Veranstaltungsbericht

Konstanz tanzt das Feiertagsgesetz in Grund und Boden

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"Forbidden Moves" hieß die Party in der "Kantine Konstanz".
Tanzende in der "Kantine Konstanz"

Die Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) Bodensee hat in Kooperation mit der "Kantine Konstanz" am Karfreitag zum zweiten Mal in Konstanz eine Heidenspaßparty unter dem Motto "Forbidden Moves" gefeiert. Diesmal mit einer größeren Tanzfläche und mehr Besuchern als letztes Jahr.

Nachdem im letzten Jahr zum ersten Mal in der Geschichte von Konstanz am Karfreitag dank einer von der gbs Bodensee beantragten Ausnahmegenehmigung mit dem offiziellen Segen der Stadt öffentlich getanzt wurde (daher stammt auch das Artikelfoto), ging die Veranstaltung nun in die zweite Runde.

Konstanz ist neben Stuttgart die einzige Stadt in ganz Baden-Württemberg, die weltanschaulich abgegrenzte Tanzveranstaltungen durchführt. Generell ist dies seit 2016 möglich, nachdem das Bundesverfassungsgericht geurteilt hat, dass "der Ausschluss jeglicher Befreiungsmöglichkeit für den besonderen Ruhe- und Stilleschutz des Karfreitags (Art. 5 Halbsatz 2 FTG) […] unvereinbar mit Art. 4 Abs. 1 und 2 sowie Art. 8 Abs. 1 GG und nichtig zu erklären" ist (Beschluss vom 27.10.2016, siehe Urteil des BVerfG, Absatz 123).

Nach großem medialen Gegenwind im letzten Jahr blieben die Gegenstimmen in diesem Jahr vergleichsweise ruhig, und die Stadt wünschte der Veranstaltung viel Erfolg.

Der Abend startete in der Kantine Konstanz mit einem Kurzvortrag über den kirchlichen und religiösen Einfluss auf Freiheit, Selbstbestimmung und die Offene Gesellschaft. Darin verdeutlichte Anabel Sauer von der gbs Bodensee, dass man sich nicht nur zum Spaß versammelt habe, sondern dass die Veranstaltung auch ein Mittel sei, um auf die problematische Verflechtung von Kirche und Staat aufmerksam zu machen und die massiven Einflüsse der Kirche auf die Freiheit und den Alltag der Bürgerinnen und Bürger aufzuzeigen.

Visual auf der Party. Grafik: © gbs Bodensee

Sauer betonte, dass die Trennung von Kirche und Staat – für die symbolisch getanzt wurde – essenziell ist, um die Demokratie und die Offene Gesellschaft zu schützen. Denn die Befindlichkeiten einer Gruppe (die ohnehin in der Minderheit ist) dürfen nicht dazu führen, dass alle Bürgerinnen und Bürger gesetzlich eingeschränkt werden. So existieren weiterhin Gesetze, die christlich geprägte Bedürfnisse durchsetzen. Diese fehlende Trennung sowie die oft nachgiebige Haltung von Politik und Teilen der Bevölkerung können zudem Tür und Tor für problematische religiöse Strömungen öffnen, etwa für den Politischen Islam.

Sauer erläuterte dies unter anderem am Beispiel des Paragrafen 166 StGB ("Gotteslästerungsparagraph"), der zu einer Täter-Opfer-Umkehr führen könne. Es sei daher wichtig, die Demokratie widerstandsfähig zu machen gegenüber dogmatischen, fundamentalistischen und unwissenschaftlichen Einflüssen.

Zudem thematisierte Sauer die Bedeutung von Toleranz sowie das sogenannte Toleranzparadoxon. Dabei verdeutlichte sie, dass das Feiertagsgesetz Christen vor der Verletzung ihrer religiösen Gefühle schützt und damit letztlich Intoleranz begünstigt, da sie es nicht ertragen lernen müssen, wenn andere an ihrem Trauertag nicht trauern. Besonders widersprüchlich erscheint dies im Vergleich zu den Nachbarregionen (Thurgau und Österreich), wo entsprechende Tanzverbote bereits aufgehoben wurden und Christen damit sehr gut zurechtkommen.

Die Politik müsse durch klare Grenzen, eine konsequente Orientierung an Grund- und Menschenrechten sowie eine weltanschaulich neutrale Haltung den Rahmen für ein friedliches Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft mit Freiheit und Selbstbestimmung schaffen.

Zum Abschluss des Vortrags wertete Sauer den nachlassenden Gegenwind gegenüber der diesjährigen Veranstaltung als positives Zeichen – als Hinweis darauf, dass das Feiertagsgesetz zunehmend hinterfragt und auf der anschließenden Party symbolisch "in Grund und Boden getanzt" werden könne.

Das Publikum erhielt zudem mit einem Video von Michael Schmidt-Salomon einen humanistischen "Tanzsegen". In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass viele Zuhörerinnen und Zuhörer erstaunt über das Ausmaß kirchlicher Einflüsse waren.

Die Party begann um 23 Uhr mit DJ Nick Fetcher (Natura Viva, Berlin), der das altersgemischte Publikum schnell auf die Tanzfläche brachte. Um 1 Uhr übernahm ANTI ANTI (BOOTHSIX*, Konstanz), gefolgt von malfunction (Labor, Konstanz). Spaß und Tanzfreude waren den Gästen deutlich anzusehen.

Der Vortrag sowie Eindrücke zur Veranstaltung können auf dem YouTube-Kanal der gbs Bodensee nachgehört und -gesehen werden.

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