Kürzlich zeigte der ZDF-Kinderkanal zwei Beiträge mit deutlich auseinandergehendem Spin: Der muslimische Fastenmonat wurde positiv dargestellt, die Geschichte der Kirche hingegen kritisch. Religionskritik, auch für Kinder, sollte ausgewogen sein und sich an der heutigen Relevanz orientieren.
Die "logo!"-Sendung von ZDFtivi widmete sich am 19. März zunächst sachlich bis positiv dem Ramadan inklusive Zuckerfest. Mit den Worten "Und wir bleiben beim Thema Religion" leitete die Moderatorin anschließend über. Es folgte ein zweiter Clip, dieser mit negativer Schlagseite, der vom schwindenden Einfluss der christlichen Kirche handelte. Die "logo!"-Folge sorgte für Aufruhr und zog mindestens eine Programmbeschwerde nach sich.
Der Sender räumte daraufhin ein, dass die "Programmierung unglücklich war". Eine gegenüberstellende Wirkung sei "keinesfalls intendiert" gewesen. Zurück bleibt ein Geschmäckle: Wie konnte die Redaktion überhaupt darauf kommen, diese Beiträge so zu produzieren und auszustrahlen? Das Stück steht exemplarisch für eine vielerorts selektive, wenn man so will, Religionskritik. Auch das präsentierte Islamverständnis dürfte Islamisten gefallen.
Kontrastprogramm: Fröhlicher Islam, bedrohliches Christentum
Eingangs erklärt die Moderatorin: "Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland, die Muslime sind und der Religion Islam angehören", würden das Ende des Ramadan feiern. Weiter informiert der Clip: Der Ramadan erfordere, dass "gläubige Muslime" einen Monat lang "so oft es geht an ihren Gott – Allah – denken". Und: "Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang fasten, also nichts essen und trinken." Eingeblendet werden Szenen aus einer Moschee, in der in den vorderen Reihen ausschließlich Männer beten und Frauen sowie Mädchen durchweg Kopftücher tragen.
Dann: Zum Ende des Ramadan folgt ein "großes Fest", Eid al-Fitr, "auch Zuckerfest genannt, weil Kinder viele Süßigkeiten geschenkt bekommen." "Es wird jede Menge gekocht und gebacken", heißt es – zu sehen sind nur Frauen in der Küche. Mädchen erhalten neue Kleidung und Schmuck und malen sich Henna-Tattoos auf, die Glück bringen sollen. Der Beitrag endet feierlich. Soweit, so fragwürdig.
Nun: Kontrastprogramm – der Ton wird ernster. Der Beitrag über die Kirche folgt. Anlass sind die rückläufigen Mitgliederzahlen, die zu Anfang der Ausstrahlungswoche veröffentlicht wurden. Zu Beginn heißt es differenziert: "Für manche spielt die Kirche eine total wichtige Rolle und sie gehen da regelmäßig hin, manche vielleicht einmal im Jahr und manche vielleicht nie."
Es folgt ein historischer Rückblick – visuell eher düster inszeniert, mit Figuren statt realer Menschen. Im Mittelalter, so der Bericht, sei die Kirche "sehr, sehr mächtig" gewesen und habe über viel "Geld und Einfluss" verfügt. Die Menschen hätten den kirchlichen Lehren gehorcht und die Angst entwickelt, dass "Gott sie in die Hölle schicken würde, wenn sie sich nicht an die religiösen Regeln hielten". Zugleich erklärt der Film, die Kirche habe hochpreisige Ablassbriefe angeboten, um sich "von Sünden befreien" zu lassen – und sich daran erheblich bereichert.
Mit dem Übergang in die Neuzeit habe sich dies verändert, so "logo!". Naturkatastrophen und Krankheiten seien zunehmend wissenschaftlich erklärt und nicht mehr allein als Wille Gottes interpretiert worden. In der Folge habe die Kirche ihren "Einfluss auf das Denken der Menschen" verloren. Zudem habe es "keine Verpflichtung mehr" gegeben, "einer Kirche anzugehören".
Abschließend wird – begleitet von einem eingeblendeten Zeigefinger – die sinkende Zahl der Kirchgänger begründet: Für viele sei die Kirche "nicht modern genug". Zudem hätten Bedienstete der Kirche "schwere Fehler gemacht" und "zum Teil schreckliche Verbrechen an Kindern begangen". Soweit, so richtig.
