Die erste Hitzewelle hat Europa erreicht, die Menschen suchen Abkühlung in Bädern und Seen. Während einerseits Frauen immer öfter oben ohne baden dürfen, suchen andere mit einem Burkini die maximale Verhüllung. Liberale Gesellschaften stellt das vor grundlegende Konflikte: Gleichberechtigung der Geschlechter versus Religionsfreiheit, individuelle Bürgerrechte versus Kollektivansprüche.
Sommerzeit ist Schwimmzeit. Entsprechend flammen derzeit erneut Diskussionen über sogenannte Burkinis auf. Dabei handelt es sich um schariakonforme Badeanzüge für Frauen, die bis auf Hände, Füße und Gesicht den gesamten Körper bedecken. Anlass ist unter anderem ein Ende März im Genfer Kantonsparlament verabschiedetes Gesetz für öffentliche Bäder, das einem Burkini-Verbot gleichkommt. Darüber berichtete der SRF.
Das Burkini-Verbot in Genf geht auf eine Initiative der SVP zurück. Der Vorstoß wurde mit 53 Stimmen aus dem bürgerlichen und rechten Spektrum bei 38 Stimmen aus dem linken Spektrum und sechs Enthaltungen angenommen. Im Text selbst ist nicht ausdrücklich von "Burkinis" die Rede. Stattdessen definiert das Gesetz künftig zulässige Badekleidung als solche, die maximal bis zum Knie reicht und die Arme unbedeckt lässt. Die Kleidervorschrift für Genfer Badeanstalten wurde sowohl mit Hygieneaspekten als auch mit einem Signal gegen sozialen oder religiösen Verhüllungszwang, dem Musliminnen ausgesetzt sein könnten, untermauert.
Kritik von muslimbrudernaher Organisation
Gegner der Vorschrift, darunter Linke sowie die muslimbrudernahe Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), kritisierten den Ausschluss bestimmter Musliminnen von gesellschaftlicher Teilhabe und bemängelten, dass es keine belastbaren Hinweise auf Hygieneprobleme durch Burkinis gebe. Laut dem Journalisten Lucien Scherrer in der NZZ versammelt die Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz Akteure in ihren Reihen, die wiederholt Sympathien für den Islamismus-Vordenker Tariq Ramadan bekundet haben sollen. Ramadan ist der Enkel des Gründers der Muslimbruderschaft, Hassan al-Bannā. Im FIDS spielen unter anderem das Ehepaar Nadia und Mohamed Karmous eine herausragende Rolle. Nadia Karmous betonte etwa einmal, dass Mädchen und Jungen beim Schwimmen getrennt werden sollten. Mohamed Karmous agierte einst als Schatzmeister einer muslimbrudernahen Organisation und gilt gemeinsam mit seiner Frau in den "Qatar Papers" als Schlüsselfigur bei der Finanzierung muslimischer Zentren in der Schweiz mit katarischen Geldern.
Entwürdigung oder legitime Anpassungsaufforderung?
Bereits im Oktober des vergangenen Jahres gab es in einem Hotel im österreichischen Pongau Streit, nachdem zwei Musliminnen wegen ihrer Ganzkörperbadeanzüge der Zutritt zum Pool verweigert worden war. Laut Focus beschreiben die Betroffenen die Reaktion der Rezeption auf ihre Ganzkörperschwimmanzüge als "maximal entwürdigend und diskriminierend". Sie sprechen von einem "Gefühl der Ausgrenzung". Auch hier begründete die Hotelbetreiberin das Verbot zunächst mit Hygienebedenken. Die Betroffenen entgegneten, ein Burkini sei im Gegenteil hygienischer, da durch ihn weniger Haare und Hautpartikel ins Wasser gelangen würden. Der Fall landete schließlich vor dem Salzburger Landesverwaltungsgericht. Ein Urteil steht noch aus.
Gegenüber HEUTE erklärten die Musliminnen, die Hotelchefin habe in einem Telefonat – als eigentlichen oder zusätzlichen Grund – gesagt: "Hier in Österreich hätten wir uns anzupassen" oder: "Mit dem Burkini könnten wir in Saudi-Arabien schwimmen gehen."
Burkini-Restriktionen global
Weltweit verbietet bislang kein einziges Land flächendeckend das Tragen von Burkinis – anders als bei den Gesichtsverhüllungen der Burka oder des Niqabs. Verbote dieser Vollverschleierungen existieren etwa in Frankreich, Belgien, Österreich, der Schweiz (seit Anfang 2025), Dänemark, Bulgarien und Lettland sowie außereuropäisch unter anderem in Sri Lanka, dem Tschad, Gabun oder der Republik Kongo. Oft laufen die Burka-Verbote über ein Vermummungsverbot. Die letztgenannten Republiken verabschiedeten entsprechende Gesetze im Kontext einer islamistischen Bedrohungslage. In Frankreich herrscht zudem ein Kopftuchverbot an Schulen, das mit der strikten Trennung von Staat und Religion begründet wird. Laut einer empirischen Studie der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland führte das Kopftuchverbot an französischen Schulen zu einer Verbesserung des Bildungsniveaus und der Integration.
