Die SkepKon 2026 in Regensburg

KI, "Satanic Panic" und der zwanglose Zwang des besseren Arguments

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Blick auf die "SkepKon" im letzten Jahr
"SkepKon 2025"

Homöopathie, Schöpfungsglaube im wissenschaftlichen Gewand, Verschwörungsmythen, Künstliche Intelligenz und das Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft – das sind nur einige Themen der "SkepKon 2026", veranstaltet von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Diese größte skeptische Konferenz Deutschlands findet vom 14. bis 16. Mai in Regensburg statt und richtet sich an Lehrkräfte, Journalisten und alle Neugierigen mit offenem Geist und klarem Verstand.

Nach der bislang größten "SkepKon" in der Geschichte setzt die GWUP in diesem Jahr noch eins drauf. Dazu die Mitorganisatorin Stefanie Weig vom GWUP-Vorstand: "Neben hochkarätigen Speakern und einem Überraschungsgast freuen wir uns in diesem Jahr auf die Dokumentation des Events durch ein professionelles Filmteam und auf neue Partner wie das Bundesamt für Strahlenschutz, das mit einer mobilen Ausstellung und eigenem Workshop vertreten sein wird." Natürlich sind auch wieder bekannte Influencer und befreundete Organisationen wie der Sokratische Weg und Scientific Temper zu Gast.

Einige Highlights aus dem vielfältigen Programm: Den Auftakt am Donnerstag, 14. Mai, macht der Philosoph Prof. Franz Josef Wetz. Er lädt dazu ein, das grundlegende Staunen über die Existenz der Welt und des Menschen wiederzuentdecken. Doch wie begegnet man Menschen, die es nicht beim säkularen Staunen belassen, sondern den Boden gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse verlassen? Bei Klimaforschung, Impfung, Evolution oder Gentechnik – in der Regel stecken psychologische und soziale Prozesse dahinter, so Frank Best, Professor für Internationales Management an der HTWG Konstanz. Vertieft wird die Thematik durch ein anschließendes Diskussionspanel mit der Osteuropa- und Technikhistorikerin Anna Veronika Wendland und dem langjährigen GWUP-Vorsitzenden Amardeo Sarma.

Weitere Programmpunkte befassen sich mit Mythen rund um die Mikrowelle (Prof. Sascha Skorupka), einer fragwürdigen Homöopathie-Studie (Norbert Aust) und dem Prognosencheck – der alljährlichen Prüfung von hellseherischen Vorhersagen – durch die GWUP. Zudem befasst sich Richard Traunmüller, Professor für Politikwissenschaft und Empirische Demokratieforschung an der Universität Mannheim, in einem empirischen Beitrag mit der Debatte um "Cancel Culture".

Um den viel diskutierten Themenkomplex Rituelle Gewalt/Mind Control (RG/MC) geht es am Freitag, 15. Mai: Einige Menschen sind überzeugt, sie wären als Kinder von satanistischen Täternetzwerken missbraucht worden. Weil man durch Folter ihre Persönlichkeit aufgespalten habe, könnten die Täter sie noch im Erwachsenenalter nach Belieben manipulieren, während sie selbst jede Erinnerung an die Verbrechen verloren hätten. Erst durch die Behandlung bei bestimmten Psychotherapeuten sei all dies ans Licht gekommen. Aber kann das wirklich sein? Mit dieser Frage befassen sich der Psychologe Alexander Wolber und der Psychiater Frank Urbaniok in ihrem Vortrag. Dabei kommt auch die Diagnose dissoziative Identitätsstörung (DIS) zur Sprache. Weitere Vorträge befassen sich mit kritischem Denken in der Schule, Kreationismus, Gedächtnismythen, der Verschwörungserzählung von den Reptiloiden und mit den Gefahren fragwürdiger Fachartikel.

"Künstliche Intelligenz" (KI) und moderne Technologie stehen am Samstag, 16. Mai, im Zentrum der Betrachtung. So widmet sich der Podcaster und Programmierer Ali Hackalife in seinem Vortrag den belegten und plausiblen Formen der Massenüberwachung. Gewiss, es liegt in der Natur der Sache, dass wir nicht erfahren, welche Daten der Staat von seinen Bürgern sammelt. Doch aus einer Mischung an Veröffentlichungen, Machbarkeitsanalysen, Anwendungswissen und Skalierungen lasse sich ein skeptischer Blick auf die Überwachungsthematik entwickeln.

Wie KI zum Kristallisationskern für Ideologien wird, hat Marin Zec, Professor für Angewandte Informatik in München, untersucht. Hinter vielen technischen Versprechungen fördert er ein spezifisches ideologisches Fundament zutage, maßgeblich geprägt von Denkströmungen wie dem Longtermismus und transhumanistischen Theorien. Es geht also um die Erweiterung menschlicher Möglichkeiten durch Technologie und um Vorstellungen, die weit in die Zukunft der Menschheit hineinragen. Letztlich ist zu diskutieren, ob die Entwicklung von Superintelligenzen, die dem Menschen ebenbürtig oder sogar überlegen sind, für eine Gesellschaft möglich und erstrebenswert ist – die "SkepKon" bietet auch dafür Raum. Zum Abschluss schlägt der Philosoph Sebastian Schnelle mit seinem Beitrag über den "Kult der Zizians" eine Brücke zur Soziologie und warnt davor, wie rationale Diskurse in dogmatische Strukturen abgleiten können.

Auch aktuelle gesellschaftliche Themen kommen nicht zu kurz: Der Publizist Till-Randolf Amelung greift die erhitzte Debatte um die medizinische Behandlung von transsexuellen Kindern auf. Der gender-affirmative Ansatz fasst Transidentität als eine Variante menschlichen Seins auf – auch bei Minderjährigen. Doch diese Praxis gerät zunehmend unter Druck. So ist die Debatte über das Risiko früher Behandlungen durch Pubertätsblocker in den USA zum Politikum geworden. Amelung zeichnet in seinem Vortrag die Kontroverse nach. Seine These: Die aktuelle Polarisierung sei auch eine Folge von Fehlern des queeren Transaktivismus.

"SkepKon 2026": 14. bis 16. Mai 2026, Marinaforum Regensburg

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