Die spanische katholische Kirche fällt im Rahmen der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen immer wieder besonders negativ auf. Vertuschung, Schweigegeld für Opfer, Schutz der Täter vor Behörden und vieles mehr wurde und wird aufgedeckt. Was schon jetzt nach einem besonders dick aufgetragenen Fortsetzungs-Krimi klingt, steigert sich noch. Hat die spanische katholische Kirche doch ihre Pädophilen sogar ins Ausland verschoben.
Mit einem Aktionstag fordert die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands eine grundlegende Reform ihrer Kirche: keine Machtstrukturen, eine andere Sexualmoral – lauter prima Anliegen. Ebenso gut könnte man allerdings fordern, dass der FC Bayern München sich in einen Lyrikverlag umwandelt.
Im September enthüllte eine Studie das Ausmaß des Missbrauchs in der deutschen katholischen Kirche. Doch von den Staatsanwaltschaften blieb die Kirche bislang trotzdem weitgehend unbehelligt. Eine unangemessene Sonderbehandlung, finden Strafrechtsexperten.
In den letzten Monaten und Jahren hat sich gezeigt, dass die katholische Kirche weltweit sexuelle Übergriffe auf Minderjährige durch ihre eigenen Amtsträger vertuscht hat. Nach Chile, Deutschland und den USA blicken alle nun nach Italien. Im Vatikan scheint der Wunsch zu leugnen und zu vertuschen noch immer besonders hoch. Betroffenen-Organisationen kämpfen um Gehör. Nun wurde aus Rom auch noch die 2016 verhängte Suspendierung eines Schweizer Geistlichen wegen sexueller Übergriffe zurückgenommen. Begründung: Der Mann sei zu alt.
Die Gläubigen laufen der katholischen Kirche scharenweise davon. Grund dafür sind auch die weltweit aufgedeckten Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch katholische Würdenträger sowie deren Vertuschung. In Spanien scheint letztere für manche Kleriker noch immer das Mittel der Wahl zu sein. Besonders hervorgetan in Bezug auf Vertuschung und Angebote von Schweigegeld hat sich der Bischof von Salamanca.
Bislang war es vor allem die katholische Kirche, die in Sachen Missbrauch im Fokus stand. Gestern wurde bekannt, dass eine unabhängige Kommission jahrelanges Vertuschen und Verschweigen sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche auch in der Evangelische Kirche Deutschland (EKD) erkennt.
Nachdem in Chile sexueller Missbrauch Minderjähriger durch den Klerus und dessen jahre- bis jahrzehntelange Vertuschung durch hochrangige katholische Amtsinhaber bekannt geworden ist, hat die Kirche dort stark an Ansehen und Vertrauen verloren. Auch der Besuch des Papstes zu Beginn des Jahres konnte das Image der Kirche nicht retten. Die Menschen stuften die päpstlichen Entschuldigungen sowie den Willen zur Aufklärung und zur Verhinderung neuer Verbrechen als nicht ausreichend und nicht glaubwürdig genug ein.
Die spanische Regierung hat verkündet, sexuellen Missbrauch Minderjähriger in Zukunft nicht mehr verjähren zu lassen. Dazu ist die Änderung der Gesetzeslage notwendig. Sexuelle Übergriffe auf Minderjährige stehen dann in einer Reihe mit Verbrechen wie terroristischen Morden und Genozid, die ebenfalls nicht verjähren. Regierungsvertreterin María del Carmen Calvo Poyato informierte den Vatikan im Rahmen eines Besuches über die Neuerung.
Nachdem auch in der spanischen katholischen Kirche sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen bekannt geworden sind, will die dortige Bischofskonferenz nun eine Kommission zur Prävention und zum Schutz Minderjähriger vor sexuellem Missbrauch gründen. Dabei wird sie mit harscher Kritik zur Wahl des Kommissions-Präsidenten konfrontiert. Denn der soll selbst Missbrauchsfälle vertuscht haben.
Die katholische Kirche hat mit der weltweiten Aufdeckung von Fällen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger zu kämpfen. Nach entsprechenden Aufdeckungen in diversen Ländern Europas, Nord- und Südamerika sowie Australien, werden nun auch Fälle aus Afrika publik.
Der katholische Geistliche Amador Romero war im Jahr 2001 wegen sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Messdieners zu 18 Monaten Gefängnis und 60.000 Euro Schmerzensgeld an den Jungen verurteilt worden. Die Haftstrafe wurde nie angetreten, der Verurteilte arbeitet heute als Kaplan im Krankenhaus Hospital General de Alicante.
Über den Missbrauchsskandal ist viel gesprochen worden, nun ist es an der Zeit zu handeln: Sechs renommierte Juraprofessoren haben am Freitag in Verbindung mit dem Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) Strafanzeigen bei jenen Staatsanwaltschaften eingereicht, die für die 27 Diözesen in Deutschland zuständig sind.
Eilmeldung: Juristen fordern Ermittlungsverfahren in allen deutschen Diözesen. Sechs renommierte Juraprofessoren haben in Verbindung mit dem Institut für Weltanschauungsrecht (ifw) Strafanzeigen bei jenen Staatsanwaltschaften eingereicht, die für die 27 Diözesen in Deutschland zuständig sind. Hierüber berichtet DER SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe. Das ifw wird den Mustertext der Strafanzeigen am Sonntagabend auf seiner Website veröffentlichen. Weitere Informationen zum Thema am Montagmorgen auf hpd.de.
An der Päpstlichen Universität kann man jetzt den Studiengang "Kinderschutz" absolvieren. Zwölf Plätze sollen angeboten werden. Inhaltlich geht es um Sexualität und Keuschheit, um den Umgang mit Missbrauch sowie die Aufarbeitung von Fehlern. In Rom fand jetzt die Eröffnungsfeier statt – inklusive Kinderchor.
Zwei Drittel ihrer Kirchen will die Church of Scotland auf den Shetland-Inseln schließen. Weil das Geld zu deren Unterhalt fehlt und weil es dort kaum noch Kirchgänger gibt. Da auch die Church of Scotland in einen Missbrauchsskandal verwickelt ist, dürfte deren Zahl noch weiter sinken.