Hinsichtlich des Burkinis existieren dennoch in mehreren Ländern lokale Verbote, gerichtliche Einschränkungen oder Kleidervorschriften privater Betreiber, die das Tragen in bestimmten Schwimmbädern, Pools oder Strandabschnitten untersagen.
Als Zentrum der Debatten um ein Burkini-Verbot gilt ebenfalls Frankreich. Zwar existiert kein landesweites Anti-Burkini-Gesetz, allerdings hatten im Sommer 2016 mehr als 30 französische Badeorte als Reaktion auf den islamistischen Anschlag von Nizza mit 86 Toten Burkiniverbote an ihren Stränden verhängt. Die französischen Gerichte kippten einzelne dieser Verbote wieder. Zugleich entschied jedoch das oberste französische Verwaltungsgericht im Jahr 2022, dass die Stadt Grenoble das Tragen von Burkinis in öffentlichen Schwimmbädern nicht erlauben darf, da eine solche Sonderregelung gegen das Prinzip des Laizismus verstoße.
In Deutschland und Österreich sind Burkinis in öffentlichen Bädern grundsätzlich erlaubt, sofern sie aus speziellem Badestoff wie Elastan oder Nylon bestehen. Dennoch machen manche Badbetreiber von ihrem Hausrecht Gebrauch und untersagen aus hygienischen Gründen lange Kleidung, wodurch auch Burkinis betroffen sein können. In der Praxis betrifft dies allerdings eher Badegäste, die mit Straßenkleidung oder weiten Überwürfen ins Wasser gehen, als Trägerinnen von Burkinis.
In der Schweiz verfügten bisher einzelne Städte und Gemeinden wie Lausanne oder Meyrin über Regelungen, die das Tragen von Burkinis in öffentlichen Badeanstalten ausdrücklich untersagen. Neu und einzigartig ist das kantonsweite Burkini-Verbot in Genf. Gegen den Kurs der Parlamentsmehrheit regt sich bereits Widerstand. Die zuständige Genfer Staatsrätin Carole-Anne Kast, deren sozialdemokratisch geprägte Stadt Genf das Baden im Burkini zuvor noch erlaubt hatte, kritisierte die Neuregelung deutlich. Bislang blieb ihr Protest erfolglos. Gegenüber der NZZ stellte Kast in Aussicht, "dass letztlich die Justiz darüber entscheiden wird, welche Kleidung in einem öffentlichen Bad zulässig ist und welche nicht".
Auch in touristischen Regionen einiger islamisch geprägter Länder wie Marokko, Tunesien oder Ägypten verbieten zahlreiche Luxusresorts, Hotelanlagen und private Strandclubs Burkinis in ihren Pools. Die Betreiber begründen dies meist mit westlichen Standards, Hygienevorschriften oder der Ausrichtung auf internationale Touristen.
Kontroverse Debatte – selbst unter Liberalen
Staatliche Verbotsinstrumente gegen den Burkini sind äußerst umstritten. Die Kontroversen um derartige Maßnahmen bewegen sich meist im Spannungsfeld zwischen Religionsfreiheit, Partizipation von Minderheiten und Gleichberechtigung der Geschlechter. Hygienebedenken werden oft durch gegenteilige Studien entkräftet. Doch selbst Kritiker muslimischer Verhüllungspraktiken, die diese als irrational, schädigend und als patriarchale Herrschaftstechniken bewerten, sehen in staatlichen Restriktionen autoritäre und paternalistische Züge, die das Wesen des liberalen Staates ins Gegenteil verkehren könnten. Sinngemäß lautet das Argument: Bei der Zurückdrängung illiberaler Phänomene darf der liberale Staat nicht selbst illiberal werden. Dahinter mag das berühmte Diktum des deutschen Juristen und Verfassungsrichters Ernst-Wolfgang Böckenförde stehen: "Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann."
Doch was ist, wenn ein Kleidungsstück Frauen – sowohl die Trägerinnen als auch jene, die es nicht tragen – massiv diskriminiert? Und – Böckenfördes womöglich größter blinder Fleck: Hat der Staat primär Freiheitsrechte von Individuen oder von Gruppen zu schützen?
Der ganze Frauenkörper als Schambereich
Badekleidung dient gemeinhin dem Zweck, den Schambereich – oder besser gesagt: die körperliche Intim- oder Schutzzone, denn für Geschlechtsmerkmale sollte man sich nicht schämen müssen – zu bedecken. Insbesondere dort sind ungewollte Blicke und Berührungen durch Fremde nicht willkommen. In einem reaktionären Islamverständnis jedoch wird dieser Bereich insbesondere bei Frauen auf nahezu den gesamten Körper – meist mit Ausnahme von Gesicht, Händen und Füßen – ausgeweitet. Die Funktion des Burkinis ist es demnach, weibliche Konturen und den als Schambereich verstandenen Körper der Frau zu verbergen – eine Auffassung, die Frauen als Sexualobjekte stigmatisiert: Übersexualisierung bei gleichzeitiger Desexualisierung.
Diese Form der Körperverhüllung basiert auf einer patriarchalen islamischen Sexualmoral, nach der der Anblick des weiblichen Körpers Versuchungen oder gesellschaftliche "Zwietracht" (fitna) hervorrufen würde. Frauen müssen ihre Reize verbergen, weil zugleich angenommen wird, dass Männer ihre Sexualität nicht kontrollieren könnten.
