Prof. Frank Best von der Hochschule Konstanz – Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) war zu Gast im Humanistischen Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz (hbbk) und referierte über den "Umgang mit Klimawandelskepsis im persönlichen Umfeld".
Der Hochschullehrer ist aktives Mitglied bei den Scientists for Future, war als Expert Reviewer für einen Synthesebericht des Weltklimarats (IPCC) tätig und ist zudem Gastwissenschaftler am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Mit seiner Expertise ist Frank Best also bestens geeignet, über den menschengemachten Klimawandel mit wissenschaftlicher Präzision aufzuklären. Und das tat er auch. Er musste jedoch schnell die bittere Erkenntnis hinnehmen, dass es Menschen gibt, die gar nicht aufgeklärt werden wollen – in die rationale Argumente so tief eindringen, wie Wasser in versiegelten Boden.
Doch warum lassen sich manche Menschen mit guten Argumenten zum menschengemachten Klimawandel nicht erreichen? Hierfür gibt es zahlreiche Gründe, die sich teils auf institutioneller, teils auf individueller Ebene verorten lassen. Zur ersteren gehören laut Best beispielsweise Organisationen, die von der fossilen Lobby finanziert werden, um systematisch Desinformationen zu verbreiten, die den menschengemachten Klimawandel relativieren oder gar leugnen. Auf politischer Ebene schlägt beispielsweise die AfD in dieselbe Kerbe. Immer wieder suggerieren diese Akteure, dass der menschengemachte Klimawandel lediglich eine mögliche Schlussfolgerung einzelner Wissenschaftler sei und das Meinungsfeld insgesamt heterogen wäre. Tatsächlich besteht jedoch ein breiter wissenschaftlicher und internationaler Konsens über die Existenz des menschengemachten Klimawandels, vor dessen Folgen Expertinnen und Experten seit Jahrzehnten warnen.
Genau an dieser Stelle gehen institutionelle Faktoren in individuelle über. Der Klimawandel ist bedrohlich und für Laien schwer greifbar. Manche Menschen erleben ein Gefühl des Kontrollverlusts oder haben Angst vor Veränderungen. Treffen solche existenziellen Sorgen auf ungünstige individuelle Voraussetzungen – etwa eine Neigung zum Schwarz-Weiß-Denken oder zu emotionalem Schlussfolgern –, kann es sich subjektiv befreiend anfühlen, den menschengemachten Klimawandel zu relativieren oder zu leugnen. Kurzfristig mag es einem dadurch besser ergehen, das zugrunde liegende Problem wird jedoch nicht gelöst (die Vogel-Strauß-Taktik). Zudem neigen Menschen dazu, sich sozialen Gruppen anzuschließen, die ihre Meinungen gegenseitig bestätigen und stabilisieren. Im Falle der Klimawandelskepsis kann dies ein starkes Zugehörigkeits- und Identitätsgefühl erzeugen. Diskussionen über den menschengemachten Klimawandel werden von solchen Personen daher häufig als persönlicher Angriff wahrgenommen.
Doch wie geht man nun am besten mit Klimawandelskeptikern um, wenn rationale Argumente kein Gehör finden und stattdessen als Angriff interpretiert werden? Frank Best rät zu einem konstruktiven Umgang und schlägt 13 mögliche Strategien vor, die Abhilfe schaffen können. So empfiehlt er beispielsweise persönliche und respektvolle Gespräche, in denen das Gegenüber ernst genommen wird. Generell erfordern solche Gespräche viel Zeit und Geduld. Wichtig ist außerdem, nicht zu viel von einem einzelnen Gespräch zu erwarten – steter Tropfen höhlt den Stein.
Der Vortrag wurde aufgezeichnet und auf dem YouTube Kanal der gbs Bodensee veröffentlicht. Dort kann man auch die übrigen Strategien nachhören.






