Unsere freiheitliche, aufgeklärte Demokratie kennt fast ausschließlich Feiertage, die sich aus der antiken bis mittelalterlichen Gedankenwelt des Christentums speisen. Sollten wir nicht ganz andere haben?
Am Wochenende haben sich zehntausende polnische Katholiken an den Landesgrenzen versammelt, um für die "Rettung Polens und der Welt" zu beten. Die katholische Kirche in Polen wies den Vorwurf von sich, dass es sich dabei um eine rassistische und insbesondere gegen Muslime gerichtete Aktion gehandelt habe.
"Sack des heiligen Franziskus wahrscheinlich echt", titelt katholisch.de und meint damit einen Stoffrest aus dem Mittelalter. Puh! Weit daneben, wieder einmal: Die Forschungsergebnisse geben diese Aussage überhaupt nicht her.
Die Ungereimtheiten rund um den von der "Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt" aufgedeckten Missbrauchsfall von 1993, über den dann im Nachrichtenmagazin "profil" berichtet wurde, schlagen weiter hohe Wellen. Nun kündigt die Plattform eine Demonstration vor dem Stift, im Vorfeld der Gemeinderatssitzung am kommenden Freitag an. "Obwohl so viele Fakten am Tisch liegen, mauert und vertuscht die Kirche und entzieht sich ihrer Verantwortung", erklärt Sepp Rothwangl, Obmann der Plattform.
Irland hat das restriktivste Abtreibungsgesetz in Europa. Danach ist ein Schwangerschaftsabbruch selbst nach einer Vergewaltigung verboten. Im vergangenen Jahr hat der UN-Menschenrechtsausschuss das irische Abtreibungsverbot als Verstoß gegen die internationalen Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert. Nun hat die Regierung beschlossen, im kommenden Jahr einen Volksentscheid über die Lockerung der strengen Regeln durchzuführen.
Schon seit 1990 verlieren die beiden Großkirchen konstant eine halbe Million Mitglieder im Jahr. Bis 2010 ging die Gesamtzahl von 58 auf 48 Millionen zurück. Aber die Gründe veränderten sich. Bis 1995 stand und fiel der Mitgliederschwund mit der Zahl der Kirchenaustritte. Seither wird die Überalterung vor allem in der evangelischen Mitgliederschaft immer auffälliger.
Während sich Protestanten auf den 500. Jahrestag der Reformation vorbereiten, zeigen neue Umfragen des Pew Research Center, dass sich die theologischen Unterschiede, die das westliche Christentum im 16. Jahrhundert gespalten haben, sowohl in Westeuropa als auch in den Vereinigten Staaten auf ein Maß verringert haben, das Christen in vergangenen Jahrhunderten möglicherweise schockiert hätte. In ganz Europa und den USA herrscht die Ansicht vor, dass sich Protestanten und Katholiken in Religionsfragen heutzutage eher ähneln als unterscheiden.
Im spanischen Ceuta hat jetzt das Umhertragen einer Statuette für die Entlassung eines hochrangigen Würdenträgers gesorgt. Es war der elefantenköpfige Hindu-Gott Ganesha, der seinem Kollegen Jahwe vom Christentum einen Besuch abstattete: ein äffchengroßes, bunt verziertes Götterabbild, das auf einem kleinen Thron getragen wurde, durch Ceuta hin zur "Kirche der Heiligen Maria von Afrika" und dort auch hinein. In der Kirche empfing man den Gott der Weisheit und der Künste standesgemäß mit ein wenig Chorgesang, Weisheit und Künste können ja eigentlich nie schaden, Musik auch nicht – sollte man meinen. Allerdings hat eine verletzliche Seele doch aufgeschrien: der Bischof von Cadiz und Ceuta, Rafael Zornoza Boy.
Eine Werbeaktion guatemaltekischer Humanisten stieß auf Kritik der Kirche. Eine katholische Einrichtung verlangte die Abnahme eines der humanistischen Werbeplakate – und verhalf der Werbekampagne so ungewollt zu noch größerer Bekanntheit.
Keine guten Neuigkeiten für die Kirchen: Zwar gab es weniger Austritte als im Vorjahr, doch die Mitgliederzahlen sinken weiterhin drastisch. Besonders bemerkbar macht sich dabei der demografische Wandel.
Die Pressekonferenz ist kaum beendet, bei der Anwalt Ulrich Weber den Abschlussbericht zu den Missbrauchsfällen bei den "Regensburger Domspatzen" vorstellte, als die Täter schon mit dem Finger auf andere zeigen. Das macht sprachlos und wütend.
Bei den "Regensburger Domspatzen" kam es seit Jahrzehnten zu Missbrauchsfällen. Darin war auch der Bruder des Ex-Papstes, Georg Ratzinger, verwickelt. Am gestrigen Dienstag stellte der beauftragte Anwalt Ulrich Weber seinen Abschlussbericht vor. Danach wurden insgesamt 547 Kinder Opfer von körperlicher und sexueller Gewalt.
Endlich hat er eingegriffen. Italienische Medien haben es unisono berichtet, und der Vatikan hat die Meldungen bestätigt: Papst Franziskus hat sich von einem Kardinal befreit, der ihm seit langem auf die Nerven gegangen ist, wie ich aus Rom höre. Im Ernst: Der Anstellungsvertrag mit dem Amtschef der Glaubenskongregation, dem deutschen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, lief gestern (2. Juli 2017) ab und wird nicht mehr verlängert. Müller, bisher einflussreichster Amtsträger, sitzt vor der Tür. Eine Blamage sondergleichen.
Der liebe Gott hat immer ziemlich viel mit Esspapier zu tun. Wie man weiß, werden ja in den Kirchen regelmäßig Oblaten verzehrt, welche aber in der Wahrnehmung der Oblatenesser gar keine Oblaten mehr sind, sondern das Fleisch eines vor zweitausend Jahren Verstorbenen und dann doch nicht Verstorbenen: Der Heiland, der da verspeist wird, hat schließlich ein ewiges Leben. Was natürlich die Frage aufwirft, inwieweit die Mensch gewordene Oblate überhaupt verdaulich ist, und ob die ganze Aufesserei dem Oblatenwandlergott nicht sauer aufstoßen müsste.