Während die westlich-liberale Körperkultur Frauen wie Männern grundsätzlich sexuelle Subjektivität zugesteht – auch wenn diese im Kapitalismus selbstverständlich ebenfalls objektiviert werden kann –, tabuisiert und sakralisiert der Burkini den weiblichen Körper per se, was sich am Beckenrand im Clash of Cultures manifestiert. Ein Schwimmbadbesuch ist eben nicht nur sportliche Betätigung, sondern auch das Spüren von Wasser auf der Haut, das Verweilen in leicht bekleideter, gemischtgeschlechtlicher Gesellschaft an heißen Sommertagen und das durchaus auch bewusste Wahrnehmen anderer Körper. Der Burkini steht dazu quer. Er symbolisiert Blickregime, einen islamischen Puritanismus und bedeutet kulturell eher Segregation als Integration in diesen liberalen Lebensstil.
Entgegen der verbreiteten Annahme ist der Burkini zudem nicht nur selbstschädigend für die Trägerinnen. Er sendet zugleich Botschaften an andere: an andere Frauen, die durch ihr weniger "bedecktes" Auftreten unsittlich seien und sich als "Freiwild" präsentieren würden; an Männer, die sich angeblich nicht beherrschen können. Die eigentliche Entwürdigung liegt damit nicht erst im Ausschluss des Burkinis, sondern bereits in der ihm zugrunde liegenden Geschlechterordnung.
Bürger- oder Gruppenrechte?
Liberale Kritiker eines Burkini-Verbots argumentieren häufig, staatliche Eingriffe dieser Art verletzten persönliche Freiheitsrechte, insbesondere die Religionsfreiheit. Als Gegenfragen könnte man stellen: Schränkt nicht bereits die Ideologie hinter dem Burkini Bewegungs- und Freiheitsrechte von Frauen ein? Wird um die partielle Freiheit von Burkiniträgerinnen zu ermöglichen, nicht ein viel schwerwiegenderes Problem der geschlechtlichen Unfreiheit toleriert, das sich zur Gefahr für noch mehr Mädchen oder für unseren koedukativen gesellschaftlichen Umgang als solchen entwickeln kann? Geben wir demokratische Werte im Namen der Freiheit preis?
Glaubensfreiheit ist keine Narrenfreiheit. Sie hat zum Beispiel dort zu enden, wo Frauenrechte und sexuelle Selbstbestimmung untergraben werden. Mit einem Burkini-Verbot wird muslimischen Frauen nicht ihr persönlicher Glaube genommen – dieser bleibt Privatsache –, sondern die Praxis einer repressiven Geschlechterordnung würde Begrenzung erfahren. Mit Karl Popper ließe sich sagen: "Keine Toleranz der Intoleranz."
Manche argumentieren zudem, der Burkini sei weniger islamisch-theologisch begründet als vielmehr Ausdruck einer archaischer Männerherrschaft und deshalb womöglich gar nicht vom Schutzbereich der Religionsfreiheit umfasst.
Wenn linke wie islamistische Akteure behaupten, ein Burkini-Verbot verhindere die gesellschaftliche Teilhabe von Muslimen, insinuieren sie damit, das Tragen eines Burkinis sei eine normale oder gar notwendige muslimische Praxis. Dadurch legitimieren sie jedoch das Frauenbild des Politischen Islam als muslimische Norm.
Eine öffentliche Akzeptanz des Burkinis könnte langfristig zur Normalisierung islamistischer Geschlechterpraktiken beitragen: Je präsenter Burkini-Trägerinnen im öffentlichen Raum werden, desto stärker kann auch der soziale Anpassungsdruck auf andere muslimische Frauen wachsen, sich ebenfalls zu verhüllen. Ein uneingeschränktes Gewährenlassen des Burkinis würde damit individuelle Freiheitsrechte zugunsten kollektiver religiöser Machtansprüche opfern.
Liberalismus bedeutet jedoch gerade auch, Individuen vor der Übergriffigkeit von Kollektiven zu schützen. Ein liberaler Staat würde sich mit einem Burkini-Verbot insofern nicht gegen Musliminnen entscheiden, sondern für die Möglichkeit der Selbstentfaltung von Frauen und Männern – unabhängig von Herkunft oder Religion – gegen die soziale Repression religiöser Reaktionäre.
Andernfalls könnte ein gesellschaftliches Laissez-faire gegenüber dem Burkini langfristig zur Verfestigung von Parallelgesellschaften beitragen, in denen Individuen kaum mehr Luft zum Atmen haben, sondern normative Gruppenzwänge dominieren.
Mehr Mumm in der Integrationspolitik
Mit dem Grundgesetz einigen sich die Bürger liberaler Gesellschaften idealerweise auf einen gemeinsamen Wertekonsens, der insbesondere die Gleichstellung von Mann und Frau sowie das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung umfasst. Als gläubiger Mensch – in diesem Fall als Muslim oder Muslimin – hat die religiöse Weltanschauung im öffentlichen Raum dort zurückzutreten, wo sie diesen Prinzipien widerspricht. Alternativ muss ein Islamverständnis gepflegt werden, das mit ihnen vereinbar ist. Als Anhänger des Islam entscheidet man sich zu diesem Kompromiss in einer offenen, modernen Gesellschaft. Der Burkini hingegen manifestiert Geschlechterapartheid und hisst die anachronistische Flagge des Politischen Islam im Schwimmbad. Dafür Toleranz zu erwarten, wäre anmaßend.
