Seit zwei Monaten staunt das Land über die Hitlerglocke von Herxheim. Jetzt hat sich auch die Landeskonservatorin zu Wort gemeldet. Sie findet: Hängen lassen! Auch wenn es weh tut! Dabei schmerzt hier vor allem eines - die hanebüchene Schlichtheit ihrer Argumente.
Ob die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters nun eine Religion oder eine Religionsparodie ist, beschäftigt seit Jahren die Gemüter – und am Freitag auch wieder die Gerichte, wenn es vor dem Brandenburgischen Oberlandesgericht darum geht, ob die Spaghettimonster-Kirche Nudelmessehinweisschilder aufstellen darf. Der hpd sprach mit Philosophin und Theologin Daniela Wakonigg, die sich in einem aktuellen Buch ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob es sich bei der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters um eine Religion oder um eine Religionsparodie handelt.
Westliche Beobachter sehen den Buddhismus zu sehr durch eine "rosarote Brille". "Während er früher und teils heute noch als pessimistisch und nihilistisch wahrgenommen wurde, finden sich inzwischen zahlreiche Klischees vom Buddhismus als leichter Pop-Religion, friedfertig und tolerant, als Spiritualität ohne Dogmen und Glaubensvorstellungen, gar ohne Gott", schreibt der Religionswissenschaftler und anglikanische Theologe Prof. Dr. Perry Schmidt-Leukel in seinem neuen Einführungsband "Buddhismus verstehen" aus dem Gütersloher Verlagshaus.
Endlich hat er eingegriffen. Italienische Medien haben es unisono berichtet, und der Vatikan hat die Meldungen bestätigt: Papst Franziskus hat sich von einem Kardinal befreit, der ihm seit langem auf die Nerven gegangen ist, wie ich aus Rom höre. Im Ernst: Der Anstellungsvertrag mit dem Amtschef der Glaubenskongregation, dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lief gestern (2. Juli 2017) ab und wird nicht mehr verlängert. Müller, bisher einflussreichster Amtsträger, sitzt vor der Tür. Eine Blamage sondergleichen.
Die Grenzen der Religionsfreiheit werden seit vielen Jahren mit gläubiger Regelmäßigkeit anhand der weiblichen Kopfbedeckung diskutiert. Vor allem die Verschleierung führt immer wieder zum Streit; im Windschatten dieses Friseur-Boykotts geht es dann auch mal um das Häubchen der Diakonisse oder andere religiöse Deko-Artikel.
Der liebe Gott hat immer ziemlich viel mit Esspapier zu tun. Wie man weiß, werden ja in den Kirchen regelmäßig Oblaten verzehrt, welche aber in der Wahrnehmung der Oblatenesser gar keine Oblaten mehr sind, sondern das Fleisch eines vor zweitausend Jahren Verstorbenen und dann doch nicht Verstorbenen: Der Heiland, der da verspeist wird, hat schließlich ein ewiges Leben. Was natürlich die Frage aufwirft, inwieweit die Mensch gewordene Oblate überhaupt verdaulich ist, und ob die ganze Aufesserei dem Oblatenwandlergott nicht sauer aufstoßen müsste.
Wieder einmal ist Pfingsten, und kaum jemand weiß, was da gefeiert wird: Der Heilige Geist. Die Dreieinigkeit Gottes. Verstanden hat die nie jemand so richtig. Sie durchzusetzen war für die Kirche im 4. Jahrhundert allerdings ein Meilenstein auf dem Weg zur Weltmacht - und der erste Grund, Glaubensabweichler zu verfolgen und zu töten.
Das ARD-Magazin Report Mainz berichtete am Montagabend über die evangelische Brüdergemeinde Korntal. Aufklärer bestätigen in dem Bericht schweren sexuellen Missbrauch und Gewalt an Kindern in Korntal. Bereits vor 3 Jahren wurde bekannt, dass ein Opfer die "Brüdergemeinde" auf eine Million Euro Schadensersatz verklagte.
Der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker geht in seinem Buch "Die Salafisten. Der Aufstand der Frommen, Saudi-Arabien und der Islam" auf die Entwicklung des Salafismus im historischen, politischen, sozialen und theologischen Sinne ein. Das Buch ist als Gesamtdarstellung auf engem Raum konzipiert, bringt entsprechend komprimiert wichtige Inhalte, hätte aber noch ein Mehr an analytischen Einschätzungen verdient gehabt.
Vor einigen Tagen sprach Hamed Abdel-Samad im Rahmen des "Frohnauer Diskurs" in Berlin. Im Kulturhaus des Centre Bagatelle e. V. fragte er: "Was macht der Islam mit uns und was machen wir mit dem Islam?"
Am 22. und 23. 5. fand in Heidelberg eine Veranstaltung der Buddha Stiftung zum Thema Säkularer Buddhismus statt: "Imagining the Dharma in an Uncertain World" (Vision eines Dharma in einer Welt voller Unsicherheit). Ziel der Stiftung ist nach eigenen Aussagen die Stärkung eines säkularen Buddhismus ohne Dogmen und Glaubensinhalte. Hauptreferent war Stephen Batchelor, der die Übersetzung seines Buches "After Buddhism" (zu Deutsch "Jenseits des Buddhismus") vorstellte.
Sigmar Gabriel veranstaltete eine dreitägige Konferenz zur "Friedensverantwortung der Religionen". Im Vorfeld der Konferenz, die gestern endete, schrieb der Außenminister einen Gastbeitrag für den Berliner Tagesspiegel. Dort warnte er davor, Religionen stets nur als konfliktverschärfend anzusehen und verharmloste dabei das enorme Gewaltpotenzial, das von ihnen ausgeht. Ein Kommentar.
Der Psychoanalytiker Fethi Benslama legt mit "Der Übermuslim. Was junge Menschen zur Radikalisierung treibt" eine Deutung zu den Ursachen vor, welche insbesondere auf Ent-Identifizierung- und Re-Identifizierungswahrnehmungen abstellen. Der Essay nimmt die individual-psychologischen Bedingungsfaktoren ins Visier, wirkt aber etwas zu assoziativ und unsystematisch konstruiert.
Die ARD lädt im Juni zu einer Themenwoche des Glaubens ein. Vorab stellt sie dazu eine Seite mit Promi-Statements ins Netz. Wer hier nur auch nur ein bisschen herumklickt, erkennt: "Glaube" ist zu einem Begriff ohne Inhalt geworden.
Immer wieder stößt man auf die seltsame Vorstellung, das Grundgesetz basiere auf den Zehn Geboten, mit denen der biblische Gott seine Follower auf sich einschwor, immer wieder gern werden sie als ein früher Moralkodex der Menschheit beschrieben. Und eines stimmt auch: In der Tat ist das ein sehr, sehr alter Text. Nicht nur sein Inhalt, wenn man ihn sich denn mal anschaut, mutet uns im dritten Jahrtausend befremdlich bis bizarr an – fast noch mehr irritieren die Verrenkungen, Verkürzungen und Verbiegungen, die man von religiöser Seite der eigenen Kernbotschaft angetan hat, um sie scheppernd in die Jetztzeit zu retten und mit ihr alle Ansprüche der Gottesverkünder.