirche und Religion, laufe dieses doch auf die Etablierung eines Machtfaktor hinaus. Mynarek bilanziert: “Küng ist und bleibt der Apologet seiner Kirche, der eifrige Vertreter und Verteidiger einer Light-Version, einer gemäßigteren, milderen Variante der so kalten und harten kirchlichen Morallehre” (S. 154).

Mynarek kann in seinem Buch seine früher als Professor für Theologie erworbene Fachkompetenz kritisch ausspielen, worin gerade bei der Erörterung und Kritik von theologischen Deutungen die Stärken der präsentierten Küng-Kritik liegen. Indessen verstören der persönliche und polemische Tonfall immer wieder. So heißt es etwa: “Es handelte sich … um ein Gezänk … einer Sekte von Fachidioten, die außerhalb der Realitäten und Bedingungen menschlichen Denkens wirklichkeitsfremde Debatten führten” (S. 105).

Geht so etwas nicht in kühlerer und sachlicherer Formulierung, zumal eine rationale Perspektive eingenommen werden soll? Häufig schweift Mynarek auch von der direkten Auseinandersetzung mit Küng ab, wobei seine Betrachtungen zur historischen Entwicklung des Unfehlbarkeitsdogmas oder zur kritischen Deutung des Jesus-Bildes im Neuen Testament durchaus interessant sind. Leider ist Mynarek auch der rechthaberische Tonfall, der ihm an Küng berechtigterweise missfällt, selbst in der von ihm vorgetragenen Kritik eigen.

Armin Pfahl-Traughber

 

Hubertus Mynarek, Warum auch Hans Küng die Kirche nicht retten kann. Eine Analyse seiner Irrtümer, Marburg 2012 (Tectum-Verlag), 239 S., 19,90 Euro

 

Siehe auch Hubertus Mynarek’s Artikel zu diesem Thema und eine weitere Rezension zum Buch von Prof. Horst Herrmann.