Vergangenen Donnerstag wurde in München ein neues Missbrauchsgutachten für die dortige Diözese vorgestellt, kritisch begleitet von einer Aktion des Aktionsbündnisses Betroffeneninitiativen gemeinsam mit der Giordano-Bruno-Stiftung und kirchlichen Reformbündnissen.
Hamed Abdel-Samad hat sich zu den neuerlichen Missbrauchsfällen geäußert, die jetzt durch das Münchener Gutachten ans Tageslicht kamen. Seine Forderung: Den Ex-Papst Ratzinger vor Gericht zu zitieren.
Mit Spannung war die Vorstellung eines weiteren Missbrauchsgutachtens erwartet worden, diesmal für das Erzbistum München und Freising. Die "Bilanz des Schreckens": 497 Opfer, 65 tatsächliche oder mutmaßliche Täter; in 42 Fällen wird gegen amtierende Würdenträger ermittelt. Bei der gestrigen Vorstellung fanden die Vertreter der beauftragten Kanzlei deutliche Worte.
Heute wird im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München das von der Kanzlei Westphal Spilker Wastl erstellte Gutachten zu sexualisierter Gewalt durch Kleriker und Mitarbeiter des Erzbistums München und Freising der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will Betroffenen eine Stimme geben und ihre Erfahrungen sichtbar machen. Dafür startet sie ein in Deutschland bisher einzigartiges Projekt und veröffentlicht 100 Geschichten von betroffenen Menschen auf einem neuen Internetportal.
Die Giordano-Bruno-Stiftung demonstriert mit ihrer Großplastik "Der Hängemattenbischof" und der Zeichnung "Aufklärung auf Katholisch" vom 19. bis 21. Januar in München gemeinsam mit dem "Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen" sowie weiteren (auch kirchlichen) Initiativen wie "Maria 2.0", "Wir sind Kirche" und "Ordensfrauen für Menschenwürde" gegen die unzureichende Aufarbeitung des kirchlichen Missbrauchsskandals.
Anlässlich des Strafverfahrens am heutigen 18. Januar gegen Pfarrer Bernhard Ue. wegen sexuellen Missbrauchs demonstriert das Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen vor dem Kölner Landgericht gegen die unzureichende Aufarbeitung des kirchlichen Missbrauchsskandals durch Staat und Justiz.
In dieser Woche will eine vom Erzbistum München-Freising beauftragte Rechtsanwaltskanzlei ein umfangreiches Gutachten zum Missbrauchsgeschehen im Erzbistum vorlegen. Dabei wird der Fall des Priesters Peter H., der trotz rechtskräftiger Verurteilung wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs weiter in der Seelsorge tätig war, eine zentrale Rolle spielen.
Die Bischofskonferenz hat angekündigt, dass Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in der portugiesischen katholischen Kirche untersucht werden sollen. Betrachtet werden soll der Zeitraum von 1950 bis 2022. Betroffene können sich im Internet oder per Telefon melden und schildern, was ihnen angetan wurde. Ende 2022 soll eine erste Auswertung und Übergabe der Daten an die Strafverfolgungsbehörden erfolgen. Auch Kirchenunterlagen sollen gesichtet und ausgewertet werden.
Jahrzehntelang waren indigene Kinder ihren Familien entrissen und in, meist von der katholischen Kirche geführte, Internate gebracht worden. Dort sollten ihre Sprachen und ihre Kultur gegen jene der aus Europa Zugewanderten ausgetauscht werden. Die Kinder erlebten zudem noch körperliche und sexuelle Gewalt. Nicht wenige starben und wurden in unmarkierten Gräbern verscharrt. Nun hat sich die Regierung zu einem Entschädigungspaket von 40 Milliarden kanadischen Dollar entschieden. Eine Entscheidung, die mit gemischten Gefühlen aufgenommen wird.
Für gläubige außenstehende Katholiken ist es vermutlich ein erschütterndes, aufschlussreiches Dokument: Einmal mehr bestätigt sich deutlich: Religion und Kriminalität liegen zuweilen sehr dicht beieinander. Der Titel "Missbrauchte Kirche" verdeutlicht die Kritik und das Verständnis von Kirche des Geistlichen Wolfgang F. Rothe und seinen Wunsch, dass sich etwas tut.
Vergangene Woche fand die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) digital in Bremen statt. Neben der Wahl der neuen Ratsvorsitzenden stand das Thema Missbrauchsaufarbeitung im Mittelpunkt.
Westaustralien ist der nächste australische Bundesstaat, der am katholischen Beichtgeheimnis sägt. Ein neues Gesetz verpflichtet Priester, während der Beichte erlangte Informationen über Kindesmissbrauch an die Behörden zu melden, ähnliche Regeln gelten bereits in vier anderen Bundesstaaten. Die katholische Kirche schäumt.
Am Dienstag ist der Bericht einer unabhängigen Untersuchungskommission zur sexualisierten Gewalt in der katholischen Kirche in Frankreich veröffentlicht worden. Danach wurden zwischen 1950 und 2020 insgesamt 330.000 Minderjährige Opfer sexualisierter Gewalt, allein 216.000 wurden von Priestern und Ordensleuten missbraucht.
Sie brüsten sich mit dem Anspruch, ethische Werte zu pflegen und weiterzuvermitteln. Doch hinter der Fassade moralischer Autorität erweisen sich religiöse Glaubensgruppen oft als Brutstätte von Gewalt und Menschenrechtsverletzungen. Ein Schlaglicht auf die Situation in Großbritannien wirft nun der kürzlich veröffentlichte Bericht "Independent Inquiry into Child Sexual Abuse" (IICSA). Demnach kommt es in den meisten großen Religionsgemeinschaften des Landes zu sexueller Gewalt an Kindern.