Bevor der Staat jedoch zu restriktiven Maßnahmen greift, könnte er präventiv an anderer Stelle ansetzen – etwa in Schulen, Integrationskursen oder Schwimmprogrammen, also überall dort, wo er Zugang zu muslimischen Familien hat.
Im Tagesspiegel schilderte die Flüchtlingshelferin Barbara Schaeffer-Hegel hierzu ein Best-Practice-Beispiel: In einem Schwimmkurs für überwiegend muslimische, geflüchtete Mädchen kommunizierte sie von Beginn an klar, dass der Schwimmunterricht nur im normalen Badeanzug stattfinden kann. Gemeinsam mit einer syrischen Kollegin klärte sie die Eltern ausdrücklich darüber auf, wie wichtig Schwimmen für die Entwicklung von Kindern ist und dass Verhüllungsvorschriften ausschließlich dazu dienten, Frauen "unsichtbar, unbeweglich und schwach zu machen".
Schließlich lernten alle Mädchen schwimmen, und sowohl die Eltern als auch Mädchen und Jungen gewöhnten sich daran, gemeinsam und ohne religiöse Sonderregeln am Schwimmunterricht teilzunehmen.
Schaeffer-Hegel resümiert: "Warum können unsere verantwortlichen Instanzen – Politik, Verwaltungen, Schulen – nicht den Mumm aufbringen, bei uns herrschende Regeln und Selbstverständlichkeiten von den Menschen zu verlangen, die bei uns Schutz suchen und die wir ernähren?"
Gäbe es mehr solch aufrichtiger Integrationshelfer, würde sich die Debatte um Burkini-Verbote womöglich eines Tages von selbst erübrigen.







32 Kommentare
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Kommentare
Petra Schulze am Permanenter Link
Eine Abwechslung in der Kleiderordnung, und schon gibt es beim hpd Alarm: in einem öffentlichen Schwimmbad, das ich öfter besuchte, gab es eine ganze Reihe Frauen mit Vollkörperbadeanzug.
Die "Hygieneaspekte" betrachte ich als vorgeschoben.
Angelika Wedekind am Permanenter Link
Letzteres ist genau der Punkt: die Politik ist zu feige, um unsere gesellschaftlichen Normen durchzusetzen.
SG aus E am Permanenter Link
Sehr geehrte Frau Wedekind, bitte definieren Sie das 'Wir', auf das sich Ihr "unsere gesellschaftlichen Normen" bezieht, und, bitte, erklären Sie, wer diese Normen festlegen soll.
Matt Sand am Permanenter Link
Ich verstehe Sie so, Frau Wedekind: Wer Burkinis nicht so schlimm findet, ist "ideologisch total verblendet" und steht jedenfalls nicht für "unsere gesellschaftlichen Normen".
SG aus E am Permanenter Link
Der Burkini: Liberale Gesellschaften stellt das vor grundlegende Konflikte, so Moritz Pieczewski-Freimuth. — Nö, sage ich. In liberalen Gesellschaften gilt bezüglich Damenmode: Erlaubt ist, was gefällt.
Und nachdem wir nun einen langen Artikel eines Mannes über Bademode für Frauen gelesen haben, schlage ich einen Artikel einer Frau über Bademode für Männer vor. Hier der passende Aufhänger:
"In einem Freibad im Saarland sollten die männlichen Badegäste diesen Sommer eigentlich keine weiten, langen Badehosen mehr tragen. Das Freibad hatte im Mai eine neue Kleiderordnung angekündigt: Schwimmer sollten nur noch in eng anliegenden, kurzen Badeshorts in das Freibad kommen."
https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/schwimmbad-was-ein-verbot-von-langen-badesachen-bringt
SG aus E am Permanenter Link
Nachtrag zum besseren Verständnis:
Und selbstverständlich bin ich auch auf Moritz Pieczewski-Freimuths tiefschürfende Deutungen islamischer Männermode gespannt.
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Hier von "Damenmode" zu sprechen ist der blanke Zynismus.
Was gilt noch als Damenmode? Keuschheitsgürtel?
Mode könnte Mann/Frau/* ja einfach ablegen. Bei Kopftuch und Burkini handelt es sich aber keineswegs um normale Kleidung, die die Trägerinnen einfach so ablegen können. Hab ich schonmal hier geschrieben, beim Kopftuch-Artikel.
Sie verharmlosen das Problem meiner Meinung nach.
Und ja ich bin ein Mann. Und trete für Frauenrechte ein. Und das aus universalistischer und religionskritischer Perspektive - gegen postkoloniale identitätsideologische Ansätze!
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Wenn Sie das Männer-Frau-Ding so stört: dann müssten Sie ja gegen Kopftuch und Burkini sein! Denn das haben sich ja Männer ausgedacht!
Wir brauchen also keinen Artikel einer Frau über Männer-Kleidung, sondern Männer, die die von Männern verzapfte Scheiße (muss man leider so sagen) wieder aus der Welt schaffen bzw. Frauen (bzw. FLINTA*-Personen) in ihrem Kampf gegen das Patriarchat unterstützen!
