Vortrag von Lydia Benecke wegen Esoteriker-Kritik abgesagt

Frankfurter Club Voltaire verärgert Skeptiker

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Lydia Benecke, 2017
Lydia Benecke, 2017

Der Frankfurter Club Voltaire hat kurzfristig die Veranstaltung "Satanic Panic Reloaded" mit Lydia Benecke einseitig abgesagt. Laut Holm Hümmler knickte der "Ort für Gegenöffentlichkeit" damit vor einer inszenierten Protestmailkampagne ein, zu der die esoterikgläubige Psychotherapeutin Michaela Huber aufgerufen hatte.

Die Kriminalpsychologin und Schriftstellerin Lydia Benecke stellt seit längerer Zeit auf Vorträgen ihre Bücher und Forschungsergebnisse vor. So war es auch für die kommende Woche geplant. Im Club Voltaire in Frankfurt/M. mit seinen rund 80 Plätzen wollte Benecke über den Verschwörungsmythos des satanisch-rituellen Mißbrauchs sprechen.

Das gefiel der "esoterikgläubige(n) Psychotherapeutin Michaela Huber" jedoch nicht, die über ihren Newsletter vom 18. Mai 2019 ihre Leser und Leserinnen aufforderte, gegen den Vortrag zu protestieren. "Liebe KollegInnen, bitte unterstützt diesen Protest. Frau Benecke wird von Medien hofiert (ist sogar als Expertin bei XY-ungelöst engagiert, gilt dort als 'führende psychologische Expertin auf dem Gebiet der Forensik' – und aktiv in der False Memory-Bewegung. … Es wäre sehr hilfreich, den OrganisatorInnen der u.g. Veranstaltung – wie auch anderer Veranstaltungen mit dieser Dame – gute Argumente dafür an die Hand zu geben, diese Veranstaltungen nicht so stattfinden zu lassen." (zitiert nach einem Kommentar von Lydia Benecke bei Hoaxilla/Fabebook).

Tatsächlich veranlasste dieser lächerliche Aufruf von Frau Huber den Club Voltaire, der sich nach eigenem Bekunden als "Ort für Gegenöffentlichkeit" versteht, die Veranstaltung einseitig abzusagen.

Holm Hümmler schrieb – ebenfalls bei Facebook – über die Verursacherin der Absage: "Huber ist nicht nur eine Hauptvertreterin des Verschwörungsglaubens um satanistische rituelle Gewalt in Deutschland und behauptet in Interviews, es gäbe ein großangelegtes satanistisches Missbrauchsnetzwerk mit 'Tätern bei der Polizei'. In ihrem Buch 'Multiple Persönlichkeiten: Seelische Zersplitterung nach Gewalt' aus dem Jahr 2010 erläuterte sie auch ausführlich, Menschen mit Dissoziativer Identitätsstörung hätten übersinnliche Fähigkeiten wie Telepathie und Telekinese. Dabei beruft sie sich unter anderem auf den kanadischen Psychiater Colin A. Ross, der sich 2008 ernsthaft um James Randis Preis für paranormale Fähigkeiten beworben hat, mit der Behauptung, er könne aus seinen Augen elektromagnetische Strahlen verschießen. Ross erhielt stattdessen Randis Pigasus Award für 'parapsychologische Betrüger'".

Lydia Beneckes Hauptanliegen sei es, Missbrauchsopfer davor zu schützen, auch noch Opfer unseriöser Therapieangebote zu werden. Deshalb wird in den weitgehend wortgleichen Protestschreiben gegen den Vortrag in Frankfurt unterstellt, sie würde die Betroffenen diffamieren.

Über die Entscheidung des Club Voltaire zeigt sich nicht nur Holm Hümmler entsetzt. Auch andere Skeptiker sind darüber fassungslos. Zumal der Veranstaltungsort sehr häufig von der GWUP und der Regionalgruppe der Giordano Bruno Stiftung genutzt wurde.

Die beiden "Macher" des Hoaxilla Podcasts schrieben: "Wir hoffen, dass der Vorstand des Club Voltaire noch einmal in sich geht und seine Entscheidung überdenkt bzw. nun auch öffentlich kommentiert. Der Namensgeber des Clubs wäre über diese Entscheidung sicherlich enttäuscht und wir sind es auch!"

Verschwörungstheorie: Vom satanisch-rituellen Missbrauch (Lydia Benecke u.a.) Skepkon 2018: