Seit Jahren wird das vermeintliche Hauptmotiv für den Kirchenaustritt wie ein Mantra wiederholt: die Kirchensteuer. Sie gilt vielen als Symbol für eine überholte Institution, als finanzielle Belastung oder als bürokratische Zumutung. Doch eine neue repräsentative Umfrage zeigt: Diese Erklärung greift viel zu kurz. Der schwindende Rückhalt der Kirchen in der Bevölkerung lässt sich nicht allein monetär begründen. Die Zahlen dokumentieren einen tiefgreifenden kulturellen und gesellschaftlichen Wandel.
Vor einiger Zeit noch verkündeten viele Medien, dass das Christentum die weltweit größte Religion sei. Das sei das Ergebnis einer aktuellen Studie des Pew Research Centers. Nur wenige davon wiesen jedoch darauf hin, dass der Anteil der Christen weltweit schrumpft. Und noch weniger, dass der Anteil der Muslime steigt. Eine neue Untersuchung des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der Universität Münster gibt nun Aufschluss darüber, in welchem Umfang die Bedeutung von Religion weltweit tatsächlich abgenommen hat.
Es gibt einen besonderen Ort im öffentlichen Diskurs, an dem man sich in wohliger Harmonie missversteht: den interreligiösen Dialog. Dort treffen sich Vertreter:innen verschiedener Glaubensrichtungen – gern in klösterlicher Stille oder auf staatlich geförderten Podien – um sich gegenseitig zu versichern, wie viel sie gemeinsam haben. Toleranz, Mitgefühl, Nächstenliebe, Tee mit Keksen. Alles dabei. Fehlt eigentlich nur eines: die Realität.
Mit zwei Schwerpunkten treten Akteure des politischen Islam an Hochschulen zunehmend in Erscheinung: der Hegemonialisierung des Kopftuchs und einer aggressiven Feindschaft gegenüber Israel. Letzteres offenbart ganz besonders den Schulterschluss mit der postkolonialen Linken, die wiederum auch bei Ersterem bereitwillig Komplizenschaft leistet. Was sind Ideologie, Struktur und Aktionsformen der islamistischen Hochschulakteure? Welche Entwicklung ebneten ihnen den Weg?
Am 17. Juni wurde der Bericht zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda veröffentlicht (der hpd berichtete). Einen Tag später erklärte auch ein Artikel in der örtlichen Presse, was auf den 319 Seiten steht. Wie zu erwarten, werden auf gut einer Seite nur wenige spektakuläre Fakten aus dem Bericht zitiert. Eine sorgfältige Analyse von 319 Seiten kann nicht "über Nacht" geleistet werden, weshalb im Folgenden zwei Aspekte detaillierter betrachtet werden, die bisher in keiner Veröffentlichung thematisiert wurden.
In einer Klage vor der 4. Kammer des Landgerichts Mainz unter Vorsitz von Frau Richterin Karl hat sich das Bistum Mainz verpflichtet, einem Betroffenen sexualisierter Gewalt insgesamt 340.000 Euro Schmerzensgeld und Verdienstausfall zu zahlen.
Ein neues Forschungsinstitut an der International University (IU), Standort Essen untersucht die Gemengelage aus islamistischen, türkisch-nationalistischen und rechtsextremen Radikalisierungsprozessen. Im Bereich des türkischen Faschismus haben die renommierten Wissenschaftler bisher deutlich Ross und Reiter benannt. Bleibt diese kritische Klarheit erhalten? Noch ist es für eine umfassende Bewertung zu früh – Recherchen und Gespräche fördern vielversprechende Signale, aber auch strittige Töne zu Tage.
Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) Niedersachsen hat in einem Offenen Brief an den Bürgermeister der Stadt Garbsen, Claudio Provenzano, seine Bedenken hinsichtlich eines Moschee-Umzugs der islamischen Gemeinschaft Millî Görüş Garbsen e.V. (IGMG) geäußert, und ihn aufgefordert, sich für eine weltoffene Kommune einzusetzen. Der hpd veröffentlicht den Brief des Präsidenten Guido Wiesner im Wortlaut.
Klerikalismus, Autoritätsgläubigkeit und kollektives Schweigen haben den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen erst ermöglicht. Das zeigt der jetzt veröffentlichte Abschlussbericht der "Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda".
Studien über Kindesmissbrauch in den beiden christlichen Kirchen gehören seit einigen Jahren zum Alltag. Folglich sinkt die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, sodass auch die aktuelle Studie über Missbrauch im Bistum Speyer in den Medien nur geringe Resonanz gefunden hat. Ein Artikel auf katholisch.de zeigt, wie die Kirche versucht, ihre Verantwortung abzuschwächen.
Eine neue Studie des Zentrums für Islamische Theologie in Münster zeigt: Ein Teil der muslimischen Bevölkerung in Deutschland fühlt sich nicht nur ausgegrenzt – sondern äußert auch gefährliche Feindbilder. Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide warnt vor Alarmismus, will aber neue Wege der Prävention gehen.
Der Dschihadismus insbesondere in Europa ist das Thema in Hugo Micherons neuer Monographie. "Der Zorn und das Vergessen" ist aber eher beschreibend als Entwicklungsgeschichte konzipiert, analytische Kommentierungen fehlen häufig.
Gottesdienste für Hundebesitzer, Motorradfahrer, Fußballfans oder Festivalgänger: Die Kirche zeigt sich kreativ – oder besser gesagt: verzweifelt um Anschluss bemüht. Seit einigen Jahren sprießen spezielle Gottesdienste aus dem Boden, die weniger mit Liturgie als mit Lebensgefühl zu tun haben. Sie tragen Titel wie "Blessing of the Bikes", "Wenn Glaube unter die Haut geht" oder – wie kürzlich in Nürnberg – "Liebe, Glaube, Leidenschaft vereint – 125 Jahre 1. FC Nürnberg". Warum veranstaltet die Kirche solche Eventgottesdienste? Und was zieht Menschen dorthin?
Nun gab es auch innerkirchliche Konsequenzen für den evangelischen Pastor Olaf Latzel: Ein Kirchenausschuss hat entschieden, seine Bezüge als Disziplinarmaßnahme zu kürzen. Latzel hatte sich 2019 in einem "Eheseminar" abfällig über queere Menschen geäußert.
Nachdem der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki 26.000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung gezahlt hat, ist das Ermittlungsverfahren gegen ihn in Sachen falsche Versicherung an Eides statt und fahrlässiger Falscheid nun endgültig eingestellt worden. Doch die Staatsanwaltschaft widerspricht der Interpretation, dass Woelki damit "unschuldig" sei. Dies hatte das Erzbistum Köln in einer Pressemitteilung verbreitet. Und: In einem Offenen Brief an Papst Leo XIV. fordern verschiedene katholische Persönlichkeiten, Woelki von seinem Posten abzuberufen. Dieser sei durch die Ermittlungsergebnisse "moralisch vollständig korrumpiert".