SG aus E am Permanenter Link
"... dann müssten Sie ja gegen Kopftuch und Burkini sein!"
—
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Im Prinzip ja, nur wissen wir nicht, ob sie das immer wirklich auch "wollen"! Bzw.
Problem: freies Land erlaubt Symbole der Unfreiheit...
Außerdem kann man nicht immer folgenlos anziehen, was man will: es gibt bspw. Vermummungsverbot und Amtsanmaßung, wenn ich als Polizist daher laufe :)
Freies Land heißt also nicht Freiheit von Regeln! ;)
Antimodes am Permanenter Link
"Badekleidung dient gemeinhin dem Zweck, den Schambereich – oder besser gesagt: die körperliche Intim- oder Schutzzone, denn für Geschlechtsmerkmale sollte man sich nicht schämen müssen – zu bedecken."
Da stimme ich zu, aber wir reden hier von Regelungen, die diese Funktion einschränken. Das individuelle Bedürfnis nach Verhüllung (und sei es durch einen Hautengen Badeschlüpper oder Minikini) steht ja nicht zur Debatte. Es geht vielmehr um die zulässige Fremdwirkung und die zulässige Selbstdarstellung im sozialen Kontext. Nackt ist ja meist nicht erlaubt, bzw. selten (im Kontext von Sauna und FKK) geboten. Die Debatte um Badekleidung geht viel weiter als um eine recht seltene Form religioser Maximalbedeckung. Sie ist immer Streitapfel öffentlicher Moral. Dürfen alle Geschlechter gemeinsam baden? Dürfen sie gemeinsam nackt baden / saunieren? Meist nicht. Müssen Kinder Badekleidung tragen und wenn nicht, bis wann? Das hat sich auch in Deutschland geändert. Was für Körperschmuck ist zulässig? Tattoos auch? Und wenn ja, was für Motive? Da lohnt ein Blick nach Japan.
Die Debatte, wer seine Brustwarzen bedecken muss und wer nicht, wird auch sehr unterschiedlich aber mit großem Eifer geführt.
Ich persönlich hätte mich als Jugendlicher unwohl gefühlt einen engen Badeslip tragen zu müssen (was in Frankfurt nicht unüblich ist). Mittlerweile habe ich kein Problem nackt zu baden. Wer in einem Burkini in Vollverhüllung an einen öffentlichen Strand geht, hat zumindest optisch Kontakt zur Öffentlichkeit. Es werden zumindest Alternative Lebensmodelle gesehen. Kinder können sehen, wie es sein kann. Was passiert bei einem Verbot denn sonst? Ziehen sich ultrareligiöse Eltern aus oder zurück?
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Wieder ein sehr guter Beitrag, vielen Dank. Pro- und Contra-Positionen gut eingeordnet.
Ich habe das Gleiche dazu zu sagen, wie beim Text zu Kopftuch und Miss Germany:
Anders formuliert: die demokratische Grundordnung muss ihre Feinde nicht schützen, sondern "abwehren". Ob das über Bildung, Gesetze oder Repression geschieht, müssen wir aber gesellschaftlich aushandeln.
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Und noch was: Stichwort Gesellschaftliche Teilhabe, die durch ein Burkini-Verbot verhindert würde.
Den Burkini kann man ausziehen, die körperliche Behinderung nicht.
PJ am Permanenter Link
Üblicherweise schätze ich die Beiträge von Moritz Pieczewski-Freimuth sehr, speziell die kritischen Beiträge zum politischen Islam.
Ein Mann schreibt über die "richtige" Schwimmbekleidung für Damen - über diesen Punkt kann ich noch wohlwollend hinwegsehen.
Aber über den geäußerten Wunsch nach staatlichen Eingriffen kann ich nur den Kopf schütteln. Der Staat soll sich aus der Wahl der Schwimmkleidung heraushalten. Punkt!
Eine Erwachsene kann und darf anziehen was sie will. Dabei ist komplett irrelevant, ob der Anblick den Autor stört. Ich muss im Schwimmbad genug Speckschwarten (u.a. meine eigene) und genug Winkfett anschauen, trotzdem jammere ich nicht herum und wende stattdessen angewidert meinen Kopf zu jüngeren, drahtigen und attracktiveren Frauenkörpern ab.
Generell sollte es nur Schutzgesetze für Kinder und Jugendliche geben. Die frühkindliche Sexualisierung und alle damit verbundenen Auswüchese wie Burkinis, die Abmeldung vom Schwimmunterricht und andere Forderungen gehören im Keim erstickt.
Aber nochmals: bei Erwachsenen Frauen sollte der Burkini gestattet sein und wenn ich beim Anblick innerlich lauthals lachen muss.
Roland Fakler am Permanenter Link
Warum können unsere verantwortlichen Instanzen – Politik, Verwaltungen, Schulen – nicht den Mumm aufbringen, bei uns herrschende Regeln und Selbstverständlichkeiten von den Menschen zu verlangen, die bei uns Schutz su
Der Islam verfinstert mit solch absurden Regeln, die Welt der Muslime und unsere dazu!
