In Nigeria ist erneut eine Frau wegen angeblicher Blasphemie von einem Mob getötet worden. Der Fall reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Vorfälle, die Fragen nach Rechtsstaatlichkeit und religiöser Gewalt im Land aufwerfen.
Es ist der jüngste Fall in einer Reihe von brutalen Übergriffen: Ende August wurde Amaye, eine Essensverkäuferin, von einer aufgebrachten Menge lebendig verbrannt. Die Tat ereignete sich im Bundesstaat Niger. Amayes mutmaßliches Verbrechen: Äußerungen, die als Beleidigung des Propheten Mohammed interpretiert wurden.
Lokale Medien zitieren Augenzeugenberichte, wonach ein Mann der Verkäuferin im Scherz einen Heiratsantrag gemacht habe. Ihre Antwort sei von umstehenden Personen als Blasphemie ausgelegt worden. "Leider führte das zu einem Angriff des Mobs, und sie wurde in Brand gesetzt, bevor Verstärkung durch Sicherheitskräfte am Tatort eintreffen konnte", erklärte Polizeisprecher Wasiu Abiodun. Die Polizei verurteilte den Lynchmord als "Dschungeljustiz", die Ermittlungen dauern an.
Der Fall Amaye ist nur der Jüngste in einer Reihe ähnlicher Gewalttaten in Nigeria. Ebenfalls wegen angeblicher Blasphemie wurde 2023 in der Stadt Sokoto ein Mann namens Usman Buda durch einen Lynchmob zu Tode gesteinigt. Bereits 2022 hatten Kommilitonen die christliche Studentin Deborah Samuel zu Tode geprügelt. Einem Bericht zufolge hatte sie die Mitstudierenden aufgefordert, im Gruppenchat keine religiösen Nachrichten mehr zu posten – für die Täter offenbar ein Fall von Gotteslästerung.
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Von den 223 Millionen Einwohnern bekennen sich etwa die Hälfte zum Islam. Zwar ist die Redefreiheit in der Verfassung festgeschrieben, und laut dem Obersten Gerichtshof des Landes müssen Blasphemievorwürfe vor Gericht verhandelt werden. Allerdings gilt in vielen nördlichen Bundesstaaten islamisches Recht (Scharia). Das bedeutet, Abkehr vom Glauben oder Gotteslästerung werden schwer bestraft, oft mit dem Tod.






