Zum bundesweiten internationalen Safe Abortion Day am 28. September haben sich Aktivist*innen und Organisationen mit mehr als 75 Protestaktionen in rund 50 deutschen Städten beteiligt. Unter dem Motto "Für sichere Schwangerschaftsabbrüche – Jetzt erst recht!" forderten sie, dass der Zugang und die Versorgung beim Schwangerschaftsabbruch in Deutschland verbessert werden muss.
Der Schwangerschaftsabbruch – das zeigten die bundesweiten Proteste – ist weiterhin ein Thema, das die Gesellschaft bewegt. "Das Versäumnis der ehemaligen Ampelregierung, den Schwangerschaftsabbruch zu legalisieren, hat bei uns für große Enttäuschung gesorgt", sagt Eva Kubitz vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung und Mitorganisatorin des bundesweiten Safe Abortion Day. "Die Aktionen machen eins deutlich: Die Menschen in Deutschland wünschen sich eine Verbesserung der Rechtslage und der medizinischen Versorgung für ungewollt Schwangere!", so Eva Kubitz weiter.
Der Internationale Safe Abortion Day wird jedes Jahr am 28. September begangen. An diesem Tag protestieren Menschen auf der ganzen Welt für das Recht auf sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche. In Deutschland steht dem der Paragraph 218 im Strafgesetzbuch entgegen, der den Schwangerschaftsabbruch gleich hinter Mord und Totschlag aufführt und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei ermöglicht. Die Kriminalisierung führt außerdem zu einem Versorgungsnotstand in Deutschland, da immer weniger Ärzt*innen Abbrüche anbieten und sogar bedroht und belästigt werden, wenn sie es tun.
Jedes Jahr rege Beteiligung
"Die Vielfalt der Aktionen und die rege Beteiligung begeistern uns jedes Jahr. Damit zeigt eine Vielzahl von Menschen bundesweit deutlich, dass der Schwangerschaftsabbruch legalisiert werden muss", freut sich Kubitz.
Sina Tonk, Bereichsleiterin Referate bei Terre des Femmes, erklärte zum internationalen Safe Abortion Day: "Noch immer werden in Deutschland Frauen dafür kriminalisiert, dass sie selbst über ihren Körper bestimmen wollen. Der Paragraph 218 steht im Strafgesetzbuch, und zwar seit über 150 Jahren." Sie sieht aktuell in Deutschland "nicht bloß Stillstand" – was schon schlimm genug wäre – sondern sogar Rückschritte. "Die Lage wird immer prekärer – national und international gewinnen konservative bis hin zu rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen, die Frauenkörper kontrollieren und bevormunden wollen, an Zuspruch." "In Deutschland darf die katholische Kirche einem Arzt verbieten, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen, wie vor wenigen Wochen in Lippstadt", so Sina Tonk weiter. "Die Versorgungslage für ungewollt Schwangere ist hierzulande bereits problematisch, wie die ELSA-Studie zeigt, und sie wird sich noch weiter verschlechtern. Es wäre jetzt daher wichtiger denn je, Schwangerschaftsabbrüche zu legalisieren, anstatt sie immer noch mit dem Stigma des Verbrechens zu belegen."
Der Lippstädter Arzt Prof. Joachim Volz hat auf GoodCrows eine Spendenkampagne gestartet. Nach nur 48 Stunden gab es mehr als 55.000 Euro1: Tausende unterstützen den Rechtsweg des Lippstädter Chefarztes gegen das katholische Abtreibungsverbot. Bereits zuvor hatte sein Fall bundesweit für Empörung gesorgt. Über 280.000 Menschen unterzeichneten eine Petition auf innnit.it und im August demonstrierten rund 2.000 Unterstützer*innen in Lippstadt gegen das katholische Abtreibungsverbot an der Klinik. Mit dem Crowdfunding stellen sich jetzt die Unterstützer*innen auch finanziell hinter den Chefarzt, damit dieser – wenn nötig – bis vor das Bundesverfassungsgericht ziehen kann.
Zum Greifen nah
Nach über 150 Jahren im Strafgesetzbuch schien eine Neuregelung und damit Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in der letzten Legislaturperiode zum Greifen nah. Doch der Bruch der Ampelkoalition und der Unwille der Politik, den parlamentarischen Prozess rechtzeitig in die Wege zu leiten, ließ dieses historische Projekt am Ende scheitern. Aktivist*innen betonen daher, dass der Handlungsbedarf weiterhin dringend ist: Es braucht sichere, einfach zugängliche Schwangerschaftsabbrüche für alle ungewollt Schwangeren!
Deshalb fordern die Aktivist*innen bei den Veranstaltungen zum Internationalen Safe Abortion Day eine flächendeckende Versorgung mit Beratungsangeboten und Eingriffsmöglichkeiten, auch im ländlichen Gebiet. Zudem muss der Schwangerschaftsabbruch fester Bestandteil des gynäkologischen Medizinstudiums werden und er muss unabhängig vom Einkommen, der Staatsangehörigkeit oder der körperlichen Verfasstheit der betroffenen Personen verfügbar sein.
"Schwangerschaftsabbrüche gehören zur Gesundheitsversorgung – nicht ins Strafgesetzbuch. Wir fordern sichere, wohnortnahe und diskriminierungsfreie Zugänge für alle ungewollt Schwangeren. Der Handlungsbedarf ist dringender denn je", sagt Eva Kubitz.
1 Stand 29.09.2025, 09:00 Uhr: 67.000 Euro






