Psychologie

Gibt es eine Atheistophobie?

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Eine Studie legt nahe, dass Atheisten häufiger mit Verbrechen in Verbindung gebracht werden als Gläubige

Atheisten werden eher eines Verbrechens verdächtigt als Gläubige. Zu diesem Ergebnis kommt eine internationale Vergleichsstudie, die negative Vorurteile über Atheisten untersuchte. 

Vorgestern wurde ein Bericht in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Nature Human Behaviour" veröffentlicht, der für Aufsehen sorgt. Eine Arbeitsgruppe um Will M. Gervais von der University of Kentucky befragte 3256 Menschen aus 13 Ländern und kam dabei zu einem überraschenden Ergebnis: Nicht nur in stark religiös geprägten Staaten, sondern auch in mehrheitlich säkularen sind anti-atheistische Vorurteile weit verbreitet. 

In der Umfrage mussten die Studienteilnehmer entscheiden, ob sie ein grausames Verbrechen wie ein Serienmord eher einem Atheisten oder einem Gläubigen zutrauen würden. Der Atheist wurde dabei etwa doppelt so häufig mit dem Verbrechen assoziert. Das intuitive moralische Misstrauen gegenüber Ungläubigen zeigte sich dabei auch bei Teilnehmern, die sich selbst als Atheisten bezeichneten. Nur in Finnland konnten keine deutlichen Vorurteile gegenüber Atheisten festgestellt werden. 

Die Forscher sehen die Ergebnisse mit Sorge: Anti-atheistische Vorurteile seien ein Problem, das sich auf Beschäftigung, das soziale und familiäre Leben sowie auf Wahlen auswirke. So zeigt eine ältere Studie von Will M. Gervais, dass Atheisten die schlechtesten Chancen bei einer Präsidentschaftswahl in den USA haben. Die Stimmbereitschaft betrug bei ihnen nur 45 Prozent, während 92 Prozent der Befragten afroamerikanische Kandidaten, 88 Prozent Frauen und 87 Prozent Hispanics wählen würden.