Matt Sand am Permanenter Link
Der Burkini eine Verfinsterung der Welt, Herr Fakler? Das erscheint mir doch etwas hoch gegriffen.
"Absurd" ist die Regel schon gar nicht; sie hat ihren in sich durchaus schlüssigen Sinn in der Kontrolle der Sexualität, denn ohne diese Kontrolle können autoritäre Systeme sich nicht halten.
Der8teZwerg am Permanenter Link
Eigentlich ist die Debatte um den Burkini ja lächerlich: Brauchen wir jetzt Gesetze, wie viel Prozent der weiblichen Haut oder der Haare im Schwimmbad zu sehen sein müssen?
Dann stellt sich aber auch die Frage: Wer legt fest, welche Konventionen damit quasi den Charakter einer Gesetzes bekommen? Führen wir eine Art "Gesinnungspolizei" ein? Es gibt da so einige Sachen, die dann heute wahrscheinlich verboten wären, wie zB gefärbte Haare oder Nasenpiercings. Früher vielleicht Musik von den Beatles oder sogar Konfessionslosigkeit.
Oder will man die Pflicht auf Einhaltung von Konventionen nur bei Migranten oder sogar nur bestimmten Religionen einführen? In jedem Fall sehe ich da ein "bisschen" Probleme mit dem Grundgesetz oder zumindest mit dem Wunsch einer liberalen Gesellschaft.
Aber ich sehe natürlich auch, dass gerade bei vielen muslimischen Einwanderern Ansichten herrschen, die so gar nicht zur deutschen "Mehrheitsgesellschaft" passen. Zum Beispiel bezüglich Frauenrechten, Homosexualität und allgemeinem Grad der Religiosität. Sofern man diese "abweichenden Ansichten" tatsächlich staatlich reduzieren möchte, sehe ich nur folgende Möglichkeiten: Die oben genannte "Gesinnungspolizei", massenhafte Abschiebung muslimischer Einwanderer oder evtl. sogar eine Kombination aus beidem.
Stefan Fleischer am Permanenter Link
1. Muslim:a = Migrant:in halte ich für eine unzulässige Verallgemeinerung. Das stimmt so schlichtweg nicht.
3. Entschuldigung, aber die genannte Lösung ist doch sehr phantasielos. Integration wird oft durch zu viel Bürokratie verhindert. Besser wäre: schnell einbürgern, sofort in Arbeit (Männer und Frauen!), nebenbei Deutsch lernen, kulturelle Bildung und Teilhabe möglich machen (und nicht kaputt sparen). Dann müssen geduldete Personen auch nicht in der Schattenwirtschaft arbeiten, Clan-Strukturen verlieren ihre Grundlage und dann klappt das auch mit den liberalen Werten.
Das hat seit den 70er Jahren nur noch keine Regierung der BRD so richtig hin bekommen, leider.
Der8teZwerg am Permanenter Link
Zu 1. Ich habe nie von "Muslima" gesprochen. Es gab vor den Flüchtlingswellen auch schon Muslime in Deutschland, ja.
Zu 2. Klar betrifft das alle Religionen, aber nur der radikale Islam stellt aufgrund der Zahl und Radikalität der Anhängerschaft eine konkrete Gefahr da.
Zu 3. Meine Vorschläge sind nicht die einzigen, die mir einfallen. Aber nachdem ich gesehen habe, was in den letzten Jahrzehnten passiert ist, bin ich resigniert und halte nur noch diese für realistisch. Ich lasse mich da gerne von etwas anderem überzeugen, aber Ihre Vorschläge tun das nicht: schnelle Einbürgerung senkt den Anpassungsdruck und wird die Ergebnisse der AfD in schwindelerregende Höhen treiben. Umgekehrt wird ein Schuh draus: erst müssen Migranten zeigen, dass sie sich an die Gesellschaft anpassen möchten, dann wird die Gesellschaft auch eine Einbürgerung akzeptieren. Das gleiche gilt für alle Ihre Vorschläge, die mit höheren Kosten verbunden sind: dann wird mehr AfD gewählt. Dass mehr Migranten arbeiten, finde ich richtig, passiert aber auch schon, zB bei Ärzten. Frauen habe ich dabei (ich meine jetzt alle Berufe, nicht nur Arzt) praktisch nicht gesehen. Woran das liegt, weiß ich nicht. Ist der Anteil an Frauen so gering? Sind sie schlechter qualifiziert? Erlauben es die Männer nicht? Keine Ahnung, Sie dürfen es mir gerne erklären.
Letztlich Ihre Vorschläge auch ein riesiges, irreversiblen Experiment mit ungewissem Ausgang. Welches Land hat denn schon so viele Migranten aus vollkommen anderem Kulturkreis erfolgreich integriert? Was, wenn Ihre Vorschläge nicht zu der gewünschten Integration führen? Dann sind alle eingebürgert und man kann nichts mehr machen.
Ich habe nie gesagt, dass meine Vorschläge gute Lösungen sind. In Wirklichkeit sind sie Verzweiflungstaten, Schadensbegrenzung. Das Kind IST bereits in den Brunnen gefallen und liegt seit Jahren dort unten. Die aktuellen Grundschüler, insbesondere in den Städten, haben immense Sprachdefizite. Und der Anteil ist so hoch, dass sie nicht mehr "nebenbei deutsch lernen". Und nicht wenige leben Zuhause den radikalen Islam und üben sogar in der Schule Druck auf andere Schüler aus.
Wenn wir die Zeit zurückdrehen könnten, so 15 oder 20 Jahre und nochmal von vorne anfangen könnten, irgendwie weniger Flüchtlinge ins Land lassen könnten und in die Integration dann mehr Geld investieren, vielleicht auch mit einigen von Ihren Vorschlägen. Dann vielleicht. Bei der Rente würde ich bei der Gelegenheit auch gleich frühzeitig Dinge ändern. ;-)
Aber wir leben nun mal im Hier und Jetzt. Den aktuellen Politikern traue ich keine gute Lösung zu, die AfD nimmt zu, Ihre Vorschläge überzeugen mich mangels Umsetzbarkeit nicht. Was also sonst tun?
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Gegen Religion vorgehen!
In einer gänzlich neuen Religionspolitik für die BRD.
2. Danach kann man dann noch privat oder als Gruppe religiös sein. Organisiert ähnlich dem Vereinsrecht. (Selbstverwaltung, Gebühren zieht eben nicht der Staat ein, usw.)
3. Wenn die religiösen Lehren und Praktiken aus 2. gegen 1. verstoßen, oder dies ablehnen, dann wird vom Verfassungsschutz beobachtet und juristisch interveniert.
4. Regierung / Staat wird religionsfrei bzw. keine religiösen Bezüge mehr. Z.B Schwören aufs Grundgesetz, nicht auf Gott/Bibel/usw.
5. Staat behandelt alle Gruppen aus Punkt 2 ausnahmslos gleich.
6. Punkt 2 auf Parteien erweitern... :)
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Die Bedeutungsaufladung scheint mir das eigentliche Problem hier zu sein. (Symbolische Repräsentanz?)
Was wäre, wenn die muslimische Frau im Neopren-Anzug baden gehen würde?
Intern: Verhüllung und Sharia-Konformität
Extern: nicht primär als muslimisch lesbar, eher sportlich (Tauchen).
Und damit dann auch kein Grund sich von einer repräsentierten anderen Kultur (bzw. Frauenunterdrückung) angegriffen zu fühlen.
Ergo auch keine Debatte, wie diese hier. :)
Solange aber zum Ausdruck gebracht wird, dass man muslimisch ist (und Teile der freiheitlichen Werte ablehnt) wird das eben auf Gegen-Ablehnung treffen. Und dann diskutieren wir hier wieder ;)
Der8teZwerg am Permanenter Link
Tatsächlich denke ich, dass sie da Recht haben. Neoprenanzug und Badekappe würden die Diskussion nicht auslösen.
Manfred Schleyer am Permanenter Link
"Wenn eine Frau kein Kopftuch trägt, soll sie sich gleich die Haare abschneiden lassen." 1. Korintherbrief 11,6.
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Vielen Dank für diesen Hinweis.
Fällt jemandem dazu eine gute wissenschaftliche/historische/soziologische Analyse ein? Meiner Ansicht nach dürfte das auch was mit der Geschichte des Islamismus zu tun haben, ebenso mit westlicher Geopolitik seit den 70er Jahren, dem Umgang der BRD mit sogenannten Gastarbeitern, bürokratischen Hürden bei der Einbürgerung, Xenophobie, gesellschaftlicher Ausgrenzung und kultureller Identität.
Und wie passt das eigentlich mit der Säkularisierungsthese zusammen, die sich ja jetzt doch wieder zu bestätigen scheint?
Danke für Hinweise.
Matt Sand am Permanenter Link
Das Schlagwort "Keine Toleranz der Intoleranz" scheint hier so verstanden zu werden, dass man jeden sichtbaren Ausdruck von etwas verbieten müsse, das man als intolerante Ideologie erkannt hat.
Ein Problem mit Parallelgesellschaften gibt es deshalb, weil der liberale Staat es versäumt, patriarchale Gewalt dort zu bekämpfen, wo sie tatsächlich entsteht: In den Familien und den religiösen Gemeiden. Und nicht, weil erwachsene Frauen in einem öffentlichen Schwimmbad Burkini tragen wollen und dürfen.
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Verbot ist nur die stärkste Möglichkeit. Vorher und gleichzeitig kann man es noch mit Aufklärung, Bildung, Wertevermittlung, Diskussion, Beobachtung (Verfassungsschutz), andere juristische Mittel usw. versuchen.
Und ein Hakenkreuz ist schließlich auch verboten, selbst wenn man es als sein individuelles religiöses Glückssymbol tragen möchte. Oder irre ich mich da?
Und noch was:
"Bekleidungswahl"? Wir wissen ja gar nicht, ob die Frauen jeweils einen Burkini tragen "wollen" -
bzw., ob sie eine freie, zwanglose Wahl dafür oder dagegen gehabt haben. (Erscheint mir zumindest nicht sehr glaubwürdig, dass die Entscheidung dagegen KEINE negativen Konsequenzen für sie hätte.)
Und die religiös-patriarchale Begründung der Verhüllung der Frau lässt Freiwilligkeit hier doch sehr unwahrscheinlich sein. Das ist ein total schwaches Argument der "Pro"-Seite in dieser Debatte... Warum lese ich das immer wieder?
Bei allem anderen stimme ich Ihnen aber zu.
F. Braun am Permanenter Link
Ich fände es persönlich erstrebenswert, sich auf keine "Seite" zu schlagen, denn beide liegen m.E. falsch:
Frauen vorzuschreiben, ein bestimmtes Kleidungsstück zu tragen ist im Kern genauso eine Verletzung des Selbstbestimmungsrechts, wie es ihr zu verbieten.
Um nicht unsere eigene Werteordnung unterlaufen, kann man eigentlich nichts anderes machen als die Herren Ehegatten / Cousin / Brüder mit dem einen oder anderen gehässigen Blick / Kommentar zu strafen. Zivilisierte Verachtung (Carlo Strenger) als ethische Alltagsübung.
Don't hate the player, hate the game.
Ein weiterer Aspekt:
Zyniker könnten noch anmerken, dass die „Kopftuchdebatte“ etwas spät kommt:
Als die "Trägerinnen" nur als Putzfrau nach Feierabend oder beim Teigausrollen in der Backstube im Dönerladen zu sehen waren, hat es keinen gestört. Jetzt, wo auch Staatsanwältinnen und Studienrätinnen Kopftuch tragen ist es auf einmal ein Thema.
- Erstgenannte brauchen weder Verbote, noch "Hilfe".
- Allen anderen ist damit genausowenig geholfen. Die verschwinden lediglich aus dem "Stadtbild".
Stefan Fleischer am Permanenter Link
"Frauen vorzuschreiben, ein bestimmtes Kleidungsstück zu tragen ist im Kern genauso eine Verletzung des Selbstbestimmungsrechts, wie es ihr zu verbieten."
Da stimme ich zu.
Und gerne mal von Frauen, bitte!
Ich lese hier ja fast nur Kommentare von vermutlich Männern, inklusive mir. :D
PS: besseres Verbot: Frauen, die keinen Burkini tragen wollen, dürfen von ihrer muslimischen Community keine Repressalien erleiden müssen! Bitte mal Vorschläge, wie das aussehen kann. Danke!
G.B. am Permanenter Link
Ist das Thema wirklich derartig wichtig, daß bereits 23 Kommentare dazu gepostet wurden?? während andere wichtige Kommentare zu brisanten Themen spärlich besetzt werden.
René am Permanenter Link
Offenbar ist es derart wichtig. Und manchen Leuten ist es derart wichtig auf "wichtigere Themen" hinzuweisen, dass solche nutzlosen Kommentare entstehen, die nichts mit dem Thema an sich zu tun haben.
SG aus E am Permanenter Link
G.B.: "Ist das Thema wirklich derartig wichtig, ...??"
René: "Offenbar ist es derart wichtig."
—
a) dass Deutschland zum Einwanderungsland geworden ist, und,
b) dass ungeklärt ist, wie mit der neuen Vielfalt umgegangen werden soll.
Die Wichtigkeit lässt sich am Aufstieg der AfD ablesen, die mit diesem Thema groß geworden ist. So groß, dass sie inzwischen die Demokratie massiv behindert. Aber auch innerhalb des demokratischen Spektrums wird diskutiert, ob Integration nicht besser Assimilation bedeuten sollte. Zu denen, die Assimilation fordern, gehören m.E. auch die 'gbs' und ihr Umfeld, womit aber nicht alle Leser* des 'hpd' einverstanden zu sein scheinen (s.o.).
—
Zur Vertiefung des Themas erlaube ich mir, auf folgenden Veranstaltungsmitschnitt hinzuweisen:
Exzellenzcluster 'Die Herausbildung normativer Ordnungen': "Zwischen Grundgesetz und Scharia. Der lange Weg des Islam nach Deutschland" vom 13. Dezember 2018 mit Prof. em. Dr. Rudolf Steinberg, Prof. Dr. Rainer Forst und Prof. Dr. Susanne Schröter → https://normativeorders.net/video/zwischen-grundgesetz-und-scharia-der-lange-weg-des-islam-nach-deutschland/
Stefan Fleischer am Permanenter Link
Danke für die Zusammenfassung und den Video-Hinweis!
a) sehe ich auch so.
Und warum sollen nun Haltungen, die das NICHT bereit sind mitzugehen und so diese "Vielfalt" ablehnen und bekämpfen (z.B. Demo zur Einführung der Sharia oder Pegida, AfD usw.) Teil eben dieser Vielfalt sein dürfen?
Das ist der Punkt, den ich nicht verstehen kann (oder will). Also... Meinungsfreiheit ist da ja zuzugestehen, aber Handlungsfreiheit auch? Das wären dann Fälle für die Justiz...
Wird damit aber nicht der Konflikt und die Auseinandersetzung zum Normalfall bzw. zur Norm?
Und: die Dualität Integration/Assimilation hat vielleicht auch ausgedient und wir brauchen eventuell ganz andere intellektuelle Ansätze, diese Problematik zu denken. Denn basiert das nicht auf einer Vorstellung von Kultur als monolithischem Block? Müssten wir Kultur (in ihrer weitest möglichen Bedeutung) nicht als etwas fluides, wandelbares und menschengemachtes sehen?
Für weitere Vorschläge dazu bin ich dankbar!