Werbeclip im Interesse des Politischen Islam
Dass ein Kinderbeitrag im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Entwicklungen der Kirche kritisch auf den Prüfstand stellt, ist grundsätzlich begrüßenswert. Zur Religionskunde gehört eben auch Kritik – "logo!" hat einen Bildungsauftrag. Auffällig ist jedoch, dass der Ramadan-Clip – anders als der Beitrag zur Kirche – ohne jede kritische Note auskommt. Um nicht missverstanden zu werden: Dieser Kommentar trauert keiner vermeintlichen Unfehlbarkeit der Kirche nach und möchte auch nicht ihre Ehre retten. Nicht die Schärfe der Kritik ist das Problem, sondern ihre Selektivität.
Schon aus Gründen der Ausgewogenheit hätten die Redakteure die Schattenseiten des Ramadan erwähnen können. Material dafür liefert der Beitrag indirekt selbst.
Zweifellos ist der Ramadan eine zentrale Säule des Islam, die von der Mehrheit der Muslime weltweit durch Fasten, Gebete und Gemeinschaft begangen wird. Dennoch fasten – anders als suggeriert – nicht alle Muslime. "Islamkonforme" Ausnahmen gelten für Kinder, Kranke, Schwangere, Stillende, Reisende oder Menschen, die schwere Arbeit verrichten. Ganz übersehen wird in dem Beitrag die innermuslimische Minderheit der Aleviten, die ebenfalls zu den genannten rund fünf Millionen Muslimen in Deutschland zählen. Sie haben eine eigene Fastenzeit zu einem anderen Zeitpunkt.
Auch die präsentierte harte Gangart des Fastens – "von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und trinken" – wird nicht von allen Muslimen so eingehalten. Viele fasten nur teilweise, verzichten auf persönliche "Laster" oder Luxusgüter. Ganz zu schweigen von Kindern, denen aus gesundheitlichen Gründen vom vollumfänglichen Fasten abzuraten ist. Gerade in einer Kindersendung hätte dies eingeordnet werden müssen, statt einen Ramadan-Absolutismus als selbstverständlich abzubilden.
Die mediale Normalisierung einer strengen Ramadanpraxis liegt im Interesse des Politischen Islam. Dieser führt den Kampf um die Köpfe und ist bestrebt auf leisen Sohlen islamistische Normen zu etablieren. Wenn der Ramadan bereits im Kinderkanal in seiner dogmatischen Version gepriesen wird, braucht es langfristig weniger Zwang, um Menschen zum Fasten zu nötigen. Der Clip wirkt wie eine Werbung: Das "bisschen" Askese wird schließlich mit Festlichkeiten, Geschenken und Süßigkeiten belohnt. Ein Traum aller Kinder. Früh übt sich.
Negative Aspekte werden ausgeklammert
Von der Kehrseite des Ganzen kein Wort. Kinder, die aus Gruppenzwang oder dem Wunsch nach "Anerkennung" rigide fasten, sich im Unterricht nicht konzentrieren können oder umkippen, tauchen in dem Beitrag nicht auf. Über (selbsternannte) Religionspolizisten, die Nicht-Fastende auf Schulhöfen drangsalieren, herrscht Stillschweigen. Auch steigende Terror- oder Militanzakte unter Muslimen im Ramadan sowie Lähmungen wirtschaftlicher Produktivität in islamischen Gesellschaften werden ausgeklammert.
Ein aus Syrien stammender, moderater Christ und ausgesprochener Kritiker des Islam sagte mir einmal: "Der Ramadan soll Muslimen dabei helfen, sich in die Not von Hungernden und Bettlern zu versetzen. Doch welche hungernden Menschen oder Bettler betreiben jede Nacht Völlerei und werden anschließend mit Geschenken überhäuft?" Auch dieses brüchige Ramadan-Narrativ sollte Gegenstand einer kritischen Religionskunde sein.
Während öffentliche Rundfunkanstalten sonst großen Wert auf die Darstellung gleichberechtigter Geschlechterrollen legen, scheinen die "logo!"-Macher diesmal darüber hinweggegangen zu sein. Frauen müssen im hinteren Rang beten, treten überwiegend verschleiert auf – das Kopftuch als Instrument sozialer und sexueller Kontrolle – und sind gemäß den traditionellen Erwartungen in der Küche zu finden. Ob wissentlich oder nicht: Mit diesem Clip reproduziert das ZDF ein reaktionäres Islamverständnis.
ChatGPT macht keine Witze über Mohammed
Einseitigkeit allein soll nicht das Hauptkriterium der Kritik sein. Religionskritik muss auf Höhe der Zeit stattfinden. Eine Gleichsetzung von Christentum und Islam wäre fatal. Unbestreitbar hat die Kirche ihre Leichen im Keller: Zölibat, Kreuzzüge, die Unauflöslichkeit der Ehe, Gewalt (überwiegend) im Alten Testament, Kindesmissbrauch, Homophobie und die Verweigerung reproduktiver Selbstbestimmung, um nur eine Auswahl zu nennen. Qualitativ und quantitativ spielen reaktionäre und militante Eiferer im Christentum jedoch eine geringere Rolle als im gegenwärtigen Islam.
Der Migrationsforscher Ruud Koopmans stellte 2013 fest, dass "der religiöse Fundamentalismus unter Muslimen deutlich weiter verbreitet ist als unter Christen". Laut einer aktuellen Studie ist fast jeder zweite Muslim unter 40 Jahren latent bis manifest Islamismus-affin. Der Islam ist die am schnellsten wachsende Religion, unterdessen verzeichnet die Kirche in Deutschland kontinuierlich Austritte und Sterbefälle.
Noch einmal: Es ist schlicht realitätsfern, dass die dominantere und zunehmend aggressiver auftretende Religion von Kritik verschont bleibt, während das im Verhältnis bedeutungsärmere Bekenntnis mit besonderer Vehemenz beargwöhnt wird.
Wenngleich das Christentum die Aufklärung durchlaufen hat, ist dies beim Islam nicht der Fall. Auffällig ist zudem, dass liberale Gesellschaften und Menschenrechte vor allem in christlich-jüdisch geprägten Kontexten entstanden sind und nicht in muslimischen. Es lässt sich argumentieren, dass die Trennung von Religion und Staat bereits in der christlichen Überlieferung angelegt ist: Jesus wird der Ausspruch "Gib dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist" zugeschrieben. Mohammed indes war Religionsstifter und Kriegsherr in einer Person.
Ein Vergleich der Kritikfähigkeit der beiden Religionen macht den Unterschied deutlich: Zahlreiche evangelische und einige katholische Kirchen hissten die Regenbogenfahne als Protest gegen (innerreligiöse) Homophobie. Als islamisches Gotteshaus in Deutschland tat dies lediglich die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee der Frauenrechtlerin und Imamin Seyran Ateş – und erntete dafür heftige Anfeindungen. Kirchen standen dafür nicht unter Hochsicherheitsvorkehrungen, die liberale Moschee Ateş' schon.
In den klassischen islamischen Rechtschulen gilt Apostasie als schweres Verbrechen. Alle Staaten, die die Todesstrafe für den Abfall vom Glauben verhängen, sind muslimisch. Auch in Deutschland fürchten Ex-Muslime Einschüchterungen bis hin zu Morddrohungen. Ein Kirchenaustritt kann hierzulande allenfalls das Beschäftigungsende bei einem christlichen Träger bedeuten.
Satiren über das Christentum sind meist harmloser Usus – Mohammed-Zeichnungen hingegen lebensgefährlich. ChatGPT macht Witze über Jesus, Abraham oder Moses – über Mohammed nicht. "Aus Respekt", heißt es – oder etwa falsche Toleranz? Der französische Lehrer Samuel Paty wurde von einem 18-jährigen Islamisten ermordet, weil Paty seinen Schülern im Sinne einer Erziehung zur Mündigkeit eine Mohammed-Karikatur gezeigt hatte.
Die islamistische Wucht verunsichert; linksautoritäre Diskurse brandmarken Islamkritik oft als Rassismus – Unterwerfung oder Selbstzensur sind nicht selten die Folge. Hat die "logo!"-Redaktion deshalb auf Kritik am Islam verzichtet, weil sie weiß, was ihr blühen könnte?







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